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21. Juli 2014, 13:26 Uhr

Presserat über Altbundespräsident

Wulff-Forderung nach strengeren Regeln unbegründet

"Die Wirklichkeit aus dem Blick verloren": Der Deutsche Journalistenverband und der Presserat haben die Forderung von Altbundespräsident Christian Wulff nach strengeren Regeln deutlich zurückgewiesen.

Hamburg - Der Deutsche Presserat hat Forderungen von Ex-Bundespräsident Christian Wulff nach einem strengeren Pressekodex zurückgewiesen. Für eine Änderung bestehe kein Anlass, die bestehenden Regeln reichten völlig aus, sagte Arno Weyand vom Presserat. Wulff hätte sich jederzeit beim Selbstkontrollgremium der Presse über Berichte zu seiner Person beschweren können.

Wulff war 2012 nach einer durch Medienberichte ausgelösten Affäre über die angebliche Annahme von Vorteilen als Bundespräsident zurückgetreten. Ein Korruptionsprozess in Hannover endete mit einem rechtsgültigen Freispruch für Wulff.

Im Interview mit dem SPIEGEL fordert der 55-Jährige eine Überarbeitung der Presseratsregularien: Auswüchse in der Berichterstattung ließen sich so im Interesse des Ganzen strenger ahnden. In einem kontrovers geführten Gespräch sagte Wulff, Journalisten hätten ein Zerrbild seines Charakters gezeichnet und Niederträchtigkeiten publiziert. (Lesen Sie das komplette Interview hier im aktuellen SPIEGEL).

Das Interview mit Wulff habe mehrmals kurz vor dem Abbruch gestanden, sagt SPIEGEL-Redakteur Peter Müller. In diesem Video schildert Müller seine Eindrücke von dem Gespräch:

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hält die Kritik des ehemaligen Bundespräsidenten für unbegründet. In der Demokratie müssten Medien ihre Rolle als Wächter wahrnehmen, sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken. Ob sich Wulff durch zunächst ungeklärte Kreditgeschäfte möglicherweise in Abhängigkeit begeben habe, sei für die Öffentlichkeit von Belang gewesen. "Wer daraus im Nachhinein ein Meinungskartell konstruiert, hat die Wirklichkeit aus dem Blick verloren", sagte Konken. Die Medien hätten sich auch selbstkritisch mit eigenen Übertreibungen auseinandergesetzt.

kes/dpa

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