Claudia Roth über AfD "Der Bundestag ist kein Bierzelt"

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hat einigen AfD-Abgeordneten Sexismus vorgeworfen. Gleichzeitig machte sich die Grünenpolitikerin für eine Frauenquote stark.

Claudia Roth
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Claudia Roth


Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth will sich mit dem niedrigen Frauenanteil im Parlament nicht abfinden und würde Geschlechterparität notfalls auch per Gesetz erzwingen. Das sagte sie in einem Interview mit dem "Tagesspiegel".

Zwar wäre es der Grünenpolitikerin lieber, wenn auch die anderen Parteien bei der Listenaufstellung freiwillig auf Quotenregeln setzen würden. Denn das wäre aus ihrer Sicht am einfachsten, schnell umsetzbar und zweifelsfrei verfassungskonform. Aber: "Wenn die Parteien sich (...) freiwillig nicht wandeln, obwohl es gesellschaftlich wünschenswert wäre, ist eine gesetzliche Regelung selbstverständlich ein richtiger Schritt, um die Repräsentanz und Qualität von Politik insgesamt zu steigern."

Nur 30,9 Prozent Frauen im Bundestag

Von einer gleichmäßigen Verteilung der Mandate auf beide Geschlechter würden letztlich alle profitieren, sagte die 63-Jährige. "Frauen im Verteidigungsausschuss beispielsweise haben einen ganz anderen Blick auf Konflikte und Kriege, Männer im Familienausschuss eine andere Sicht auf die Elternzeit. Ob in Politik, Forschung oder Wissenschaft: Wer nur die eine Perspektive einnimmt, nur eine Norm setzt, bildet die Realität einseitig ab - mit zum Teil schwerwiegenden Folgen."

Zurzeit sitzen im Bundestag 219 Frauen und 490 Männer. Das entspricht einem Frauenanteil von 30,9 Prozent, wobei das Missverhältnis der Geschlechter bei keiner Partei so ausgeprägt ist wie bei der AfD (10 zu 81). Und gerade in deren Reihen gebe es besonders viele sexistische Entgleisungen, kritisiert Roth.

Als Beispiele nannte sie "permanente Häme gegen Frauen, eine Reduzierung auf klischeehafte Zuschreibungen, Verächtlichmachung". Offensichtlich werde "versucht, offenen Sexismus wieder hoffähig zu machen. Manch einer findet das lustig oder nebensächlich, mit dem Hinweis, im Bierzelt ginge es nicht anders zu. Der Bundestag ist aber kein Bierzelt."

bam



insgesamt 61 Beiträge
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friedrich_eckard 03.03.2019
1.
Natürlich gibt es gegen eine gesetzlich vorgeschriebene Kandidatinnenquote ernstzunehmende verfassungsrechtliche Einwände. Wenn ich mir allerdings vorstelle, dass Wahlvorschlaäge der rechten Sümpflinge allein deshalb zurückgewiesen werden könnten, weil sie die geforderte Mindestzahl von Kandidatinnen nicht zusammenbringen... der Gedanke hätte schon etwas... die Partei, die ich zu wählen pflege, beträfe das übrigens nicht: die Fraktion der LINKEN hat jetzt schon deutlich über die Hälfte weibliche Mitglieder, obwohl es m.W. überhaupt keine förmlichen Quotierungsbeschlüsse gibt.
Neapolitaner 03.03.2019
2. Gewählt ist gewählt
Niemand ist gezwungen, eine Partei zu wählen, die die ihm angemessen erscheinende Geschlechtsverteilung nicht hinnehmen will. Das gilt sowohl für Direkt- als auch für Listenkandidaten. Es kann sich eine Partei auch dafür entscheiden, nur Frauen auf die Liste zu setzen. Dann wird diese Partei nur Frauen in das Parlement entsenden, in dem Umfang, in dem sie gewählt wird. Kein Problem. Das ist Demokratie.
mucschwabe 03.03.2019
3.
Wenn die AfD viele sexistische Entgleisungen hat, wird sie von Frauen kaum gewählt. Offensichtlich können sie auf die Wählerstimmen der Frauen weitestgehend verzichten. Es sind ja auch nur etwa ein Drittel der AfD-Wähler Frauen. So bleibt die AfD sicher unter 20%. Gut so!
wahe 03.03.2019
4. per Gesetz
jemanden zur Kandidatur zwingen, der nicht will, das kanns nicht sein um Parität zu erreichen! Frau Roth sollte vielmehr Reklame machen bei den Frauen sich zu angagieren und zu kandidieren. Außerdem entscheidet letztendlich der/die Wähler ob ein männlicher Kandidat oder eine weibliche Kandidatin im Wahlbezirk die Stimmenmehrheit erhält.Auf den Wahllisten liegt es hingegen bei den Parteien, ob sie nach Geschlechter Kriterium oder nach Kompetenz Kriterien aufstellen!
claus7447 03.03.2019
5.
Zitat von mucschwabeWenn die AfD viele sexistische Entgleisungen hat, wird sie von Frauen kaum gewählt. Offensichtlich können sie auf die Wählerstimmen der Frauen weitestgehend verzichten. Es sind ja auch nur etwa ein Drittel der AfD-Wähler Frauen. So bleibt die AfD sicher unter 20%. Gut so!
Mir wäre es deutlich angenehmer, wenn es unter 10% wäre. Wir werden vermutlich immer einen braunen Sumpf bei uns haben, es ist nicht zu verhindern, nationalistische, rassistische Denkweisen aus den Köpfen zu bringen. Aber ich bin sicher, es werden sich in Kürze auch ein paar AfD Trolle hier einrichten, Frau Roth ist ja neben der Bundeskanzlerin und Herrn Maas ein beliebtes Bashing Objekt. Aber tragt es mit Fassung, es ist Karneval.
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