»Merkelchen«-Bemerkung Ramelow hat sich persönlich bei der Kanzlerin entschuldigt

Bodo Ramelow hat für seinen Auftritt beim Social-Media-Dienst Clubhouse viel Kritik geerntet. Nun zeigt sich Thüringens Ministerpräsident reumütig: Die Kanzlerin als »Merkelchen« zu bezeichnen, sei dumm gewesen.
Bodo Ramelow: Thüringens Ministerpräsident hat sich gegen den Vorwurf verteidigt, bei Corona-Konferenzen unaufmerksam zu sein

Bodo Ramelow: Thüringens Ministerpräsident hat sich gegen den Vorwurf verteidigt, bei Corona-Konferenzen unaufmerksam zu sein

Foto: Bodo Schackow / dpa

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat mit seinem Auftritt beim Social-Media-Dienst Clubhouse am vergangenen Wochenende einen Eklat ausgelöst. In die Kritik geraten war der Linkenpolitiker unter anderem, weil er die Kanzlerin in dem sozialen Netzwerk als »Merkelchen« bezeichnet hatte. Nun zeigt er sich reumütig.

»Ich bereue diese Formulierung sehr«, sagte Ramelow der Wochenzeitung »Die Zeit«. »Ich hätte von Ramelowchen oder Söderchen oder Kretschmännchen sprechen sollen. Stattdessen habe ich von einer Frau gesprochen. Das war dumm und wirkte despektierlich. Dadurch habe ich männliches Machtgehabe an den Tag gelegt, ohne es zu merken.« Er habe Angela Merkel nicht angreifen und sie nicht herabsetzen wollen, »aber ich habe es getan. Ich habe mich bei der Bundeskanzlerin inzwischen persönlich entschuldigt.«

Gleichzeitig hat sich Ramelow gegen den Vorwurf verteidigt, in den Ministerpräsidentenkonferenzen (MPK) unaufmerksam zu sein. »Da wird in einigen Medien das Bild erzeugt, ich würde auf der MPK nicht zuhören, säße nur da und zockte. Als wäre ich verantwortungs- und empathielos und würde mich um die Toten nicht scheren«, sagte Ramelow in dem Interview mit der »Zeit«. Das Gegenteil sei der Fall. »Corona bereitet mir schlaflose Nächte.«

Ramelow nahm damit erstmals ausführlich öffentlich Stellung zum Eklat. Am vergangenen Wochenende hatte er bei Clubhouse auch berichtet , in der MPK zuweilen »Candy Crush« auf dem Handy zu spielen. »Ich kann die Empörung verstehen, wenn man nur die veröffentlichte Meinung der vergangenen Tage betrachtet«, sagte Ramelow.

»Andere rauchen eine Zigarette oder laufen über den Gang«

Bodo Ramelow

Auf die Frage, ob er als Regierungschef nicht jeden Moment in einer solchen Sitzung bei der Sache sein müsste, erwiderte Ramelow: »Wenn wir als Ministerpräsidenten über zehn Stunden mit der Kanzlerin zusammensitzen, wechseln sich Phasen höchster Anspannung ab mit Phasen, in denen man kurz Zerstreuung sucht.« Es gebe immer wieder längere Unterbrechungen. Das seien Momente, »in denen manche Kollegen die Post machen. Andere rauchen eine Zigarette oder laufen über den Gang. Ich spiele auf dem Handy. Und bin da bestimmt nicht der Einzige.« Hellwach müsse man sein, wenn Beschlüsse gefällt oder etwa Textpassagen bearbeitet würden.

Der Linkenpolitiker wehrte sich im Interview auch gegen die Behauptung, er habe sich von der intimen Atmosphäre bei Clubhouse zu seinen Aussagen verleiten lassen: »Es entsteht eine Atmosphäre der Vertrautheit, ja, und die ist verführerisch. Aber ich bin nirgends hineingetappt. Mich hat das gerade begeistert! Da waren viele junge Menschen. Manuela Schwesig war ja auch dabei. Ich habe zu keiner Sekunde vergessen, dass das öffentlich ist.« Reue empfindet Ramelow trotz seines missglückten Auftritts nicht: »Ich bin für diese App nun beides: Werbe- und Warnschild. Die Nutzungskompetenz wird künftig in der Einheit Ramelow gemessen. Der Freitagabend war ein Null-Ramelow. Aber ich wollte eben diesen Versuch wahrnehmen, unter Leute zu kommen«, so der Ministerpräsident.

asc