Cem Özdemir "Wir haben da nicht mit lauter kleinen Roland Kochs gesessen"

Der 42-jährige Özdemir stieg in den Neunzigern zu einem der prominentesten Grünen auf, derzeit ist er Europa-Abgeordneter. Die schwarz-grüne Option sieht er pragmatisch, wiewohl sich in der Zeit der Pizza-Connection parteiübergreifende Freundschaften gebildet haben.

Berlin - "Ich hätte mir vorstellen können, dass es vor der aktuellen Hamburg-Diskussion auch schon in Baden-Württemberg zu einem schwarz-grünen Bündnis hätte kommen können. Aber wegen des Wahlergebnisses ging das nicht: Immer, wenn die FDP rechnerisch als Steigbügelhalter der CDU dienen kann, ist es natürlich für die Union attraktiver, einen Koalitionspartner zu haben, der für nichts alles macht.

Schwarz-Grün ist nur dann eine reale Option, wenn es für die CDU in einem Bundesland mit der FDP nicht reicht und es natürlich inhaltlich passt. Das könnte jetzt in Hamburg der Fall sein.

Daran sieht man: Schwarz-Grün ist keine Liebeskoalition, es geht nicht um Herzblut. Es ist eine aus der besonderen Situation heraus geborene zusätzliche Alternative. Das war uns auch damals in der Pizza-Connection schon klar.

Wir müssen das jetzt emotionslos angehen. Je mehr Emotionen man da hinein steckt, je mehr man das zu einer Zukunftsperspektive überhöht, desto eher ist ein solches Bündnis zum Scheitern verurteilt.

Natürlich haben unsere Lockerungsübungen in den Neunzigern geholfen, dass Schwarz und Grün jetzt unverkrampft über Koalitionen sprechen können. Wir haben ideologische Gebäude abgebrochen. Jene von der CDU, die mit uns am Tisch saßen, die haben die Errungenschaften der Achtundsechziger anerkannt und abgehakt. Das war Grundkonsens. Also wir haben da nicht mit lauter kleinen Roland Kochs am Tisch gesessen. Im Gegenteil: Da haben sich Freundschaften gebildet und über die Jahre gehalten - in meinem Fall etwa mit Armin Laschet."

Aufgezeichnet von Sebastian Fischer

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