SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. September 2018, 00:34 Uhr

Sachsen

Angriff auf Linken-Büro am Rande von Pro-Chemnitz-Demo

Rund 800 Polizisten samt Bundespolizei konnten es nicht verhindern: Bei einer Demonstration in Chemnitz ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Auch in Dortmund marschierten Nazis auf und riefen "Wer Deutschland liebt, ist Antisemit".

Bei einer Demonstration des rechtspopulistischen Bündnisses Pro Chemnitz haben Unbekannte ein Parteibüro der Linken in Chemnitz beschädigt. Die Täter zerstörten eine Scheibe des Gebäudes und bewarfen es mit Eiern, teilte die Polizei mit. In dem Gebäude, dem sogenannten Rothaus, haben unter anderem mehrere Landtagsabgeordnete ihre Büros.

Die Ausschreitungen waren am Rande einer Demonstration von Pro Chemnitz aufgetreten. Das Bündnis hatte zum sechsten Mal zum Protest aufgerufen. Diesmal ging es um die Freilassung eines Irakers aus der Untersuchungshaft. Der Mann war nach dem Tod eines 35-jährigen Deutschen am Rande des Chemnitzer Stadtfestes Ende August vorläufig festgenommen worden. Der Vorfall hatte eine Reihe an Demonstrationen rechter und linker Gruppierungen ausgelöst.

2.000 Teilnehmer bei Pro Chemnitz - 400 Gegendemonstranten

An der Demonstration und dem anschließenden Zug durch die Chemnitzer Innenstadt nahmen rund 2000 Menschen teil. Zur Gegendemonstration kamen nach Polizeiangaben rund 400 Teilnehmer. Die Beamten sicherten die Demonstrationen mit einem Großaufgebot ab - rund 800 Einsatzkräften waren vor Ort. Die sächsische Polizei wurde von Einsatzkräften aus Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Baden-Württemberg und der Bundespolizei unterstützt.

Neben dem Angriff auf das Rothaus sei auch ein Journalist attackiert worden: Unbekannte sollen gegen die Kamera des Mannes geschlagen haben. Der Journalist habe laut Polizei darauf verzichtet, Anzeige zu erstatten.

Bei den Angreifern des Rothauses soll es sich um bis zu zehn junge Männer gehandelt haben, berichtete die Chemnitzer "Freie Presse" unter Berufung auf Zeugen. Die Polizei ermittelt einem Bericht des MDR zufolge gegen unbekannt. Insgesamt wurden 15 Straftaten zur Anzeige gebracht. Verletzt wurde niemand.

Ähnliche Vorfälle in Dortmund

Auch in Dortmund fanden am Freitag zwei rechtsextremistische Versammlungen statt. Diese waren zuvor bei der Polizei angemeldet worden. Auf Videos, die von der Polizei als authentisch eingestuft wurden, sind laut "Tagesspiegel" rund hundert Neonazis zu sehen, die mit schwarz-weiß-roten Fahnen durch die Stadt ziehen und skandieren: "Wer Deutschland liebt, ist Antisemit". Während der Versammlungen wurde vereinzelt Pyrotechnik gezündet. Die Verantwortlichen wurden von der Polizei gestellt - gegen sie wird nun ermittelt. Es wurden umfangreiche Beweismittel sichergestellt.

kmy/Mitarbeit: Raphael Thelen

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung