Rechtspopulisten im Bundestag Sprecher spricht nicht mehr für die AfD-Fraktion

Der langjährige Pressesprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Christian Lüth, ist von seinem Job freigestellt worden. Hintergrund sind offenbar brisante Äußerungen in einem Nachrichtenchat mit einer Frau.
AfD-Sprecher Christian Lüth: Bislang alle Machtkämpfe überstanden.

AfD-Sprecher Christian Lüth: Bislang alle Machtkämpfe überstanden.

Foto: Soeren Stache/ dpa

Christian Lüth ist ein bekanntes Gesicht in der AfD-Bundestagsfraktion. Bei vielen Pressekonferenzen ist er dabei, leitet sie. Auch zu Hintergrundgesprächen lädt er regelmäßig ausgewählte Journalisten ein, bei denen Politiker der AfD-Fraktion mitunter auch offen über interne Vorgänge sprechen.

Der 43-Jährige galt bislang als engerer Mitarbeiter des Co-Fraktionschefs Alexander Gauland. Wer wissen wollte, welchen Kurs Gauland gerade fährt, der wandte sich - auch - an Lüth.

Doch seit Kurzem darf Lüth nicht mehr für die Bundestagsfraktion sprechen - er wurde von seinem Job freigestellt, auch auf Wunsch von Gauland. Das wurde dem SPIEGEL am Sonntag aus der AfD bestätigt. Zuvor hatte "Zeit Online" über den Vorgang berichtet.

Entlassen ist Lüth, verheiratet und Vater mehrerer Kinder, mit der "Freistellung" noch nicht. Doch sieht es um seine berufliche Zukunft in der AfD-Fraktion wohl nicht gut aus. Zu schwer scheint der Vorgang - in allen seinen Facetten - zu sein.

Unhaltbare Lage durch Chat mit einer Frau

Gauland selbst hatte über die Freistellung den Fraktionsvorstand informiert. Der Hintergrund ist brisant, wie der SPIEGEL erfuhr: Demnach kursieren in der AfD-Fraktion seit geraumer Zeit Screenshots eines Nachrichtenwechsels mit einer Frau, die sich einst bei der Fraktion beworben habe, aber kein Parteimitglied sein soll. Aus dem Verlauf soll hervorgehen, dass Lüth sich unter anderem mit Äußerungen gegenüber der Frau in eine offenbar unhaltbare Lage gebracht hat.

Bestätigt wurde dem SPIEGEL im Wesentlichen eine Darstellung von "Zeit Online", wonach sich Lüth als "Faschist" bezeichnet und mit Bezug auf seinen Großvater von seiner "arischen" Abstammung gesprochen haben soll. Nach Informationen des SPIEGEL soll dies beim Nachrichtenaustausch mit der Frau erfolgt sein.

Frühere AfD-Fraktionsspitze mit Pressesprecher Lüth im September 2017 (2.v.r. hinten): Einst 2013 von der FDP zur AfD gewechselt

Frühere AfD-Fraktionsspitze mit Pressesprecher Lüth im September 2017 (2.v.r. hinten): Einst 2013 von der FDP zur AfD gewechselt

Foto: Gregor Fischer/ picture alliance / Gregor Fischer/dpa

Lüths Großvater Wolfgang Lüth soll demnach laut ZEIT ONLINE Korvettenkapitän (zuletzt Kapitän zur See) gewesen sein und im Zweiten Weltkrieg als höchstdekorierter U-Boot-Kommandant der Kriegsmarine gedient haben. Wie dieser Nachrichtenverlauf mit der Frau zu bewerten ist, ob ironisch oder ernst gemeint, muss bis dato offenbleiben - dem SPIEGEL liegt er bislang nicht vor. Lüth selbst war am Sonntag - bis zur Veröffentlichung dieses Textes - für den SPIEGEL nicht zu sprechen.

Lüth hatte vor seinem Wechsel zur AfD in der FDP in verschiedenen Funktionen gearbeitet, zuletzt 2013 als Referent eines Bundestagsabgeordneten. Nachdem die FDP erstmals in ihrer Geschichte 2013 nicht mehr in den Bundestag kam, orientierte sich Lüth beruflich und politisch um und landete als Parteisprecher bei der AfD.

Gauland erschüttert

Er überstand alle Machtkämpfe in der Partei - damals noch unter der Führung von Bernd Lucke, Frauke Petry und Konrad Adam, ab Frühjahr 2015 unter der Doppelspitze Jörg Meuthen und Frauke Petry - und wechselte im Herbst 2017 als Sprecher in die neue AfD-Bundestagsfraktion unter der Doppelspitze Alexander Gauland und Alice Weidel.

Wie aus der AfD weiter zu hören war, sei Gauland über den offenbar sehr komplexen Vorgang, der zur Freistellung Lüths führte, erschüttert gewesen, habe aber keine andere Möglichkeit gesehen, als für dessen Freistellung zu sorgen. Ob Lüth noch in der AfD-Fraktion an anderer Stelle gehalten werden kann, wird intern als schwierig angesehen. Er habe viele Gegner, hieß es.

Der Co-AfD-Parteivorsitzende Tino Chrupalla bestätigte am Sonntag dem SPIEGEL die Maßnahme gegenüber Lüth: "Ja, er ist freigestellt." Weitere Angaben wollte er nicht machen.