CDU Zwangsverstärkung für die Spitze

Wegen der schlechten Umfragewerte für CDU-Chefin Angela Merkel und CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz wollen Teile der Unionsspitze die beiden durch ein Team einrahmen. Das berichtet der SPIEGEL.


Angela Merkel
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Angela Merkel

Bei einem informellen Treffen berieten CSU-Landesgruppenchef Michael Glos, CSU-Vize Horst Seehofer und CDU-Vize Volker Rühe, wie der Sinkflug der Partei aufgehalten werden könne. Die drei waren sich nach Angaben des SPIEGEL einig, dass Ex-Kabinettsmitglieder wie Seehofer und Rühe selbst, aber auch der frühere Verkehrsminister Matthias Wissmann stärker in den Vordergrund gestellt werden sollen, um von den Schwächen des Duos Merkel/Merz abzulenken. CDU-intern wird den beiden eine Bewährungsfrist bis zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 25. März eingeräumt.

Gefährdet ist vor allem Merz. Im Fall einer Wahlniederlage in Baden-Württemberg, wo die CDU in Umfragen bis auf unter 40 Prozent abgerutscht ist, wollen Unionspolitiker dem möglicherweise entstehenden Bedürfnis nach einem Einschnitt mit einer Demontage der Doppelspitze entgegenkommen. Fraktionschef Merz, der im Polit-Barometer mit minus 0,5 Sympathiepunkten zuletzt einen Negativrekord als Oppositionsführer erreicht hatte, müsste dann weichen, damit die an der Basis beliebtere Parteichefin seinen Posten auch noch übernehmen könnte.

Friedrich Merz
AP

Friedrich Merz

Doch selbst wenn Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel die Koalition mit der FDP nach der Wahl fortsetzen kann, wird ein Opfer von Merz erwartet. Dieser müsse Parteichefin Merkel öffentlich das Vorgriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur einräumen, um eine "Teilklärung" der nach wie vor offenen Machtfrage herbeizuführen, heißt es in der Parteispitze.

Auch die CSU macht Druck auf die Berliner Unionsführung. Würde derzeit in ganz Deutschland gewählt, zitierte CSU-Chef Edmund Stoiber am vergangenen Montag im Vorstand seiner Partei aus internen Umfragen, käme die CDU selbst in ihrer Hochburg Baden-Württemberg nur auf rund 30 Prozent. In Berlin sei "noch einiges zu tun", mahnte der Bayern-Premier.



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