Frühere Sekte in Chile Chilenische Opfer der Colonia Dignidad fordern Hilfe von Deutschland

Jahrelang wurden Menschen in der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile gequält. Auf finanzielle Entschädigung warten sie bis heute. Nun erhoffen sich mehrere Missbrauchsopfer Unterstützung von Heiko Maas.
Gebäude auf dem Gelände der einstigen Colonia Dignidad

Gebäude auf dem Gelände der einstigen Colonia Dignidad

Foto: Mario Ruiz/ dpa

Die deutsche Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile war ein Schauplatz für Folter und Missbrauch. Opfer der Sekte sollen eigentlich finanziell entschädigt werden. Doch auch mehr als zehn Jahre nach dem Tod des deutschen Sektenführers Paul Schäfer warten die chilenischen Opfer auf das Geld. Einige von ihnen fordern nun Hilfe von der Bundesregierung.

Acht Männer, die in den Neunzigerjahren von Schäfer sexuell missbraucht wurden, haben sich mit einem Brandbrief an die Bundesregierung gewandt. Darin fordern sie Außenminister Heiko Maas (SPD) dazu auf, sich bei der chilenischen Regierung und den Firmen der heutigen Villa Baviera auf dem Gelände der früheren Sektensiedlung für die überfällige Auszahlung der Entschädigung einzusetzen.

Chiles Oberster Gerichtshof hatte den Opfern Entschädigungszahlungen in Höhe von umgerechnet rund 1,25 Millionen Euro zugesprochen. »Diese Zahlungen wurden bis zum heutigen Tage nicht beglichen«, heißt es in dem Schreiben an das Auswärtige Amt. Die Zahlungen sollten von Unternehmen der Villa Baviera geleistet werden, dafür wurden beschlagnahmte Vermögenswerte der Firmen wieder freigegeben. Allerdings legten die Unternehmen immer wieder Rechtsmittel ein, um die Zahlungen zu verzögern.

Deutschland hat bereits Hilfszahlungen in Höhe von 7000 Euro an deutsche und chilenische Opfer der Colonia Dignidad geleistet. Die gerichtlich angeordneten Entschädigungszahlungen an die Chilenen, die als Kinder zur medizinischen Behandlung in die Colonia Dignidad kamen und dort missbraucht wurden, sind allerdings bis heute nicht geflossen. »Die Bundesrepublik tut bislang nicht, was sie tun müsste«, sagt der Opferanwalt Hernán Fernandez in einer Dokumentation der ARD. »Deutschland schuldet es den Opfern, dass diese entschädigt werden.«

Der Laienprediger Paul Schäfer war mit seinen Anhängern Anfang der Sechzigerjahre von Deutschland nach Chile gezogen und hatte am Fuße der Anden die Colonia Dignidad (Kolonie der Würde) gegründet. Jahrzehntelang ließ er die Sektenmitglieder dort ohne Lohn arbeiten, riss Familien auseinander und missbrauchte Kinder. Während der Militärdiktatur unter General Augusto Pinochet wurden auf dem riesigen Areal zudem Regimegegner gefoltert und ermordet.

asc/dpa
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