Kampf um CDU-Vorsitz Ex-Sozialminister Blüm nennt Spahn "Held nach Feierabend"

Im Schlussspurt um den CDU-Parteivorsitz hat Annegret Kramp-Karrenbauer in Norbert Blüm einen prominenten Fürsprecher. Für die beiden anderen Kandidaten hat der frühere Sozialminister wenig übrig.
Annegret Kramp-Karrenbauer (v.l.), Jens Spahn, Friedrich Merz

Annegret Kramp-Karrenbauer (v.l.), Jens Spahn, Friedrich Merz

Foto: Jens Schlueter/ Getty Images

Am Freitag wird abgestimmt: Dann ist klar, wer den CDU-Parteivorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel übernimmt. Der ehemalige Sozialminister Norbert Blüm unterstützt im Vorfeld Annegret Kramp-Karrenbauer - und kritisiert ihre beiden Kontrahenten scharf.

Vor allem den Gesundheitsminister Jens Spahn geht Blüm an. "Spahn spielte den Besorgten beim Migrationspakt, im Kabinett und in der Fraktion war von ihm nichts zu hören, ein Held nach Feierabend", sagte der 83-Jährige der "Zeit".

Norbert Blüm

Norbert Blüm

Foto: Sascha Steinbach/ Getty Images

Aber auch der ehemalige Unionsfraktionsvorsitzende Friedrich Merz sei ebenfalls nicht geeignet für den Parteivorsitz. "Er ist ein Mann der großen Geldwirtschaft", sagte Blüm.

Kramp-Karrenbauer "kann die Partei am besten zusammenhalten"

Merz ist Aufsichtsratsvorsitzender beim Vermögensverwalter Blackrock Deutschland. Mit zuletzt rund 6,4 Billionen Dollar (etwa 5,7 Bio. Euro) an Anlegergeldern ist Blackrock der größte Vermögensverwalter der Welt. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble wiederum wirbt öffentlich für Merz.

Blüm hält Kramp-Karrenbauer für die richtige Wahl. "Sie kann die Partei am besten zusammenhalten." Auch der Sozialflügel der CDU stellt sich hinter die Generalsekretärin. In der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) mit ihren gut 250 Delegierten gebe es "eine klare, eindeutige Mehrheit" für Kramp-Karrenbauer, sagte der sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Weiß, dem Handelsblatt . Kramp-Karrenbauers größter Vorteil sei, "dass sie empathisch ist. Sie erreicht die Herzen der Menschen."

Laschet: Parteivorsitz nicht gleich Kanzlerkandidatur

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und stellvertretende CDU-Chef Armin Laschet mahnte an, dass der Parteivorsitz und eine Kanzlerkandidatur nicht automatisch miteinander verbunden seien. Über den Kanzlerkandidaten werde die CDU entscheiden, "wenn der Zeitpunkt gekommen ist", sagte Laschet dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Für die nächste Kanzlerschaft müssten neue Maßstäbe gelten, sagte der 57-Jährige. Wichtig sei eine langfristige inhaltliche Kursbestimmung. "Die Kanzlerschaft der letzten 13 Jahre war geprägt durch drei gewaltige externe Krisen: die Weltfinanzkrise, die europäische Schuldenkrise, die Flüchtlingskrise", sagte Laschet. "Da war echtes, kompetentes Krisenmanagement gefragt. Viel Kapazität und Raum für Visionen gab es nicht. Diese müssen wir jetzt entwickeln, für Europa, bei der Digitalisierung, bei der künstlichen Intelligenz, technologisch und ethisch."

1001 Delegierte stimmen am kommenden Freitag auf dem Parteitag in Hamburg darüber ab, wer die CDU künftig leiten wird. Spahn, der zuletzt erneut sein Alter als Grund für seine Wahl anführte, werden dabei deutlich geringere Chancen als Merz und Kramp-Karrenbauer eingeräumt.

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aev/dpa
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