Chronologie Egon Krenz vor Gericht

Straßburg/Berlin - Seit 1995 haben sich Gerichte mit dem früheren DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz wegen der Todesschüsse an Mauer und Stacheldraht befasst. Hier die wichtigsten Stationen:

13. November 1995 - Der Politbüro-Prozess beginnt vor dem Berliner Landgericht. Nach dem Tod des Gewerkschaftsvorsitzenden Harry Tisch müssen sich neben Egon Krenz noch fünf weitere hochrangige Funktionäre verantworten.

30. November 1995 - Der Prozess platzt. Wegen einer Operation des SED-Wirtschaftsfachmanns Günther Kleiber wird die Hauptverhandlung nach nur vier Verhandlungstagen abgebrochen und muss neu beginnen.

15. Januar 1996 - Der Politbüro-Prozess beginnt im zweiten Anlauf.

17. April 1997 - Der Anklagevorwurf wird reduziert: Krenz muss sich nunmehr nur noch für vier Fälle des Totschlags an DDR-Flüchtlingen verantworten. Bis zum Juni scheiden drei der Angeklagten aus Gesundheitsgründen aus.

31. Juli 1997 - Die Staatsanwaltschaft fordert für Krenz elf Jahre Haft. Die Verteidigung plädiert für Freispruch.

18. August 1997 - In seinem Schlusswort bekräftigt Krenz den Vorwurf der Siegerjustiz. Die Sieger würden sich im Prozess an den Besiegten rächen.

25. August 1997 - Das Berliner Landgericht verurteilt Krenz zu sechseinhalb Jahren Haft wegen Totschlags in vier Fällen. Die beiden mitangeklagten Ex-SED-Politbüromitglieder Günter Schabowski und Günther Kleiber erhalten jeweils drei Jahre Haft für drei Fälle. Krenz wird noch im Gerichtssaal verhaftet, da die Kammer Fluchtgefahr annimmt. Die Verurteilten und die Staatsanwaltschaft rufen den Bundesgerichtshof an.

11. September 1997 - Nach 18 Tagen kommt Krenz wieder auf freien Fuß. Das Berliner Kammergericht hob die Haftanordnung auf, weil der Fluchtgefahr auch mit Meldeauflagen begegnet werden könne.

9. November 1999 - Der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs in Leipzig bestätigt das Urteil des Berliner Landgerichts.

12. Januar 2000 - Das Bundesverfassungsgericht lehnt die Verfassungsbeschwerde von Krenz ab.

13. Januar 2000 - Krenz tritt seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Hakenfelde an.

24. Januar 2000 - Krenz wird in das Gefängnis Plötzensee verlegt und kommt wenig später in den offenen Vollzug.

7. November 2000 - Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verhandelt über die Klage von Krenz und drei weiteren Verurteilten und hört Krenz an.

22. März 2001 - Die Europa-Richter weisen die Klage von Krenz, zwei weiteren hochrangigen DDR-Funktionären sowie eines Mauerschützen endgültig ab. Das Urteil ist nicht mehr anfechtbar.

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