Medien LKA-Bericht soll neue Hinweise auf Hetzjagden in Chemnitz geben

Spielten sich bei den Ausschreitungen in Chemnitz im Sommer 2018 Jagdszenen auf Migranten ab? Der Streit darüber hatte eine Regierungskrise in Berlin ausgelöst. Jetzt gibt es womöglich neue Indizien.
Polizeieinsatz in Chemnitz 2018: Gewaltbereitschaft auch gegenüber Sicherheitskräften

Polizeieinsatz in Chemnitz 2018: Gewaltbereitschaft auch gegenüber Sicherheitskräften

Foto: Andreas Seidel/ dpa

Neue Ermittlungen des sächsischen Landeskriminalamts (LKA) erhärten den Verdacht, dass bei den rechten Ausschreitungen in Chemnitz vor einem Jahr gezielt Migranten und Menschen, die dafür gehalten wurden, gejagt wurden. Das berichten "Süddeutsche Zeitung", WDR und NDR. Die Demonstrationen seien durch "eine hohe Gewaltbereitschaft gegenüber den eingesetzten Polizeibeamten, Personen mit tatsächlichem oder scheinbarem Migrationshintergrund, politischen Gegnern sowie Journalisten" geprägt gewesen, zitieren die Medien aus einem vertraulichen LKA-Bericht.

In Chats auf Handys bekannter Rechtsextremer aus dem Großraum Chemnitz sollen sich zahlreiche Formulierungen und Dialoge finden, die die Ermittler als Verabredungen zu Gewalt gegen Migranten und Prahlereien über angeblich erfolgreiche Jagden auf Ausländer deuten. Die Chats würden "die tatsächliche Umsetzung von Gewaltstraftaten gegen Ausländer" verdeutlichen, soll es in dem LKA-Bericht heißen.

Die Mehrheit der Chats stammt demnach vom 26. und 28. August 2018. Rechtsextreme Demonstrationsteilnehmer hätten selbst den Begriff "Jagd" verwendet - Tage bevor die mediale Debatte über die Frage der Hetzjagden angestoßen wurde.

Am 26. August 2018 war es zu einer tödlichen Messerattacke auf einen Deutschen gekommen. Ein Mann wurde inzwischen zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Der Streit um die Frage, ob es anschließend "Hetzjagden" gegeben habe, wurde auf Bundesebene zur Zerreißprobe für die Große Koalition aus Union und SPD. Er führte letztlich dazu, dass der damalige Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen (CDU), seinen Posten verlor.

"Übelst aufs Maul"

Es gebe schon "übelst aufs Maul hier", soll einer der Demonstrationsteilnehmer am Nachmittag des 26. August 2018 geschrieben haben, und dass er "Bock" hätte, "Kanacken zu boxen", zitierte die Zeitung aus dem LKA-Bericht. Ein anderer Chatteilnehmer, der spätere mutmaßliche Rädelsführer der Gruppe "Revolution Chemnitz", Christian K., soll demnach am Nachmittag des 26. August versucht haben, weitere Teilnehmer für die Demonstration zu mobilisieren. Einem Chatpartner soll er mitgeteilt haben, er wisse noch nicht, wie es weitergehe, und dass er keine Information habe, "ob noch eine Jagd ist".

An den darauffolgenden Tagen sollen die Rechtsextremen außerdem damit angegeben haben, dass sie tatsächlich erfolgreich Jagd auf vermeintliche Migranten gemacht hätten. So soll Christian K. in einem Chat am Morgen des 28. August nach der Demonstration gegenüber einem Bekannten damit angegeben haben, dass es ihm gut gehe, aber dem "neu Zugewanderten" nicht, den er "erwischt" habe.

Im Video: Rechte mobilisieren zum Gedenktag der Chemnitz-Krawalle

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Die Verteidiger der mutmaßlich am Chat Beteiligten wollen sich auf Anfrage zu den Vorwürfen nicht äußern. Gegen Christian K. habe die Staatsanwaltschaft Chemnitz jedoch mittlerweile ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet, erklärte das LKA den Berichten zufolge auf Anfrage.

kev/AFP