Chemikalien Trittin will TBT-Verbot

Bundesumweltminister Jürgen Trittin will die bei Schiffsanstrichen und in Sportbekleidung verwendete Chemikalie Tributylzinn (TBT) verbieten. Vor kurzem hatte Greenpeace erneut Beimengungen von TBT in den Fußballtrikots namhafter Hersteller nachgewiesen.


Berlin - "Die bislang existierenden Regelungen sind nicht umfassend und greifen nicht schnell genug, um Mensch und Umwelt vor möglichen Schädigungen zu schützen", sagte Trittin am Dienstag in Berlin. Er werde das Thema auch Ende März beim EU-Umweltministertreffen aufgreifen, um eine internationale Lösung des Problems zu finden. Verboten werden sollen auch alle anderen organischen Zinnverbindungen, die sich in Kunststoffen, Desinfektionsmitteln und Pflanzenschutzmitteln befinden.

Als ersten konkreten Termin nannte Trittin den 31. Dezember 2002, zu dem die Beimengung von TBT in Deutschland in den so genannten Antifoulinganstrichen von Schiffsrümpfen verboten werden soll.

"Damit helfen wir erst einmal unseren eigenen Gewässern", sagte Trittin. Bei Binnenschiffen unter 25 Metern Länge sei das TBT-haltige Antifouling bereits jetzt nicht mehr erlaubt. Insgesamt befänden sich rund 80 Prozent der Mensch und Umwelt bedrohenden Zinnverbindung in diesen Anstrichen, mit denen weltweit Schiffrümpfe gegen den Bewuchs von Algen und Muscheln imprägniert werden.

Wissenschaftliche Untersuchungen hätten nachgewiesen, dass bereits ein Milliardenstel Gramm Tributylzinn pro Liter Meereswasser zu hormonellen Veränderungen bestimmter Meeresschnecken führe. Auch die Internationalen Schifffahrtsorganisation will zu Beginn des Jahres 2003 TBT in den Farben verbieten. Trittin bezweifelte jedoch, dass alle Staaten die Konvention bis zu diesem Zeitpunkt ratifizieren würden, obwohl bereits weniger giftige Substanzen auf dem Markt seien. Im Gegensatz zu den Einwänden der Werften und Reeder seien diese Alternativen ebenso haltbar und wirkungsvoll wie die bisherigen Antifoulingmittel, betonte der Grünen-Politiker.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace, die erst vor wenigen Tagen erneut Beimengungen von TBT in den Fußballtrikots namhafter Hersteller nachgewiesen hatte, begrüßte das geplante Verbot in Schiffsfarben. Allerdings müsse es auf alle anderen Produkte ausgedehnt werden, in denen sich Beimengungen von TBT befänden, forderte die Organisation.

Auch die WWF-Umweltstiftung Deutschland forderte ein Verbot der umstrittenen Chemikalie. Weltweit hätten bereits bei über 160 Meeresschnecken Fruchtbarkeitsstörungen gezeigt, erklärte die deutsche Sektion des World Wide Fund For Nature.



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