Christa Müller Mission Mama

Sie war die blonde Eminenz hinterm Bundesfinanzminister, jetzt ist sie die Hausfrau hinter Linke-Chef Lafontaine: Christa Müller hat sich gewandelt. Nun will sie die Linkspartei umdrehen - dafür hat sie ein Buch geschrieben, das im Verlag von Bischof Mixa erscheint.

Von , Saarbrücken


Saarbrücken - Christa Müller war die blonde Eminzenz im Hintergrund. Sie war der Schatten des Schatten-Kanzlers. Sie sprach über die Erhöhung der Mineralölsteuer und die Kontrolle der Bundesbank. Sie sorgte für Furore mit dem Satz: "Da kann ich jetzt auch für Oskar Lafontaine sprechen."

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Als versierte Ökonomin hatte Christa Müller ein 352-Seiten-Programm veröffentlicht, das "Wohlstand und Arbeit für alle" versprach. "Keine Angst vor der Globalisierung", stand auf dem Buchdeckel. Und außerdem noch der Name ihres Mannes Lafontaine. Der sollte kurz darauf mächtiger Bundesminister der Finanzen werden. Damals, im Jahr 1998.

Zehn Jahre später spricht Christa Müller nicht mehr über die Globalisierung. Während ihr Mann ganz viel darüber spricht, um wieder so mächtig zu werden wie dereinst, fährt sie den gemeinsamen, bald elfjährigen Sohn morgens in die Schule. Und mittags holt sie ihn wieder ab.

"Es gibt keine höhere Motivation als die Liebe"

Bis dahin hat Christa Müller jetzt ein paar Stunden Zeit. Sehr aufrecht sitzt die 51-Jährige in einer schwarzen Jackett-Rock-Kombination im Dachgeschoss eines innen wie außen gelb gestrichenen Nachkriegsgebäudes in der Saarbrücker Innenstadt. Wegen der Schrägen muss sie auf ihren Kopf achten, eine Kaffeemaschine gurgelt vor sich hin. Es ist die Zentrale des Vereins "Intact", den Müller 1996 gegründet hat, um insbesondere in Afrika gegen die Genitalverstümmelung von Frauen zu kämpfen. Sie macht das ehrenamtlich, in der Zeit neben ihrem Job als Hausfrau, Mutter und pflegende Schwiegertochter.

Und die Karriere? Immerhin arbeitete die Wirtschaftswissenschaftlerin Müller früher bei den Sozialausschüssen der EG in Brüssel, dann in der hessischen Staatskanzlei, in der SPD-Zentrale, für die Friedrich-Ebert-Stiftung. Als sie 1997 ihr Kind bekam, blieb sie bald danach zu Hause.

"Eine Zeit lang hat mir der Verzicht auf den Beruf was ausgemacht, als aber unser Sohn da war, da hat sich alles verschoben", sagt sie. Sie habe in den letzten Jahren ein hochdotiertes Jobangebot gehabt, "da hätte ich mehr verdient als mein Mann". Aber sie habe abgelehnt: "Es gibt nichts, wofür ich mich von meinem Sohn trenne, es gibt keine höhere Motivation als die Liebe."

Deshalb hält sie gar nichts vom Regierungskonzept, Elterngeld zu zahlen und bis 2013 insgesamt 750.000 Betreuungsplätze bereit zu stellen: "Dann würden für zwei Drittel der ein- bis dreijährigen Kinder Plätze angeboten, dabei wollen nur 30 Prozent der deutschen Eltern ihr Kind betreuen lassen." Es ist auch ein Kampf um Zahlen: Denn Familienministerin von der Leyen rechnet mit Betreuungsplätzen für nur ein Drittel der Kinder.

Ärgerlich klackert Christa Müller mit rotlackierten Fingernägeln über den Tisch: Krippen seien "schädlich" fürs Kindeswohl, 17 Prozent der Krippenkinder später verhaltensauffällig, das Krippenland Schweden etwa habe sich aggressive, gewalttätige Jugendliche herangezogen. Nein, Kinder "brauchen eine feste Bindungsperson während der ersten drei Jahre", sagt Müller. Wieder klackert es rot. Sie zitiert wissenschaftliche Studien. Die Bindungsperson? "Das ist am besten die Mutter, schon allein wegen des Stillens." Es könne aber auch "der Vater oder eine Drittperson" sein.

Ursula von der Leyen? "Am kinderfeindlichsten"

Christa Müller ist nicht in der CSU. Wie ihr Mann ist sie von der SPD zur Linkspartei gewechselt. Mehr noch: Müller ist familienpolitische Sprecherin der Saar-Linken. Für ihre krippenerfahrenen Genossinnen im Osten schwer erträglich: "Antiquiertes Frauenbild" und "30 Jahre alte CDU-Konzepte", kommentieren sie die Ideen aus dem Saarland.

Nun hat Christa Müller nachgelegt. Sie hat ein Buch geschrieben. Und was für eins. "Dein Kind will dich", fordert es vom Titel, darüber ein Bild von Mama Müller mit Sohn. Es ist ein Plädoyer fürs monatliche "Erziehungsgehalt": 1600 Euro im ersten, 1000 Euro im zweiten und dann 500 Euro bis zum 20. Lebensjahr des Kindes - unabhängig davon, ob ein Elternteil zu Hause bleibt oder beide arbeiten.

Um das zu finanzieren, soll etwa das Steuersystem verändert werden: "Vermögende, Besserverdienende und Kinderlose sollten höhere Steuern zahlen." Die Familien sollen regelmäßig von Familienberatern besucht werden: "Eine solche Beratung könnte etwa darauf Einfluss nehmen, dass Mütter nur in dem Maße Kinder bekommen, wie sie sich auch um sie kümmern können", sagt Müller.



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