CDU-Politiker Hirte Ostbeauftragter wirft eigener Partei massive Fehler vor

Migration, Mobilität, Klimaschutz: Mit ihrer Politik in diesen Feldern habe die CDU im Osten Wähler enttäuscht, sagt der Ostbeauftragte Hirte. Das habe die Europawahl gezeigt.

Christian Hirte (CDU), Ostbeauftragter der Bundesregierung: "Man kann kaum behaupten, dass wir politisch alles richtig gemacht hätten"
Christian Spicker/ imago images

Christian Hirte (CDU), Ostbeauftragter der Bundesregierung: "Man kann kaum behaupten, dass wir politisch alles richtig gemacht hätten"


Wenige Wochen vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg hat der Ostbeauftragte der Bundesregierung seiner Partei ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Die CDU habe es nicht geschafft, die Stimmungslage der Bürger aufzugreifen und zu zeigen, dass sie deren Interessen im Blick habe, sagte Christian Hirte im "Tagesgespräch" des SWR.

Als Beispiel nannte Hirte die Migrationspolitik, aber auch die Themen Mobilität und Klimaschutz, mit denen sich viele Menschen im Osten - insbesondere im ländlichen Raum - schwer täten. Dies seien "Punkte, wo Bürger sich in den letzten Jahren nicht nur aufgehoben gefühlt haben bei der CDU", sagte der Ostbeauftragte.

Es gebe erhebliche Unterschiede in Ost und West, was die Struktur angehe: So sei der Osten deutlich ländlicher und viel kleinteiliger. Es fehlten die großen internationalen Unternehmen, die auch attraktive hochbezahlte Jobs anböten. Hier sei die Politik in der Verantwortung, Benachteiligungen anzugehen, sagte der CDU-Politiker.

Hirte verwies auf die Europawahl, bei der die CDU ihr bislang schlechtestes Ergebnis bundesweit erzielt hatte: "Wenn Sie sich etwa die Europawahl anschauen, kann man ja kaum behaupten, dass wir politisch alles richtig gemacht hätten."

Die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer trifft sich am Montag mit den Kreisvorsitzenden der CDU aus Sachsen. Sie setzen dabei ein Gespräch fort, dass sie vor vier Wochen bei einem Treffen im sächsischen Großpösna begonnen hatten. Am 1. September werden in den Ostländern Sachsen und Brandenburg neue Landtage gewählt.

In Sachsen lag die CDU im jüngsten SPON-Wahltrend mit 27 Prozent knapp vor der AfD. In Brandenburg liefert sie sich einen Vierkampf um den zweiten Platz.



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mho/dpa



insgesamt 148 Beiträge
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graf koks 12.08.2019
1. nichts neues
Nach jedem Wahldesaster heißt es: "Wir haben verstanden", "ein weiter so darf es nicht geben". Und dann gibt es doch genau dieses Weiter so. Wenn ständig die persönlichen Eitelkeiten unserer Politiker mit den Interessen der Wähler kollidieren, knirscht es halt. Und solange CDU/SPD stur bleiben, werden ihre Werte weiter sinken.
biba_123 12.08.2019
2. Der Mann spricht die Wahrheit
Mal sehen, wann er entlassen wird.
didel-m 12.08.2019
3. Das hätte zur Abspaltung der Ost-CDU geführt
Wenn man es ernst genommen hätte. Hat man sich aber nicht getraut. Dann macht die AfD eben den Job. So einfach ist das.
Peer Pfeffer 12.08.2019
4. Hey
Wenn nun auf alle Besorgnisse des Ostens bezüglich Migration und Mobilität eingegangen und ganz genau zugehört wird, dann fühle ich mich als Westdeutscher allmählich von der Politik abgehängt. Warum soll man immer nur den AfD-affinen zuhören, aber nicht denen, die nicht Flüchtlinge als Feindbild haben, sondern eine neoliberal verzerrte Marktwirtschaft?
amun76 12.08.2019
5. Verfehlte Migrationspolitik im Osten ..???
Kleiner Witz wa :D !!! Im Osten gibt es im Gegensatz zum Westen kaum Migranten!! Das vorzuschieben ist nicht nur lächerlich sondern schlichtweg falsch. Genauso hat der Osten ein rechtes Problem nicht der Westen !!!!
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