SPIEGEL-Umfrage Hohe Zustimmung zu Corona-Shutdown

In Woche 2 der neuen, harten Maßnahmen gegen Corona steht die Mehrheit der Deutschen hinter den Regierungen. Allerdings zeigt sich auch, wie gespalten das Land im Umgang mit der Pandemie ist.
In vielen Innenstädten Deutschlands gilt seit Beginn des Teil-Lockdowns eine Maskenpflicht

In vielen Innenstädten Deutschlands gilt seit Beginn des Teil-Lockdowns eine Maskenpflicht

Foto: Kira Hofmann / dpa

Restaurants sind geschlossen, aber die Geschäfte bleiben offen. Die Bundesliga läuft, aber Fitnessstudios und Sportvereine sind zu. Ist das sinnvoll und angemessen?

Grundsätzlich ist die Zustimmung zu den Maßnahmen von Bund und Ländern im Kampf gegen die Corona-Pandemie hoch. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL hervor. Rund 67 Prozent finden die ergriffenen Maßnahmen richtig, rund 28 Prozent finden sie falsch.

Bemerkenswert ist der niedrige Anteil der Unentschiedenen, was für eine Polarisierung der Gesellschaft spricht. Gerade einmal fünf Prozent der Befragten gaben an, dass sie in ihrer Bewertung der Maßnahmen unentschieden seien. Relativ hoch sind auch die Anteile jener, die "eindeutig" auf die Frage geantwortet haben: Rund 44 Prozent für den Shutdown, etwa 20 Prozent dagegen.

Auch mit Blick auf verschiedene Altersgruppen zeigen sich erhebliche Unterschiede in den Zustimmungswerten zum Shutdown. Während nur ein Drittel der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren die Maßnahmen "eindeutig richtig" findet, liegt dieser Wert bei den über 65-Jährigen bei 55 Prozent.

Insgesamt ist die Zustimmung aber auch bei den Jüngeren hoch. Rund zwei Drittel der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren steht den Maßnahmen positiv gegenüber. Nur ein Drittel ist dagegen.

Den meisten Widerspruch gibt es in der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen. Hier gaben insgesamt fast 40 Prozent an, die Maßnahmen eher oder sogar eindeutig falsch zu finden.

Wenig überraschend zeigt die Auswertung der Umfrageergebnisse einen Zusammenhang zwischen politischer Präferenz und der Haltung zu den Maßnahmen.

Demnach liegt die Zustimmung unter Wählern von Union und SPD bei über 80 Prozent. Bei Wählern der Grünen liegt sie immerhin noch bei 77 Prozent und unter Linken-Wählern bei 65 Prozent.

Anders sieht es bei Wählern von AfD und FDP aus. Unter FDP-Anhängern sind demnach derzeit nur knapp 17 Prozent von den Maßnahmen im Kampf gegen das Virus überzeugt. Bei Wählern der AfD sind es sogar nur 11 Prozent.

Das Meinungsforschungsinstitut Civey  arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer des SPIEGEL befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ .

Warum ist eine Registrierung nötig?

Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.

Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?

Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper .

Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?

Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben dem SPIEGEL in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.

Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?

Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.

Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?

In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.

Was passiert mit meinen Daten?

Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey  als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier  widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier .

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben dem SPIEGEL gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

bmo
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