Kurz vor Berlin-Wahl Ex-Pirat Lauer tritt SPD bei

Als Krawall-Politiker und Talkshow-Pirat wurde Christopher Lauer bekannt, dann verließ er die Partei. Jetzt ist er offiziell in die SPD eingetreten.

Christopher Lauer
Espen Eichhöfer/ Ostkreuz/ DER SPIEGEL

Christopher Lauer


Für die Piraten zog Christopher Lauer vor fünf Jahren ins Berliner Abgeordnetenhaus ein, er galt als einer der bekannteren Köpfe der Partei. Längst ist der Erfolg der Piraten passé, Lauer hat die Partei, wie viele andere auch, verlassen. Nun hat sich der 32-Jährige eine neue politische Heimat gesucht - und will sich künftig als offizielles Mitglied bei der SPD engagieren. Das gab Lauer am Freitag über Twitter bekannt.

Demnach füllte er am Freitagmorgen ein Online-Eintrittsformular aus. Sobald der Antrag gültig ist, wäre Lauer Teil des Berliner SPD-Kreisverbands Pankow. Die SPD hat in Berlin nach eigenen Angaben 17.000 Mitglieder.

"Es bringt nichts, sich ständig über alte und träge Volksparteien aufzuregen. Wenn meine Generation mitreden will, muss sie sich eben politisch mehr engagieren. In eine Partei einzutreten und mitzumischen, ist sinnvoller, als zu meckern, wie schlimm alles ist", sagte Lauer SPIEGEL ONLINE.

An diesem Sonntag wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Die Piraten werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach daraus verabschieden müssen. 2011 waren die Piraten mit 8,9 Prozent in Berlin erstmals in ein Landesparlament eingezogen und bekamen dort 15 Sitze. Der Überraschungserfolg war der Startschuss für den bundesweiten Erfolg, phasenweise lagen die Piraten in Umfragen im zweistelligen Bereich.

Bei der SPD "am besten aufgehoben"

In den Landesparlamenten von Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland gibt es noch kleine Piratenfraktionen, doch inzwischen ist die Partei weitgehend bedeutungslos. Die Mitgliederzahlen gingen zuletzt rapide runter. Allein in Berlin gehören sieben Abgeordnete der Fraktion nicht mehr zur Partei. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zum Berliner Flughafen BER, Martin Delius, wechselte vor zwei Wochen vor der Wahl zur Linkspartei.

Lauers scharfe Rhetorik im Plenum, in sozialen Netzwerken, in Talkshows und per SMS ("Lieber Johannes [Ponader], wenn Du bis morgen 12:00 Uhr nicht zurück getreten bist, knallt es ganz gewaltig.") sorgte zuweilen für Kopfschütteln - brachte ihm aber Schlagzeilen und Bekanntheit ein. 2014 verkrachte er derart mit seiner Partei, dass er öffentlichkeitswirksam austrat.

Im Parlament engagierte sich Lauer unter anderem für mehr Transparenz bei technisch komplexen Ermittlungsmaßnahmen wie sogenannten stillen SMS und Funkzellenabfragen, die aus seiner Sicht tief in Grundrechte der Bürger eingreifen. Auch die Einrichtung einer Gewaltschutzambulanz für Vergewaltigungsopfer reklamiert Lauer für sich.

Bei der SPD fühle er sich am besten aufgehoben, sagt er nun. Die Sozialdemokratie stehe dafür, "zügellosem Kapitalismus Schranken aufzuzeigen. Das wird heute mehr gebraucht denn je."

Vor ein paar Jahren war der 32-Jährige noch anderer Meinung: 2012 twitterte Lauer, er würde sich eher "'ne Kugel durch den Kopf jagen" als Mitglied der SPD zu sein.

amz/dpa



insgesamt 37 Beiträge
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holzheizer 16.09.2016
1. Mit dem Mann wird die SPD noch viel Spass haben
Überschrift ist ironisch gemeint. Ich habe selten so einen Selbstdarsteller erlebt, wie Christopher Lauer. Wofür steht er? Inhaltlich ist er jedenfalls sehr flexibel, um es mal positiv auszudrücken.
vonschnitzler 16.09.2016
2. Guter Satz!!
"Es bringt nichts, sich ständig über alte und träge Volksparteien aufzuregen. Wenn meine Generation mitreden will, muss sie sich eben politisch mehr engagieren. In eine Partei einzutreten und mitzumischen ist sinnvoller als zu meckern, wie schlimm alles ist" - Das kann ich nur unterschreiben und es trifft nicht nur seine Generation sondern alle. Sollte man jedem Nichtwähler ins Posiealbum schreiben. Alllerdings frage ich mich auch, wie man mit 'Piraten-Idealen' bei der SPD glücklich werden kann, nur CDU wäre noch unpassender... Grüne, FDP, Linke,... hätte ich nachvillziehen können.
artifex-2 16.09.2016
3. Was soll´s
ein Minusposten mehr oder weniger bei der Wählbarkeit der SPD . Und in Chaoscity ist die (charakterliche) Beliebigkeit " Göttin " !
moritz27 16.09.2016
4. Das passt schon.
Laut Wikipedia studiert er seit 2006 in Berlin. Da kann einem eine Parteikarriere schon retten.
peterregen 16.09.2016
5.
Die SPD von innen zerstören? Gefällt mir, die Idee! :-)
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