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Virologe Christian Drosten Der Sündendoc

In der Coronakrise werden Wissenschaftler zu wichtigen Politikberatern. Eine Prüfung für Virologen, die es nicht gewohnt sind, in der Öffentlichkeit zu stehen. Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelstory.
aus DER SPIEGEL 23/2020
Virologe Drosten: "Sollte ich mich fürchten?"

Virologe Drosten: "Sollte ich mich fürchten?"

Foto:

JESCO DENZEL / Der Spiegel

Von Markus FeldenkirchenJan FriedmannJohann GrolleMarc HujerMartin Knobbe und Dirk Kurbjuweit

Der Politiker Karl Lauterbach weiß genau, was der Virologe Christian Drosten gerade durchmacht. "Er wird jetzt als Person angegriffen, man versucht, seinen guten Ruf zu diskreditieren und zu zerstören."

Lauterbach, der für die SPD im Bundestag sitzt, ist selbst Wissenschaftler, und er hat schon oft erlebt, wie grausam politische Öffentlichkeit sein kann, und er erlebt es jetzt wieder, weil er skeptisch gegenüber schnellen Lockerungen ist.

Am Dienstag fand Lauterbach ein Paket auf seinem Schreibtisch im Deutschen Bundestag. Darin lag ein original Corona-Teströhrchen, beschriftet mit "positiv". Dazu die Botschaft: "Trink das, dann wirst Du immun." Lauterbach fand das "makaber" und gab die Sendung zur Untersuchung an die Polizei.

Christian Drosten hat ein Paket gleichen Inhalts erhalten. Für ihn ist solcher Hass neu. Bislang hat er beruflich vor allem im Wissenschaftsbetrieb gelebt, der längst nicht so aufgeladen, so hysterisch ist wie der politische, zumal in Krisenzeiten.

Aber durch Corona wurde Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, selbst zur politischen Figur, weil sein Rat die Politik in existenziellen Fragen beeinflusst. Und in dieser Rolle ist er schnell bei den Abgründen gelandet.

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Am Montag griff ihn die "Bild"-Zeitung scharf an, weil er bei einer Studie angeblich unsauber gearbeitet habe. Am Dienstag kam das Päckchen. Am Mittwoch zeigte er sich in einem SPIEGEL-Gespräch  unerschrocken: "Sollte ich mich fürchten? Kann ich mir nicht vorstellen."

Die Coronakrise führt in diesen Tagen zwei Welten, zwei Systeme zusammen, die nach völlig verschiedenen Prinzipien funktionieren: Wissenschaft und Politik.

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