Sexismusvorwürfe gegen FDP-Chef Lindner will es angeblich nicht so gemeint haben
Christian Lindner steht nach seinem Auftritt auf dem FDP-Parteitag am Wochenende in der Kritik. Es gibt Sexismusvorwürfe gegen ihn wegen seiner Rede bei der Verabschiedung Linda Teutebergs als Generalsekretärin. Nun hat sich Lindner noch einmal für seine Worte entschuldigt. "Ich schätze Linda Teuteberg, und ich bedauere, wenn ein Eindruck entstanden ist, zu wenig Respekt geäußert zu haben", sagte Lindner am Montag in einem Interview mit dem Fernsehsender RTL. Zuvor hatte er schon bei Twitter "um Nachsicht" gebeten.
In seiner Rede hatte Lindner am Samstag gesagt: "Ich denke gerne daran, Linda, dass wir in den vergangenen Monaten ungefähr 300 Mal den Tag zusammen begonnen haben." Dann machte er eine Kunstpause, rollte seine Augen, fuhr fort: "Ich spreche über unser tägliches Telefonat zur politischen Lage, nicht, was ihr jetzt denkt!"
Nun sagte Lindner, er habe seine Rede "nur auflockern wollen". "Mir tut das sehr leid, bei allen, die sich da angegriffen fühlen". Sollte sich Teuteberg angegriffen fühlen, "dann möchte ich mich auch bei ihr entschuldigen", sagte Lindner. Er habe "eine Formulierung gewählt, die ausgesprochen missverständlich offensichtlich für viele war", sagte Lindner. "Sie war gar nicht so gemeint." Er habe danach in der Angelegenheit mit Teuteberg Kontakt gehabt.
Er habe "einen ältlichen Witz zulasten einer Frau" gemacht, sagte Lindner weiter. Das sei nicht seine Absicht gewesen, er habe die Tatsache im ersten Moment selbst gar nicht erfasst.
"Es ist besser, nicht Witze zu machen, als falsch Witze zu machen"
Nach der Rede hatte es in sozialen Medien massive Kritik gegeben. Es wurde etwa darauf hingewiesen, dass Lindner einen ähnlich sexistischen Witz wie jener, für den er sich nun entschuldigte, schon einmal gemacht hatte, und zwar im Jahr 2017. Damals sagte er: "Ich bin heute Morgen wach geworden mit Claudia Roth."
Was von „missverständlicher Formulierung“ labern, wäre schon 2017 unglaubwürdig gewesen, Herr @c_lindner.
— Lorenz Meyer (@shengfui) September 20, 2020
Geben Sie es doch einfach zu, dass Sie zur Bespaßung Ihres FDP-Publikums sexistische Witze erzählen.#Teuteberg #Lindner #FDP
Quelle: FDP Rhein-Berg, Facebook, 29.08.2017 pic.twitter.com/lnJeHbHxX2
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In Bezug auf die Rede zu Linda Teuteberg nun twitterte Renate Künast von den Grünen: "Ist das schrecklich!"
Ist das schrecklich!!! #Lindner https://t.co/V2T8pJwR1s
— Renate Künast (@RenateKuenast) September 19, 2020
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Die Bundessprecherin der Grünen Jugend, Anna Peters, warf Lindner "Chauvinismus par excellence" vor. Peters' Parteikollege Konstantin von Notz schrieb : "Es ist besser, nicht Witze zu machen, als falsch Witze zu machen."
Es ist besser, nicht Witze zu machen, als falsch Witze zu machen.
— Konstantin v. Notz (@KonstantinNotz) September 19, 2020
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#MissionAltherrenwitz statt #MissionAufbruch. Die #FDP hat richtig gute Leute in der zweiten Reihe. #FDPBPT#Lindner #Teuteberg @c_lindner @LindaTeuteberg https://t.co/XkOMVjXi5I
— Matthias Hauer 🇩🇪🇪🇺 (@MatthiasHauer) September 19, 2020
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Lindner erklärte den Vorfall nun mit der Art, wie er Reden halte. Er entwickle diese frei aus Stichworten. "Da kann natürlich die einzelne Formulierung nicht immer aus der Spontaneität heraus so gelingen und abgeklopft sein", sagte Lindner. Der Preis sei dann, "dass dir eine missglückt".
Besondere Vorsichtsmaßnahmen wolle er bei künftigen öffentlichen Auftritten aber nicht ergreifen. Bei Reden werde er weiterhin nicht mit ausformulierten Manuskripten arbeiten.