Celle Werber für al-Qaida zu drei Jahren Haft verurteilt

Urteil im Celler Qaida-Prozess: Weil er im Internet Mitglieder für das Terrornetzwerk al-Qaida geworben hat, ist ein 37-jähriger Iraker vom Oberlandesgericht zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden.


Celle - Dem Angeklagten Ibrahim R. wurde vorgeworfen, in 28 Fällen Gewaltaufrufe von al-Qaida-Führern mittels Audio- und Videobotschaften im Internet verbreitet zu haben. Das Gericht befand ihn nun der Werbung von Mitgliedern oder Unterstützern für eine ausländische terroristische Vereinigung für schuldig.

Es ist das erste Mal, dass in Deutschland ein Angeklagter wegen des Verbreitens von Aufrufen zum heiligen Krieg im Internet verurteilt wurde. Die Bundesanwaltschaft hatte eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und zehn Monaten gefordert. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Ibrahim R. soll vom niedersächsischen Georgsmarienhütte aus über allgemein zugängliche Chatrooms unter anderem Reden Osama Bin Ladens und dessen Stellvertreters Aiman al-Sawahiri verbreitet haben. Laut Anklage wurden in den Botschaften terroristische Anschläge gerechtfertigt und verherrlicht. R. sitzt seit Herbst 2006 in Untersuchungshaft. Vor der Festnahme des Irakers hatten die Sicherheitsbehörden ein Jahr lang seine Aktivitäten auch im Internet überwacht.

Der Angeklagte hatte sich vergangene Woche am letzten Verhandlungstag erstmals zu den Vorwürfen geäußert. Er habe vier Reden und ansonsten nur Links ins Netz gestellt. Damit habe er aber niemanden werben wollen, versicherte er.

Das Verfahren vor dem OLG Celle war der bundesweit erste Prozess gegen einen Angeklagten, der im Internet für die Qaida geworben hat.

asc/ddp/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.