CDU-Vorsitz in NRW Laschet kandidiert für Rüttgers-Nachfolge

Der erste Bewerber hat seine Ambitionen offenbart: Nordrhein-Westfalens früherer Integrationsminister Laschet strebt den Vorsitz der Landes-CDU an. Ein Gegenkandidat könnte Bundesumweltminister Röttgen sein - der bisher aber schweigt.

Führungstrio Krautscheid, Laschet, Röttgen: Der Erste hat den Hut in den Ring geworfen
dpa

Führungstrio Krautscheid, Laschet, Röttgen: Der Erste hat den Hut in den Ring geworfen


Düsseldorf - Jüngst unterlag Armin Laschet nur knapp im Stechen um das Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag. Nun kandidiert Nordrhein-Westfalens früherer Integrationsminister für den Parteivorsitz der Landes-CDU. Damit ist er der Erste, der den Machtanspruch auf diesen Teil des Rüttgers-Erbes stellt.

Der Generalsekretär der Landes-CDU, Andreas Krautscheid, kündigte an diesem Freitag in Düsseldorf Laschets Kandidatur an. Auch Fraktionschef Karl-Josef Laumann sprach sich für Laschet aus. Bis zum 30. August können sich nun weitere Kandidaten melden.

Bisher galt auch Krautscheid selbst als Aspirant. Unklar ist, ob Bundesumweltminister Norbert Röttgen gegen Laschet antritt. Krautscheid erteilte Röttgen indirekt eine Absage: Der neue CDU-Landeschef solle aus der Landespolitik kommen, betonte er. Es sei offen, ob Röttgen dennoch kandiere. Der Bundesminister gilt als Favorit von Parteichefin Angela Merkel.

Bei mehr als einem Kandidaten sei eine Mitgliederbefragung geplant, sagte Krautscheid.

Jüngst hatten namhafte Unionskreisvorsitzende und Abgeordnete aus Landtag und Bundestag eine solche Befragung der Basis gefordert. Diese allerdings wäre nicht bindend. 19 CDU-Leute hatten Mitte Juli in einem Schreiben gefordert, dass der personelle Neuanfang "nicht nur von einigen wenigen gestaltet" werden solle: "Wir schlagen daher für den Fall, dass es mehrere Kandidaten gibt, eine Mitgliederbefragung zur Besetzung der Position des neuen Landesvorsitzenden vor."

Ein Kandidat, ein Aspirant

Nach bisherigem Fahrplan soll am 2. Oktober der neue Chef auf einem Parteitag gewählt werden. Er hätte gute Chancen, dann beim anschließenden CDU-Bundesparteitag im November zu einem der Stellvertreter von Parteichefin Merkel gewählt zu werden.

Bei der Landtagswahl im Mai hatte die schwarz-gelbe Koalition unter Jürgen Rüttgers nach fünf Jahren im Amt ihre Mehrheit verloren, SPD-Frau Hannelore Kraft wurde als Ministerpräsidentin einer rot-grünen Minderheitsregierung installiert.

Sollte es tatsächlich zu einer Mitgliederbefragung kommen, gelten die Aussichten des Bundespolitikers Röttgen als gut: Er ist zwischen Rhein und Weser bekannter als Laschet. Auch die Bundestagsabgeordneten aus der NRW-CDU stehen mehrheitlich hinter Röttgen.

  • Armin Laschet, 49, war einer der Aufsteiger der Regierung Rüttgers - als Deutschlands erster Minister für Integration wurde er über NRW hinaus bekannt. Möglicherweise ist er aber zu modern und zu offen für die konservativen Kreise der CDU.
  • Norbert Röttgen, 44, ist bereits Chef des Bezirksverbands Mittelrhein und stach hier im vergangenen Jahr Krautscheid aus. Mit einem Sprung an die Spitze seines Landesverbands, des größten der Partei, würde Röttgen seine Hausmacht auch in der Bundes-CDU ausbauen. Die braucht er, wenn er der starke Mann hinter Merkel werden möchte.

Eines aber ist beiden gemeinsam: Sie sind sich politisch nahe. Sie stehen für die Großstadt-CDU, sind offen für schwarz-grüne Bündnisse und gehörten als junge Bundestagsabgeordnete in den neunziger Jahren zu den Begründern der Pizza-Connection in Bonn, eines lockeren Gesprächskreises zwischen Schwarzen und Grünen.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
ruplanb 06.08.2010
1. ..
Zitat von sysopDer erste Bewerber hat seine Ambitionen offenbart: Nordrhein-Westfalens früherer Integrationsminister Laschet strebt den Vorsitz der Landes-CDU an. Ein Gegenkandidat könnte Bundesumweltminister Röttgen sein - bisher schweigt er aber. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,710481,00.html
Nach dem "Arbeiterführer" Rüttgers hätte Laschet auf jeden Fall das Zeug dazu die NRW-CDU komplett zu plätten.
Subtuppel 06.08.2010
2. Was,
wer? Ist der Mann schon irgendwann einmal in Erscheinung getreten und dabei jemandem in wenigstens flüchtiger Erinnerung geblieben?
nici2412 06.08.2010
3. Islamminister Laschet
Zitat von Subtuppelwer? Ist der Mann schon irgendwann einmal in Erscheinung getreten und dabei jemandem in wenigstens flüchtiger Erinnerung geblieben?
Ja, in verschiedenen Talk-Shows. In Erinnerung ist mir seine Lobhudelei auf alles was mit dem Islam zu tun hat, geblieben. Passt also zu der "modernen" CDU.
sommerpause78la 06.08.2010
4. tja, die CDU
Zitat von nici2412Ja, in verschiedenen Talk-Shows. In Erinnerung ist mir seine Lobhudelei auf alles was mit dem Islam zu tun hat, geblieben. Passt also zu der "modernen" CDU.
Wenn man nur wüßte, wofür die eigentlich wirklich stehen und was die mit uns vorhaben?
hausmeister hempel 09.08.2010
5. die Sponsoren bestimmen die Richtung
Zitat von sommerpause78laWenn man nur wüßte, wofür die eigentlich wirklich stehen und was die mit uns vorhaben?
...kommt drauf an, wer denen das meiste Geld zusteckt bzw. den größten Druck aufbaut ... die CDU ist flexibel, das haben sie doch in der Vergangenheit gezeigt......
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