Clintonmania in Berlin Am Tisch mit Bill

Bill Clinton, einst Präsident der USA und mächtigster Mann der Welt, trat in Berlin an zur Signierstunde. Hunderte warteten geduldig auf den großen Augenblick, ihm gegenüberzutreten - und gingen beseelt von dannen.

Von Karin Geil


Bad in der Menge: Clinton in Berlin
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Bad in der Menge: Clinton in Berlin

Berlin - Sie waren geduldig. Überall an diesem kühlen Sonntag in Berlin, wo Bill Clinton auftrat. Ob zur Signierstunde im Kulturkaufhaus Dussmann, ob vor dem "Adlon" am Pariser Platz, dem "Café Einstein" Unter den Linden oder spätabends vor dem Restaurant "Borchardt" in der Französischen Straße, überall warteten Menschen, in kleinen Trauben zumeist, auf den Auftritt des früheren US-Präsidenten.

Am Tag danach gibt es, wie immer, die Schlagzeilen in der Presse, die an John F. Kennedy ("Ich bin ein Berliner) erinnern sollen. "Er ist ein Berliner", titelt bodenständig die "B.Z" und der "Tagesspiegel" übt sich immerhin in Ironie und schlagzeilt: "Heute ein Berliner".

Clinton ist auf Werbetour für seine Memoiren. Da darf Berlin nicht fehlen, das ihm als Präsident stets mit Wohlwonnen und Herzlichkeit begegnete. Vor fünf Jahren speiste er mit dem Kanzler in einem Szenelokal am Prenzlauer Berg - ein Treffen solcher Art von Gerhard Schröder und George W. Bush käme schon aus Sicherheitsgründen heutzutage nicht mehr zustande.

1472 Seiten hat Clinton zusammengeschrieben, ein Buch, dicker und schwerer als die Bibel. Vom Prenzlauer Berg steht da nichts drin. Dafür umso mehr von Monica Lewinsky, Osama Bin Laden und natürlich Hillary Clinton.

Alarmstufe eins bei der Signierstunde

Clinton bei der Vorstellung seines Buches "Mein Leben"
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Clinton bei der Vorstellung seines Buches "Mein Leben"

Rund 700 Menschen dürfen sich an diesem Sonntag in Berlin ihr Buch zeichnen lassen. Sie haben Tage zuvor eine Einlasskarte zur einzigen deutschen Signierstunde im Kulturkaufhaus "Dussmann" ergattert.

Nur in kleinen Gruppen werden an diesem Sonntag die Menschen ins Gebäude gelassen, reihen sich ein in eine Warteschlange, bewaffnet mit ihrem Personalausweis und einem für 28 Euro erworbenen Gutschein - das Buch gibt es erst im Signierraum. Es herrscht höchste Sicherheit - auch die Reporter dürfen noch nicht einmal Stift und Block mitnehmen.

Schließlich ist es so weit. Überpünktlich erscheint Clinton, betritt den hellen Raum, in dem die Kamerateams der vielen Fernsehstationen schon positioniert sind. Im Lichthof brandet zögerlich und verzagt Applaus auf, als sein Konterfei in schummriger Farbe auf der Videowand hoch oben über den Köpfen erscheint.

Clinton steht am Tisch, legt seine schmalen Männerhände auf den Stapel der Bücher wie ein Priester am Anfang eines Gottesdienstes seine Hände auf den Altar. Dann geht er um den Tisch herum, stellt sich den Kameras und redet mit den Journalisten - auf dem Bild bleibt er stumm, tonlos wird sein Erscheinen übertragen.

Der Weg zum Autor führt über eine Freitreppe in das Souterrain des Hauses. Schritt für Schritt schreiten die Clinton-Fans die Stufen hinab, dem Ex-Präsidenten entgegen, der da steht, flankiert von vier Damen, drei links, eine rechts.

Dann kann die Prozedur beginnen. Die erste Dame schlägt die richtige Seite auf, die zweite markiert die Seite mit dem Umschlag, die dritte legt es ihm signierfreundlich hin. Bill Clinton hält den blauen Stift fest in der linken Hand, deren Handgelenk mit einem ledernden Sehnenschutz umschlossen ist. Er setzt seinen Namenszug auf die weiße Seite, schwungvoll betont er die I-Punkte, klappt das Buch zu und gibt es zurück. Das geht alles sehr schnell. Drei, vier Sekunden, mehr ist nicht drin.

Schon in den USA ein Renner: Clintons Autobiographie "Mein Leben"
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Schon in den USA ein Renner: Clintons Autobiographie "Mein Leben"

Und doch schafft Clinton auch hier, im eher kühlen Ambiente des Kaufhauses in Berlins Mitte, was ihm in den USA als seine größte Gabe nachgesagt wird: den Menschen den Eindruck zu vermitteln, in diesen wenigen Sekunden gehe es nur um sie.

Sein Blick strahlt jeden direkt an, sein Mund formt jedes Mal ein freundliches und warmes "Hello!" und seine Augen mustern den Gegenüber gleichzeitig flüchtig und intensiv. Eine junge Familie tritt geschlossen auf und reicht dem ehemaligen Staatsoberhaupt ihr Baby. Die Eltern wollen das signierte Buch ihrem Kind zum 18. Geburtstag schenken.

Eine ältere Frau in Beige erscheint. Clinton, braun gebrannt, lächelt, seine weißen Zähne blinken. Die Frau tritt ein wenig zurück, verneigt sich mit einem kleinen, aber feinen Hofknicks. Und geht dann hinaus, das Buch in den Händen, fast ein wenig ehrfürchtig.



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