Edathy-Affäre Politiker wollen Geschäfte mit Kinder-Nacktfotos verbieten

Als Konsequenz aus der Edathy-Affäre fordern Politiker der Union Strafen für das Verbreiten von Nacktbildern von Kindern. Auch Kinderschützer wollen Gesetze gegen die Geschäfte mit solchen Fotos, warnen aber davor, Alltagsbilder zu kriminalisieren.
Pädophilen-Lockangebot mit Avatar "Sweetie": Debatte um "Posing"

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Foto: Peter Dejong/ AP/dpa

Berlin - Nach dem Skandal um SPD-Politiker Sebastian Edathy fordern Politiker, Kinderschützer und Kriminalbeamte schärfere Gesetze gegen Kinderpornografie. Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, plädierte dafür, den Kauf und Verkauf von Fotos mit nackten Kindern, generell unter Strafe zu stellen.

Es handle sich um einen schweren Verstoß gegen die Menschenwürde, wenn mit solchen Bildern Geschäfte gemacht würden, sagte Hilgers dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Schließlich würden die Opfer nicht nach ihrem Einverständnis gefragt.

Man müsse aber darauf achten, dass die Politik nicht Dinge kriminalisiere, die zum alltäglichen Leben gehörten - etwa wenn Eltern im Urlaub ihre Kinder am Strand fotografierten.

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Edathy wegen Vorwürfen "im Grenzbereich" zur Kinderpornografie. Offiziell ist ein strafbares Verhalten bislang nicht nachgewiesen worden. Bei der Strafverfolgung wird bei Kinderpornografie zwischen Kategorie eins und Kategorie zwei unterschieden. Bei Kategorie zwei sind nackte Kinder, aber nicht explizit ihre Genitalien im Fokus. Solche Aufnahmen sind nach derzeitiger Gesetzeslage nicht strafbar - wegen Bildern wie diesen wurden auch die Ermittlungen gegen Edathy aufgenommen. Bei Kategorie eins handelt es sich um strafbares kinderpornografisches Material.

"Problematische Grauzone"

Auch in der CDU gibt es offenbar Überlegungen zu einem generellen Verbot von käuflichen Nacktfotos von Kindern. Zumindest die gewerbliche Verbreitung derartiger Bilder sollte verboten werden, sagte der Staatssekretär im Innenministerium Günter Krings (CDU) der "Rheinischen Post". Auch nicht als Pornografie eingestufte "bloße" Nacktaufnahmen könnten Kinderseelen verletzen, besonders wenn sie weltweit verbreitet würden.

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte der Zeitung, wenn sich der "Rauch" in der Edathy-Affäre gelegt habe, "werden wir über die problematische Grauzone reden müssen, dass käuflich erworbene Nacktfotos von Kindern strafrechtlich nicht relevant sind". Am Montag hatte bereits der CSU-Politiker Peter Gauweiler eine Verschärfung der Gesetze gefordert. Auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter sprach davon, dass die Strafen in diesem Bereich derzeit zu gering seien.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sprach sich ebenfalls für neue Regeln aus. "Der Fall Edathy zeigt klar, dass es hier eine Gesetzeslücke gibt", sagte Rörig der "Welt". Diese Lücke müsse geschlossen werden: "Wenn Darstellungen von Kindern erzeugt werden, um sexuelle Interessen von Erwachsenen zu befriedigen, muss dies im Sinne eines besseren Kinderschutzes strafrechtlich sanktioniert werden."

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels hieß es, "Posing"-Bilder seien auch bei Sebastian Edathy gefunden worden. Das ist falsch. Richtig ist, dass gegen Edathy ermittelt wird, weil er Nacktbilder von Kindern bestellt haben soll. Ob diese bei Edathy auch gefunden wurden, ist noch unklar. Wir haben den Artikel korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

fab/dpa/Reuters