CDU Vogel will nicht Schäuble-Nachfolger werden

Thüringens Ministerpräsident Vogel hat Berichte zurückgewiesen, er wolle Wolfgang Schäuble als CDU-Chef beerben. Er halte "nach wie vor uneingeschränkt" an Schäuble fest, ließ er mitteilen. Trotz des Dementis bleibt Schäuble weiter unter Druck. Kurt Biedenkopf geht vorsichtig auf Distanz zum CDU-Chef.


Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) ist nach Wolfgang Schäubles erneuter Richtigstellung bezüglich seiner Treffen mit dem bayerischen Waffenhändler Karlheinz Schreiber vorsichtig auf Distanz zu seinem Parteivorsitzenden gegangen. Für sich genommen sei dessen Bemerkung, sich möglicherweise ein weiteres Mal mit Schreiber getroffen zu haben, keineswegs so bedeutend, sagte Biedenkopf der "Sächsischen Zeitung". "Aber in der Addition ist das ein Problem." Die derzeitige Lage sei so gereizt und von Misstrauen gezeichnet, dass auch kleine Ereignisse große Dimensionen annehmen könnten. Er gehe aber davon aus, dass Schäuble als Parteichef wieder gewählt werde, wenn er in Essen kandidiere.

Biedenkopf hatte Schäuble bislang volle Rückendeckung gegeben und erklärt, dieser habe seine Unterstützung und sein Vertrauen.

Bernhard Vogel im Gespräch als Schäuble-Nachfolger
DPA

Bernhard Vogel im Gespräch als Schäuble-Nachfolger

Thüringens CDU-Chef und Ministerpräsident Vogel sieht auch nach den neuesten Vorwürfen gegen Schäuble keine neue Situation, ließ er durch CDU-Landesgeschäftsführer Andreas Minschke in Erfurt mitteilen.

Auch CDU-Generalsekretärin Angela Merkel widersprach am Mittwoch Meldungen, wonach Vogel als möglicher neuer CDU-Vorsitzender im Gespräch sei, falls Schäuble im Zusammenhang mit der Spendenaffäre persönliche Konsequenzen ziehe. "An dem Gerücht ist nichts dran", erklärte Merkel.

Die ARD-"Tagesthemen" hatten berichtet, die Überlegung mit Vogel als "Interimslösung" sei bereits zwischen dem Ministerpräsidenten und dem CSU-Vorsitzenden, Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber, diskutiert worden.

Stoiber wies den Bericht inzwischen als "blühenden Unsinn" zurück. Zwar habe er sich am Dienstag tatsächlich mit seinen Länderkollegen Bernhard Vogel und Erwin Teufel (Baden-Württemberg) getroffen, ließ Stoiber am Mittwoch von seinem Sprecher in München erklären. Bei dem seit längerem vereinbarten Gespräch sei es jedoch um den Neubau von ICE-Strecken gegangen.

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Schäuble vor dem Aus?

Wolfgang Schäuble hat eingeräumt, stärker als bisher angenommen in die Spendenaffäre verwickelt zu sein. Sollte der CDU-Chef die Konsequenz ziehen und zurücktreten?

Allerdings schloss CSU- Generalsekretär Thomas Goppel schloss im Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg eine Abwahl Schäubles auf dem CDU-Parteitag Anfang April in Essen nicht aus.



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