Bettina Wulff im Zeugenstand Wiedersehen vor Gericht

Die getrennt lebenden Eheleute Christian und Bettina Wulff treffen sich vor dem Landgericht Hannover wieder - er als Angeklagter, sie als Zeugin. Zwei Jahre nach Beginn der Kreditaffäre dient der Auftritt der einstigen First Lady vor allem einem Zweck.

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Berlin - Je prominenter der Gast, desto mehr rückt der Anlass für die Einladung in den Hintergrund. Dieser Grundsatz gilt auch für den Wulff-Prozess: Wenn die frühere First Lady Bettina Wulff an diesem Donnerstag vor dem Landgericht in Hannover erscheint, werden die Glitzermagazine der Republik vor allem solche Fragen beschäftigen - welche Kleidung trägt sie, findet sie warme Worte, lächelt sie ihn an, nickt er ihr zu?

Seit 10 Uhr wird die 40-Jährige als Zeugin im Prozess gegen ihren Noch-Ehemann Christian Wulff befragt. Bettina Wulff soll über jene beiden Tage auf dem Oktoberfest 2008 sprechen, um die sich das Verfahren hauptsächlich dreht. Außerdem soll sie darüber Auskunft geben, wie eng das Verhältnis zwischen dem Ehepaar Wulff und dem Filmmanager David Groenewold war.

Christian Wulff wird vorgeworfen, dass er sich den Aufenthalt in München teilweise von Groenewold bezahlen ließ. Im Gegenzug soll Wulff für einen Film seines Freundes beim Siemens-Konzern um Unterstützung geworben haben. Wulff weist den Vorwurf der Vorteilsannahme zurück und strebt einen Freispruch an.

"Der persönliche Schaden wird bleiben"

Bereits die Befragung des Verlegers Hubert Burda und seiner Ehefrau Maria Furtwängler in der vergangenen Woche war wenig erhellend verlaufen. "Was kann meine Aussage eigentlich zur Klärung beitragen?", entfuhr es Furtwängler im Gerichtssaal.

Von der Vernehmung Bettina Wulffs, für die ein ganzer Verhandlungstag angesetzt ist, sind ebenfalls keine bahnbrechenden Neuigkeiten zu erwarten. Ihr Auftritt erfüllt in erster Linie einen symbolischen Zweck. Als PR-Frau weiß sie: Rausgehen ist im Zweifel besser, als sich zu verstecken. Schließlich verknüpft man beide Namen mit der Affärenserie um Kredite, Urlaube und Wirtschaftsnähe, die im Rücktritt des Bundespräsidenten mündete (lesen Sie hier die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge nach).

Zwar könnte sich die frühere First Lady auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berufen und schweigen. Bisher gehen die Beteiligten aber davon aus, dass Bettina Wulff aussagen wird. Die 40-Jährige will mit ihrer Präsenz im Gerichtssaal anscheinend nicht nur Solidarität demonstrieren, sondern darüber hinaus zeigen: Es geht hier nicht nur um seine, sondern auch um meine Ehre.

Wird das Verfahren eingestellt?

Beim Prozessauftakt Mitte November hatte sich Christian Wulff kämpferisch und emotional gezeigt. "Der persönliche Schaden wird bleiben, ein Leben lang. Ich erwarte jetzt, dass Recht gesprochen wird", sagte er. Ähnlich wie das frühere Staatsoberhaupt hat Bettina Wulff ein Interesse daran, ein unangenehmes Kapitel wenigstens formell abzuschließen. Außerhalb des Gerichts versucht sie längst den Neustart, im vergangenen Jahr gründete sie eine Agentur, seit einigen Monaten wird sie wieder häufiger auf öffentlichen Festen gesehen.

Vielleicht wird dieser Wunsch schneller erfüllt als gedacht. Kurz vor Weihnachten will Richter Frank Rosenow eine Zwischenbilanz präsentieren. Manche Beobachter halten es für möglich, dass das Verfahren noch vor dem geplanten Ende im April 2014 eingestellt wird.

Bisherige Befragungen von Bodyguards und Hotelangestellten, Kindermädchen und Sekretärin brachten keinen Durchbruch, Erinnerungslücken eines Personenschützers ließen das Gericht entnervt zurück. Andererseits wurde Wulff gerade in einem separaten Prozess von seinem früheren Sprecher und Vertrauten Olaf Glaeseker belastet.

Der Termin für die Befragung von Bettina Wulff weckt Erinnerungen: Auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass Christian Wulff eine wütende Nachricht auf der Mailbox von Bild-Chef Kai Diekmann hinterließ. Fast zeitgleich wurden die ersten Vorwürfe publik.

Nun betritt das Noch-Ehepaar Wulff, seit Januar offiziell getrennt lebend, gemeinsam einen Gerichtssaal, um einen vergangenen Lebensabschnitt aufzuarbeiten. Er als Angeklagter, sie als Zeugin. Wer einen bildhaften Beweis braucht, wie schnell sich Dinge im Leben ändern können: Im Schwurgerichtssaal in Hannover bekommt man ihn.

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Furtwängler und Burda: Prominente im Wulff-Prozess

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