Posse um "C" in Parteilogo Eigentlich ein Coup

Umweltaktivisten von Greenpeace wollten die CDU mit einer spektakulären Aktion bloßstellen und nahmen ihr das "C". Doch die Partei reagierte überraschend souverän - und rühmt jetzt ihr neues "Kommunikationskonzept".
Greenpeace-Vertreter beim Leipziger CDU-Parteitag: "Nur auf der Oberfläche cool"

Greenpeace-Vertreter beim Leipziger CDU-Parteitag: "Nur auf der Oberfläche cool"

Foto: REUTERS/Matthias Rietschel

Greenpeace setzt weiter auf den Überraschungseffekt. Das große rote C, das Aktivisten der Organisation am Donnerstag aus der CDU-Zentrale in Berlin entwendet haben, befindet sich derzeit "an einem sicheren Ort". Der Originalbuchstabe werde "in den nächsten Tagen" wieder öffentlich auftreten - mehr will Greenpeace-Sprecher Eric Wallis auf SPIEGEL-Anfrage nicht verraten.

Derzeit karren die Umweltschützer eine Kopie und einen Darsteller im C-Kostüm durchs Land, "zu verschiedenen Stationen der misslungenen und von der CDU blockierten Klimapolitik", wie Wallis sagt.

Zuletzt meldete sich das C vom CDU-Parteitag aus Leipzig und aus Keyenberg in Nordrhein-Westfalen, unweit des Braunkohletagebaus Garzweiler.

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Bedingungen für eine Rückkehr stellt Greenpeace nicht, schließlich könne man "nur auf Einsicht spekulieren", sagt Sprecher Wallis. Die Hoffnung sei, dass sich in der CDU diejenigen durchsetzen, die eine Kurskorrektur beim Klimaschutz befürworten, etwa Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther.

Der ausgedehnte PR-Stunt soll die Christdemokraten bloßstellen. Schließlich kämpft die Partei seit Monaten mit der Frage, wie sie dem C in ihrem Namen gerecht werden kann. Christentum, das bedeutet auch Bewahrung der Schöpfung - und damit eigentlich konsequenten Klimaschutz. Das löse die CDU aber mit ihrer Politik nicht ein, etwa beim Klimapaket und dem Kohlekompromiss, lautet der Vorwurf von Greenpeace. Und wie ließe sich das besser inszenieren als mit einem echten C, das sich vom Partner DU lossagt?

Aktivisten "kamen gar nicht umhin, es durch die Vordertür zu tragen"

Dafür hat Greenpeace großen Aufwand betrieben: Aktivisten tauchten am Donnerstagmorgen mit nagelneuen Lettern in der Parteizentrale auf und behaupteten, der Schriftzug müsse ausgetauscht werden, schildert Sprecher Wallis die Aktion. Sie hoben das C aus der Halterung, und weil es sonst nirgendwo durchpasste, "kamen sie gar nicht umhin, es durch die Vordertür zu tragen", sagt Wallis. Von dort ging es direkt in einen Lastwagen und fort aus Berlin. Eigentlich ein Coup.

Doch die Christdemokraten haben offenbar aus dem Rezo-Desaster im Frühjahr gelernt und ließen sich kein zweites Mal überrumpeln. "Das neue Kommunikationskonzept des Generalsekretärs Paul Ziemiak enthält auch Ad-hoc-Strategien, um in 'Breaking News'-Situationen zu handeln. Wir waren also nicht vorgewarnt, aber besser vorbereitet", sagt CDU-Bundesgeschäftsführer Stefan Hennewig dem SPIEGEL. Es klingt nach einem wohlkalkulierten Schlachtplan.

Kurz nachdem die Aktivisten den Twitter-Account @IchbindasC gestartet hatten, antwortete plötzlich @IchbindasDU. "Liebes C, den Seitensprung verzeihen wir Dir", hieß es dort, es folgten mehrere schlagfertige Antworten. Am Freitag posierte der Abgeordnete Philipp Amthor mit einem kleinen roten C. "So. Genug Schabernack. Jetzt geht's um Sachthemen", stand darüber.

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Die Partei habe "den weiteren Verlauf der Social Media Kommunikation bei diesem Thema bestimmen" können, sagt stolz Geschäftsführer Hennewig. "So gesehen hat die CDU seit vergangenem Mai viel dazu gelernt."

Greenpeace beansprucht ebenfalls einen Erfolg. Immerhin habe man mit der Aktion eine neue Debatte über die Klimapolitik der CDU angestoßen. Die Reaktion der Partei hingegen sei "nur auf der Oberfläche cool", sagt Wallis: Inhaltlich habe die CDU mit ihren Tweets nichts geliefert. "Jetzt wird endlich sichtbar, dass es nur eine hohle Phrasendrescherei ist." Trotzdem soll das C früher oder später nach Berlin zurückkehren. Schließlich wolle man der CDU "helfen, auf den rechten Weg zurückzufinden", sagt Wallis.

Die Frage ist nur: Will die Partei den Buchstaben überhaupt alsbald zurückhaben? Die Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gab sich beim Parteitag in Leipzig betont lässig: "So ein C für Christlichkeit und Nachhaltigkeit kann auch Greenpeace nix schaden, leihen wir also gerne für kurze Zeit einmal aus."

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Und Friedrich Merz sagte gar: "Sollen sie es sich ins Wohnzimmer stellen, dort wird es segensreiche Wirkung entfalten."

Tatsächlich hat die CDU das fehlende C in ihrer Zentrale inzwischen ersetzt.

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Damit scheint die humorvolle Phase aber beendet zu sein: "Greenpeace hat seine PR gehabt. Daher gehen wir davon aus, dass der gestohlene Buchstabe in Kürze wieder hier im Glashaus steht", sagt CDU-Geschäftsführer Hennewig. Schließlich sei das Logo mit Beiträgen der Parteimitglieder bezahlt worden und Eigentum der CDU. "Wie üblich in solchen Fällen ermittelt die Polizei."

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