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Hausmitteilung Charkiw, Adoption, Feine Sahne Fischfilet, S-Magazin

aus DER SPIEGEL 14/2022

Charkiw, Insa

Foto: DER SPIEGEL

Kurz und hart sind die Abschüsse, länger und dumpfer klingen die Einschläge – lebenswichtige Unterscheidungen für Fotograf Maxim Dondyuk, Reporter Christoph Reuter und Rechercheur Pavel Dorogoy in Charkiw, der schwer umkämpften Metropole der Ostukraine. Und trotzdem: Mit unerschütterlicher Beharrlichkeit machten die Bewohner der Stadt weiter ihre Arbeit, berichtet Reuter. Selbst die Straßenfeger kehrten weiterhin die Bürgersteige. Als erste ausländische Journalisten kam das SPIEGEL-Team auch nach Trostjanez, in eine der Städte in der Ukraine, aus denen die russischen Besatzer wieder vertrieben wurden. Erschütternd waren die Zeugnisse der Zerstörungskraft, mit der die Russen gewütet hatten. Charkiw liegt nur 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt – und jenseits davon kommen nun immer mehr Särge mit toten Soldaten an. So wie der des Gefreiten Jurij Duschkin, 23, der aus der Kleinstadt Insa stammte, rund 740 Kilometer südöstlich von Moskau. Als Korrespondentin Christina Hebel dort während der Trauerfeierlichkeiten recherchierte, wurde sie überwacht, gefilmt und später am Flughafen von einem Kamerateam bedrängt. »Das zeigt, wie nervös die russischen Behörden im Umgang mit den gefallenen Soldaten sind«, sagt Hebel, »Bilder von Särgen sollen möglichst nicht breit in den Medien gezeigt werden.«

Adoption

Foto:

Evgeny Maloletka / DER SPIEGEL

Bridget Irmgard Etnyre-Pagan hat in ihren ersten sechs Lebensjahren viel durchgemacht. Sie wurde von einer Leihmutter im ukrainischen Saporischschja ausgetragen und kam in der 25. Schwangerschaftswoche zur Welt. Das amerikanische Paar, das Bridget bestellt hatte, verstieß sie, es wollte kein behindertes Kind. Das Mädchen kam in ein Kinderheim, es kann bis heute nicht laufen, tut sich schwer mit dem Sprechen. Als Redakteur Timofey Neshitov im März 2021 nach Saporischschja reiste, zeichnete sich ein Happy End ab: Eine andere amerikanische Familie wollte Bridget adoptieren. Ihre neuen Eltern hatten vor, sie in die USA zu holen; kurz bevor es so weit war, begann der Krieg. Neshitov verbrachte nun zwei Wochen bei der Familie in Maryland, er sprach am Telefon mit Bridgets Leihmutter in Saporischschja, klopfte bei ihren ursprünglichen Eltern in Beverly Hills an. »Es ist offen, ob und wann Bridget in die USA kommen kann«, sagt Neshitov, »aber wenn es klappt, kann man sich nur freuen, dass sie vor sechs Jahren nicht in Beverly Hills gelandet ist.«

Punkrocker

Foto:

Steffen Jänicke / DER SPIEGEL

Feine Sahne Fischfilet heißt eine Punkrockband aus Mecklenburg-Vorpommern, die es in den vergangenen Jahren auch auf die großen Bühnen und in die Charts schaffte. Frontmann Jan Gorkow, besser bekannt als Monchi, ging 2019 gemeinsam mit der Band in eine Pause. In der schrieb er ein erstaunliches Buch über sein Leben mit 182 Kilogramm, seine Essstörung und die Schattenseiten des Erfolgs. Gorkow hat in den letzten zwei Jahren 60 Kilo abgenommen. Re­dakteurin Nora Gantenbrink besuchte ihn jetzt in seiner Heimat an der Ostsee, wanderte mit ihm durch den Wald und sah zu, wie er nackt ins eiskalte Wasser sprang. Die Offenheit, mit der der Musiker über sein Leben sprach, berührte Gantenbrink: »Gorkow ist ein Mensch, der sich ver­ändert hat, aber dennoch im Herzen derselbe bleiben will.«

S-Magazin

Wie Neuanfänge gelingen, im Leben, in der Mode oder auch in der Küche, fragt die Stilbeilage des SPIEGEL in ihrer aktuellen Ausgabe: Die Psychologin Eva Asselmann schreibt über Veränderung und ihre Wirkung. Starkoch Dietmar Priewe verrät, warum Chicorée mit Bolognese fit macht. Und Uschi Obermaier erzählt, wie sie mit 75 Jahren noch mal einen Neuanfang wagte. »Ich brauchte ein neues Leben«, sagt Obermaier, einst das schönste Gesicht der 68er-Revolution.

S-Magazin 1/2022

Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Thema Neuanfang. Wie kann er gelingen? Die Titelheldin Uschi Obermaier, 75, ist der Beweis für lebenslange Entwicklung. Gerade ist sie von Los Angeles nach Portugal gezogen. »Stagnation bedeutet, nicht zu leben«, sagt sie.

Außerdem in dieser Ausgabe:

  • Fashion-Revivals – tot geglaubte Modemarken werden wiederbelebt.

  • Psychologin Eva Asselmann erklärt, warum Neuanfänge wichtig sind.

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