CIA Stasi-Agentenkartei im Bundeskanzleramt abgeliefert

Jahre hat es gedauert - nun hat der US-Geheimdienst CIA auf einer CD-Rom den ersten Teil der Stasi-Agentenkartei im Bundeskanzleramt abgeliefert. Es ist die Kartei, die nach dem Mauerfall von der CIA unter dem Decknamen "Rosenholz" aus der DDR geschmuggelt worden war.


Berlin - Es handele sich um eine erste Lieferung mit 2000 Datensätzen, hieß es am Dienstagabend in der ARD-"Tagesschau". Die amerikanische Regierung hat die Lieferung unterdessen bestätigt.

Weitere rund 1000 CD-Roms sollten in den nächsten zwei Jahren folgen, hieß es in dem Bericht. Auf diesen Datenträgern seien rund eine halbe Million Stasi-Vorgänge der Hauptabteilung Aufklärung (HVA) gespeichert, darunter 320.000 Namen. Neben West-Spionen der HVA seien darunter auch zahlreiche Namen von DDR-Bürgern, die die Stasi bei ihrer Arbeit in der alten Bundesrepublik unterstützt haben.

Der Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt, Ernst Uhrlau, hatte Ende Dezember erklärt, er erwarte von der Rückgabe der Akten vor allem eine bessere Bewertung von schon bekannten Fällen. Durch die gespeicherten Informationen werde aber auch der ein oder andere neue Fall hinzukommen.

Die CIA habe nicht den vollen Datensatz geliefert, sondern nur eine gefilterte Version, berichtete die ARD am Dienstag. Nach Ansicht von Sicherheitsexperten enthielten dies Stasi-Unterlagen keine dramatischen neuen Erkenntnisse. Sie würden aber das Bild über die Agentennetze der Stasi in der alten Bundesrepublik abrunden.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, bekräftige in der ARD seinen Anspruch auf die Überlassung der Akten: "Wir sind der Ansicht, dass diese Unterlagen zu dem Bestand gehören, den das Stasi-Unterlagengesetz beschrieben hat. Wenn wir dieser Ansicht sind, können wir nichts anderes fordern, als dass diese Unterlagen zu uns kommen." Das Bundeskanzleramt habe entschieden, dass diesem Anspruch stattgegeben werden solle, hieß es in der ARD. Gleichzeitig solle aber auch das Bundesamt für Verfassungsschutz Einblick in die Stasi- Agentenkartei bekommen.

Das Material hatte die CIA während des Umbruchs in der DDR oder kurz danach auf dubiosem Wege bekommen. Den größten Wert hat die Datensammlung nach früheren Einschätzungen von Gauck für die wissenschaftliche Forschung.



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