Buchpräsentation des Exbundespräsidenten Wulff kritisiert Medien und Justiz scharf

Christian Wulff geht in die Offensive: Justiz und Medien hätten ihn vor zweieinhalb Jahren zum Rücktritt als Bundespräsident gezwungen. Bei der Präsentation seines Buchs sagte er selbstbewusst: "Ich wäre auch heute der Richtige im Amt."

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Berlin - Christian Wulff hat bei der Präsentation seines Buchs "Ganz oben Ganz unten" Justiz und Medien deutlich kritisiert. Die Staatsanwaltschaft Hannover, die die Korruptionsermittlungen gegen den Altbundespräsidenten geführt hatte, habe ihn indirekt zum Rücktritt gezwungen. "Der Rücktritt war falsch. Ich wäre auch heute der Richtige im Amt", erklärte Wulff selbstbewusst. Die beantragte Aufhebung der Immunität habe ihm jedoch keine Wahl gelassen.

"Die Staatsanwaltschaft Hannover hat keinen Aufwand gescheut", sagte Wulff bei seinem Auftritt in Berlin. "Medien und Justiz haben sich gegenseitig die Bälle zugespielt." Dieses Zusammenspiel sei eine Gefahr für die Demokratie, sagte Wulff. "Mir ist mehr Unrecht getan worden, als ich je Unrecht getan habe."

Das Buch "Ganz oben Ganz unten" sei weder eine Abrechnung noch eine Rechtfertigung, betonte Wulff. Ihm sei es aber wichtig, seine Sicht der Dinge auf die Umstände seines Rücktritts zu verbreiten. "Für mich persönlich ist dieser Tag ein Neuanfang", sagte der Altbundespräsident. "ich möchte wieder ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft sein." Er werde aber kein politisches Amt mehr übernehmen.

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"Mein juristischer Freispruch wiegt die mediale Vorverurteilung nicht auf", klagte Wulff. Der Altbundespräsident ging besonders die "Bild"-Zeitung scharf an. Das Blatt habe die Unschuldsvermutung vollständig missachtet. Wulff kritisierte "die Art der Medien, Macht auszuüben". Die Zeitung habe "monatelang in die untersten Schubladen gegriffen". In seinem Buch beschreibe er, "wie mich der Springer-Verlag von Anfang an verfolgt hat", kündigte Wulff an.

"Ich bin ein freier Mann"

Sein Buch sei jedoch kein Generalangriff auf die Medien, betonte Wulff. "Ich habe mich bemüht, nicht alle über einen Kamm zu scheren", sagte der CDU-Politiker. "Wir haben einen Qualitätsjournalismus, auf den wir stolz sein können."

Am Ende der Affäre sei nichts als der Verdacht der Vorteilsannahme beim Besuch des Münchner Oktoberfests geblieben. Der Prozess endete mit einem Freispruch trotz aufwendiger Ermittlungen: "Ich bin vielleicht der am besten durchleuchtete Politiker der Bundesrepublik", sagte Wulff. "Ich bin ein freier Mann, in jeder Hinsicht."

"Was lief falsch? Was sollte sich nicht wiederholen?" - Diese Fragen wolle er in dem Buch verhandeln, denn sein Schicksal sei kein Einzelfall, betonte Wulff.

Der Altbundespräsident selbst räumte auch Fehler ein: So sei es falsch gewesen, Urlaub bei einem befreundeten Unternehmer zu machen. Auch der Anruf auf die Mailbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann bezeichnete Wulff als "verhängnisvoll". "Wunderbar für jeden, der fehlerfrei ist."

syd/kgp

insgesamt 293 Beiträge
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Seite 1
r.muck 10.06.2014
1. Niedersachsen
Das Landesparlament belügen war offensichtlich nicht falsch.
A.Lias 10.06.2014
2. Wie war das mit der...
... Bescheidenheit und der Zier? Wulff ist nicht nur nie der richtige für das Amt gewesen, sein jetziges Verhalten zeigt, dass er nichts gelernt hat.
antares56 10.06.2014
3. Jämmerlich
Es ist wirklich jämmerlich, welche Rolle Herr Wulff da gerade spielt. Das arme Opfer, ohne grosse Fehler! Und immer Werbung für das Buch, obwohl er es kaum selbst geschrieben hat.
THINK 10.06.2014
4.
Zitat von sysopDPAChristian Wulff geht in die Offensive: Justiz und Medien hätten ihn vor zweieinhalb Jahren zum Rücktritt als Bundespräsident gezwungen. Bei der Präsentation seines Buchs sagte er selbstbewusst: "Ich wäre auch heute der Richtige im Amt." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/christian-wulff-kritisiert-medien-und-justiz-in-scharf-a-974354.html
*"Jeder blamiert sich, so gut er kann."* Hr. Wulff kann das besonders gut.
karend 10.06.2014
5. Personalie
Zitat von sysopDPAChristian Wulff geht in die Offensive: Justiz und Medien hätten ihn vor zweieinhalb Jahren zum Rücktritt als Bundespräsident gezwungen. Bei der Präsentation seines Buchs sagte er selbstbewusst: "Ich wäre auch heute der Richtige im Amt." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/christian-wulff-kritisiert-medien-und-justiz-in-scharf-a-974354.html
Das sehe ich anders: Herr Wulff war nie der Richtige für das Amt. Dieses war viel zu groß für ihn. Aber gut für ihn, dass sein Selbstbewusstsein wieder voll ausgeprägt ist.
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