CDU-Wahlkampfstratege von Mannstein Die Rückkehr des Gewissenstäters

Mit Helmut Kohl hatte auch der Werber Coordt von Mannstein zunächst für die Union ausgedient. Nun hat der 65-Jährige mit seinen CDU-Kampagnen in Niedersachsen und Hessen beste Chancen, gleich zweimal zu gewinnen. Klammheimlich arbeitet der Parteigänger schon an seinem Comeback auf Bundesebene.

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Coordt von Mannstein schuf die Kampagnen für Roland Koch und Christian Wulff
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Coordt von Mannstein schuf die Kampagnen für Roland Koch und Christian Wulff

Solingen - Es sind ernste Probleme, die Coordt von Mannstein am Abend des 2. Februar zu lösen hat. "Ich muss versuchen, an beiden Orten zu sein", klagt der Werbeunternehmer mit einem Augenzwinkern, wenn er auf die Wahlnacht in Hessen und Niedersachsen angesprochen wird. Die Lösung im Wahlabend-Stress hat sich jedoch schon gefunden: Am Flughafen Wiesbaden wartet am Sonntag ein vollgetankter Lear-Jet und fliegt den CDU-Werber von der Wahl-Party in Wiesbaden nach Niedersachsen.

Dass es am kommenden Sonntag für von Mannstein etwas zu feiern gibt, ist mehr als wahrscheinlich. Der Plakatdesigner aus dem kleinen Ort Solingen bei Düsseldorf schuf sowohl die Wahlkampfkampagne für den aussichtsreichen CDU-Kandidaten Christian Wulff als auch für den christdemokratischen Ministerpräsidenten Roland Koch in Hessen. Wenige Tage vor der Wahl haben beide nun exzellente Unfragewerte. Koch schielt auf die absolute Mehrheit. Wulff könnte nach zwei schmerzhaften Niederlagen jetzt endlich die Regierung in der Kanzler-Heimat Niedersachsen übernehmen. "Wenn nicht irgendwas Unvorhergesehenes passiert, müsste es klappen", hofft auch von Mannstein.

Bei Wulff musste Mannstein modellieren

Auch wenn die SPD im Wahlkampf unter dem bundespolitischen Abwärtssog litt, ist der Werber doch überrascht über den zu erwartenden Erfolg. "Gerade in Niedersachsen haben wir alle nicht mit einem derartig klaren Umfrageergebnis gerechnet", gibt er zu. Zu viele Schwächen habe der Kandidat Wulff gehabt. Der mittlerweile 43-jährige mit der Ausstrahlung des ewigen Jungunionisten sei einfach wenig "charismatisch", außerdem viel zu leise und wenig angriffslustig. Bei ihm musste ein bisschen am Image modelliert werden, gesteht von Mannstein ein. "Unsere Kampagne sollte seine Persönlichkeit stärker vermitteln", sagt der Werber diplomatisch. Genau deshalb packten die Mannstein-Fotografen aus Solingen den leicht biederen Wulff in eine sportlich-rote Jacke und knipsten ihn in einem Schneegestöber. Dort trotzt Wulff dem "rot-grünen Tief" mit dem Ansatz eines Lächelns und den Händen kräftig zupackend am eigenen Kragen.

Helmut Kohl ist für den Werber Mannstein immer noch ein Idol und ein Freund
DDP

Helmut Kohl ist für den Werber Mannstein immer noch ein Idol und ein Freund

Solch einfache Ideen überzeugen den Old-School-Werber von Mannstein. Er kann nichts anfangen mit der "leidenschaftslosen Werbung der neuen Agenturen", die sowohl die SPD als auch die Bundes-CDU betreuen. Noch heute kann er sich minutenlang über den Schneegestöber-Einfall freuen. "Wulff kommt plötzlich ganz anders rüber, außerdem hatten wir natürlich Glück, dass gerade zu der Zeit auch in Deutschland eine herbe Kältewelle einbrach", sagt der Werber. Mittlerweile gelang es seinen Beratern auch, Wulff in bessere Anzüge zu stecken und ihm sein Vertreter-Image zumindest äußerlich auszutreiben. In den letzten Wochen sei der CDU-Mann selber über sich hinaus gewachsen, findet von Mannstein. "Der politische Erfolg trägt ihn, er ist jetzt sicher und hält überzeugende Reden", lobt der Image-Profi seinen Schützling.

Aufstieg nach Jahren der Versenkung

Weniger Arbeit hatte von Mannstein mit Roland Koch. "Bei Koch war es einfach, wir mussten einfach nur ihn selber rüber bringen, so wie er ist", sagt Mannstein, während er durch die Plakatmotive blättert. Roland Koch ist darauf in klaren Posen zu sehen: Aufwärts fährt er auf der Rolltreppe und kurz und knapp haben die Solinger Werber "Erfolgsland Hessen" darüber geschrieben. Auf einem anderen Motiv seziert Koch mit der flachen Hand die Luft, so wie man ihn fast jede Woche in den Talkshows sehen kann. Darunter prangt der Schriftzug "Viel getan. Viel zu tun." Zusätzlich zu diesen Personality-Plakaten entwarf die Mannstein-Truppe noch ein Paar bundespolitische Motive ("Rot-Grün braucht Kontrolle", "Rot-Grün, jetzt reichts!") und fertig war der Erfolgswahlkampf.

Dem Werber von Mannstein winkt in der zu erwartenden Gewinn-Konstellation in beiden Ländern die durchaus angenehme Rolle des Königsmachers. Nach Jahren in der Versenkung wird der Solinger Unternehmer vermutlich als Star der Wahl hervor gehen. Trotz seiner 65 Jahre will der Werbe-Senior nun noch mal richtig durchstarten. Von Mannstein macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen. "Ich wünsche mir, dass wir mit den beiden Kampagnen auch für die Bundes-CDU ein positives Signal setzen können", sagt er und lässt nicht unerwähnt, dass er sich gern wieder für die Mutterpartei "einsetzen" würde.

Gewissenstäter mit Parteibuch

In diesem Schloss in Solingen residiert Coordt von Mannstein mit seiner Agentur
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In diesem Schloss in Solingen residiert Coordt von Mannstein mit seiner Agentur

Doch nicht das Geld aus den Parteibudgets reizt den schwerreichen Solinger. Vielmehr ist es das politische Sendungsbewusstsein, dass den stets fein gekleideten Herren treibt. "Es wäre besser für Deutschland, wenn die CDU wieder stärker wird und bald auch wieder in Berlin regiert", stellt das bekennende Unions-Mitglied fest und wirkt dabei sehr überzeugt. Neu ist diese Zuneigung nicht: Der Name von Mannstein ist in Sachen CDU-Werbung eine Institution, kein anderer Werber ist der Union so eng verbunden wie der Design-Professor von der Universität Essen. Legendäre Ideen wie die "Rote Socken"-Kampagne gegen die PDS oder die "Politik ohne Bart"-Parolen im Wahlkampf gegen den damals gesichtsbehaarten SPD-Kandidaten Rudolf Scharping gehen auf das Konto von Mannsteins.

Die letzten Erfolge der CDU mit dem Solinger Parteibuchträger sind schon lange her. Über 50 Wahlkämpfe gestaltete der kleine Mann mit den mittlerweile weißen Haaren für die Christdemokraten. Helmut Kohl begleitete er von der Provinz in Rheinland-Pfalz bis ins Bundeskanzleramt nach Bonn. Von 1969 in Mainz bis zu Kohls Abwahl 1998 in Berlin war der Solinger immer an der Seite des Oggersheimers und wurde mal liebvoll mal hasserfüllt schon als "Teil der Entourage" gesehen. Beide wurden über die Jahre zu Freunden. Noch immer verehrt der Werber sein einstiges Vorzeigeobjekt mehr als jeden anderen Politiker in Deutschland.

Gern erinnert sich von Mannstein heute, wie besessen auch Kohl von seinen Plakaten war: "Kohl hat sich ganz persönlich um seine Wahlkämpfe gekümmert - bis in Detail." Doch mit dem Ende der Ära Kohl kam auch der Todesstoß für die Karriere von Mannsteins als Chef-Werber der Konservativen. Kahlschlagartig sensten Angela Merkel und ihre Aufräumer damals durch die von Kohl geprägten Unions-Strukturen, die der CDU durch schwarze Kassen und angebliche Mauscheleien in den Abgrund gezogen hatten. Alle Buddys des Altkanzler mussten gehen - auch von Mannstein. "Ich musste einfach akzeptieren", sagt von Mannstein heute, "dass die Veränderung in der CDU damals auch uns betraf." Vor allem wollten Merkel und Co. verhindern, dass der Altkanzler über seine Vertrauten weiter die Fäden in der Fraktion oder in der Parteizentrale zieht.

Angela Merkel muss er noch kennen lernen

Roland Koch kann am Sonntag darauf hoffen, die absolute Mehrheit einzufahren
DDP

Roland Koch kann am Sonntag darauf hoffen, die absolute Mehrheit einzufahren

Wirtschaftlich hat dem Slogan-Dichter von Mannstein die Trennung von der CDU nicht allzu sehr geschadet. Die Polit-Abteilung in seinem 100-Mitarbeiter-Unternehmen, das in einem imposanten Schloss am Stadtrand residiert, betreibt er mehr als Gewissenstäter denn als Geschäftsmann. Selbst in Zeiten von Bundestagswahlkämpfen verdiente er nur rund 20 Prozent des Umsatzes mit der Politik, für die nur fünf seiner Mitarbeiter zuständig sind. Den Rest nahmen er und seine Kreativen mit Werbung für große Krankenkassen, Pharmaunternehmen und die Discounter-Kette "Plus" ein.

Eigentlich könnte sich von Mannstein also nach dem Sonntag zufrieden zurück lehnen. Vollkommen überraschend hat der Kohl-Intimus es seinen Widersachern noch einmal gezeigt. Doch wer den 65-jährigen Vater von zwei Töchtern in diesen Tagen in Solingen erlebt, spürt den politischen Kampfeswillen, der noch in ihm steckt. "Er will wieder auf die große Bühne", sagt auch einer seiner Mitarbeiter. Die neue Parteichefin Angela Merkel hat von Mannstein auf dem letzten CDU-Parteitag nur kurz gesehen, doch das könne sich ja schon am kommenden Sonntag ändern, hofft er.

Die Chancen von Mannsteins sind nicht die schlechtesten. Mit Roland Koch betreut er seit Jahren einen der kommenden Männer in der Union, der nach dem zu erwartenden Wahlsieg schon bald zur Kanzlerkandidatur gedrängt werden könnte. Mit einem möglichen Ministerpräsidenten Christian Wulff könnte er am Sonntag einen weiteren wichtigen Fürsprecher innerhalb der Bundes-CDU gewinnen. Mit einer Aussage, welcher der beiden denn nun der bessere Kanzlerkandidat wäre, hält sich von Mannstein deshalb lieber gepflegt zurück. "Es ist immer gut, wenn die CDU viele gute Köpfe hat, die unterschiedliche Akzente setzen", sagt er gewollt neutral. Ebenso wichtig ist es ihm jedoch auch, dass er am Sonntagabend keinen der beiden konkurrierenden Köpfe allein feiern lassen möchte.



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