Truppenbesuch und Sylt-Urlaub Lambrecht nahm Sohn in Regierungsflieger mit

Zu einem Truppenbesuch in Norddeutschland reiste Verteidigungsministerin Lambrecht mit ihrem Sohn in einem Hubschrauber der Flugbereitschaft. Danach ging es weiter in den Sylt-Urlaub.
Christine Lambrecht (SPD) während ihres Besuchs beim Lufttransportgeschwader 62 im niedersächsischen Wunstorf

Christine Lambrecht (SPD) während ihres Besuchs beim Lufttransportgeschwader 62 im niedersächsischen Wunstorf

Foto: Ole Spata / dpa

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat ihren Sohn in einem Hubschrauber der Bundesregierung mitgenommen. Laut einem Sprecher des Verteidigungsministeriums agierte die Ministerin bei dem Mitflug eines Familienangehörigen allerdings regelkonform. »Richtig ist, dass die Bundesministerin der Verteidigung am 13. April einen Familienangehörigen in einem Hubschrauber der Flugbereitschaft zu einem Truppenbesuch in Norddeutschland mitgenommen hat«, sagte der Sprecher dem SPIEGEL zu einem entsprechenden Bericht des »Business Insider«.

Dass es sich bei der Begleitung um Lambrechts Sohn Alexander handelte, wollte das Ministerium aus Datenschutzgründen nicht bestätigen.

Da die Begleitung jedoch keinen dienstlichen Hintergrund hatte, habe die Ministerin die entstandenen Kosten für den Mitflug übernommen. »Mitflug und die Kostenerstattung fanden in voller Übereinstimmung mit den geltenden Regularien statt«, betonte der Sprecher.

Lambrecht hatte am 13. April die Aufklärungsstellung Bramstedtlund besucht, einen Teil der ortsfesten Aufklärung des Bataillons Elektronische Kampfführung 911 aus Stadum. An dem Besuch nahm ihr Sohn nicht teil. Allerdings reisten Lambrecht und er im Anschluss zu einem Kurzurlaub nach Sylt weiter. Der Kurztrip auf die Jetset-Insel mitten in der Krise um den Krieg gegen die Ukraine sorgte in Berlin bei manchen für Stirnrunzeln.

Grundsätzlich dürfen Regierungsmitglieder Familienangehörige auf Dienstreisen mitnehmen. Wenn es für die Begleitung allerdings keinen dienstlichen Grund gibt, müssen die entstandenen Kosten erstattet werden. Anders verhält es sich, wenn etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Frau mitnimmt, da diese als »First Lady« auch politische Termine wahrnimmt.

Wie hoch die Erstattung für die Mitnahme von Lambrechts Sohn war, wollte das Verteidigungsministerium auch auf Anfrage nicht mitteilen. Grundsätzlich gilt bei solchen Mitflügen die Regel, dass private Begleiter von Regierungsmitgliedern für die Mitflüge in Regierungsflugzeugen oder Helikoptern den Economy-Tarif bezahlen müssen, den die Lufthansa berechnen würde. Da es auf der Strecke Berlin-Ladelund, wo der Helikopter von Lambrecht landete, keine Lufthansa-Verbindung gibt, wurde offenbar ein Schätzpreis von einigen Hundert Euro berechnet.

Auch für die spätere Mitfahrt des Sohnes in der Ministerinnen-Kolonne samt BKA-Personenschützer zum Urlaubsziel Sylt soll Lambrecht eine Kostenpauschale entrichtet haben, hieß es aus ihrem Ministerium. Alles sei nach den geltenden Vorschriften gelaufen, so die Linie des Wehrressorts.

Lambrecht machte Urlaub selbst durch Bilder öffentlich

Im Verteidigungsministerium verbreitete sich der Beitrag von »Business Insider« allerdings wie ein Lauffeuer. Schon vor dem Kurzurlaub auf Sylt ahnte man, dass der Ausflug, den Lambrecht selbst durch Bilder öffentlich machte, sich zum politischen Fettnäpfchen mausern könnte.

Kurz nach Amtsantritt Lambrechts Ende des vergangenen Jahres wunderten sich politische Beobachter darüber, dass Lambrecht über Weihnachten in den Winterurlaub gegangen war, anstatt sich vom Ministerium in bereits vorbereiteten Briefings in die vielen Baustellen der Bundeswehr einweisen zu lassen. Auch dieser Urlaub wurde öffentlich, weil Lambrecht selbst Bilder bei Instagram veröffentlichte.

Für die Ministerin kommt die Mini-Affäre zur Unzeit. Seit Wochen steht Lambrecht wegen der zögerlichen Haltung der Bundesregierung bei den Waffenlieferungen für die Ukraine im Fokus der medialen Kritik. Die Boulevardpresse griff sie zudem kürzlich an, da sie bei Truppenbesuchen in Mali mit hochhackigen Schuhen aufgetreten war, obwohl ihre Delegation angewiesen wurde, festes Schuhwerk zu tragen.

Aus der Opposition erntete Lambrecht Kritik für die kuriose Urlaubseskapade. »Der Zeitpunkt des Ministerinnen-Urlaubs auf Sylt war mitten in der Krise um den Krieg gegen die Ukraine schon grenzwertig«, sagte der CSU-Verteidigungspolitiker Reinhard Brandl. »Dass ihr Sohn sich nun auch noch auf Instagram brüstet, dass er im Regierungshelikopter in Richtung Sylt mitfliegen durfte, schlägt dem Fass den Boden aus«, meint der Fachpolitiker.

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP, forderte eine Aufklärung der Umstände. Sie kenne zwar die genauen Details der Reise nicht, so Strack-Zimmermann, aber »wirklich korrekt« sei die Sache wohl nicht gewesen. Nun müsse die Ministerin den Bundeskanzler über den Vorfall informieren, forderte Strack-Zimmermann im Fernsehsender WELT: »Wenn dem so sei, ist das – sag ich mal – eher ein ungewöhnlicher Vorgang. Aber das sollte das Kabinett beziehungsweise der Kanzler mit der Ministerin selber klären.« Es sei wichtig, »sensibel mit solchen Dingen« umzugehen.

Es ist nicht das erste Mal, das Lambrecht ihren Sohn bei Dienstflügen mitnahm. Wie die »Bild«-Zeitung berichtet, bestätigte das Justizministerium auf Anfrage, dass Lambrecht in der vergangenen Legislaturperiode als Justizministerin ihren Sohn auf insgesamt sieben Auslandsreisen mitnahm – nach Slowenien, Helsinki, Liechtenstein, Lissabon, Luxemburg, Paris und Prag. Die Kosten für die Reisen seien stets privat bezahlt worden.

mfh/mgb
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