Comeback des Finanzministers Schäuble will nächste Woche zurückkehren

Die Spekulationen um Wolfgang Schäuble haben ein Ende: Nach einem Monat im Krankenhaus ist der Finanzminister offenbar wieder fit für den harten Politikalltag. In der kommenden Woche will Angela Merkels wichtigster Mann im Kabinett wieder Termine wahrnehmen.

Finanzminister Schäuble: Ende der Spekulationen
dapd

Finanzminister Schäuble: Ende der Spekulationen

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Berlin - Thomas de Maizière könnte den Job auf jeden Fall. Aber dann braucht Angela Merkel einen neuen Innenminister. Ruft sie deswegen vielleicht doch Roland Koch zurück? Oder übernimmt einfach Staatssekretär Steffen Kampeter?

Die Berliner Politikmaschine ist gnadenlos. Wolfgang Schäuble, 68, hatte sich Ende September kaum ins Krankenhaus verabschiedet, da gingen die Spekulationen schon wieder los: Wer steht als Nachfolger des Bundesfinanzministers bereit? Nicht zum ersten Mal stellte sich diese Frage. Schließlich hatte Schäuble seit Jahresanfang mehrere krankheitsbedingte Auszeiten nehmen müssen. Und diesmal schien es wirklich um alles zu gehen: Von einer letzten, selbst gesetzten Schonfrist war die Rede.

Die Frage nach dem Nachfolger wird wohl auch diesmal unbeantwortet bleiben. Denn es sieht ganz danach aus, dass Wolfgang Schäuble in der kommenden Woche ins politische Tagesgeschäft zurückkehren wird. Im Kanzleramt und in der Fraktionsspitze der Union rechnet man nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen fest mit dem raschen Comeback des Ministers. Parteifreunde, die kürzlich mit Schäuble gesprochen haben, erzählen von einem gut erholten Minister, der längst wieder zum Spaßen und Streiten aufgelegt ist.

Möglicherweise, so ist zu hören, nimmt Schäuble sogar schon am Wochenende an einem Spitzentreffen der Koalition zur Ökosteuer teil. Weitere geplante Termine waren kürzlich bereits aus dem Finanzministerium verlautet: So will Schäuble nach Bern fliegen, um gemeinsam mit seinem Schweizer Kollegen Hans-Rudolf Merz das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen beiden Ländern zu unterzeichnen. Weil Merz am Donnerstag sein Amt abgibt, müsste Schäuble bis zu diesem Tag zum Eidgenossen reisen. Am Freitag soll er dann vor der Industrie- und Handelskammer in Heilbronn sprechen. Thema: "Deutschland nach der Krise - eine Standortbestimmung".

Es wird auch eine Standortbestimmung für den Minister nach der Krise, nach der gesundheitlichen Krise. Alle werden genau hinschauen, ihn beobachten: Wirkt er fit oder ausgemergelt? Geistig wach oder müde? Jede noch so kleine Geste wird gedeutet werden.

Zurück aus der "Horizontalen"

Vor gut einem Monat hatte Schäuble sich in die "Horizontale" begeben, wie er seinerzeit vor der Unionsfraktion ankündigte. In der Klinik wollte er endlich die Wunde vollständig ausheilen lassen, die ihn seit einer Operation am Gesäß plagte. Beim querschnittsgelähmten Schäuble war im Frühjahr ein altes Implantat ersetzt worden, dass die Darmfunktion reguliert. Nach der OP machte Schäuble sich wohl zu früh wieder an die Arbeit - das lange Sitzen im Rollstuhl beeinträchtigte den Heilungsprozess.

Das soll nun nicht wieder passieren. Es darf nicht wieder passieren, Schäuble ist das bewusst. "Wenn ich nach vier Wochen merke, es geht nicht mehr, ziehe ich die Konsequenzen. Davon hält mich niemand ab", soll der CDU-Politiker zu Vertrauten gesagt haben, so berichtete es der "Stern" jüngst. Auch von einem angeblichen Rücktrittsangebot Schäubles an die Kanzlerin war in dem Artikel die Rede. Das ließ Schäuble zwar dementieren. Doch der Autor pflegt ein besonderes Vertrauensverhältnis zum Minister - er wird sich die Sätze nicht zusammengereimt haben.

Angela Merkel jedenfalls wollte von Rücktritt nichts wissen. Schäuble gehört zu den wichtigsten Stützen des Kabinetts, trotz des neuerlichen Ausfalls gab sie ihrem Finanzminister volle Rückendeckung. Allerdings verbunden mit der gut gemeinten Mahnung, sich diesmal völlig auszukurieren.

Sie weiß, mit jedem Krankheitstag wird in der Koalition lauter darüber getuschelt, ob ein angeschlagener Schäuble sein Amt noch angemessen ausüben kann. Ein Finanzminister, der sich auf den wichtigsten internationalen Krisenkonferenzen immer wieder vertreten lassen muss, ist für Deutschland nicht tragbar.

"Es geht voran"

Gerade ersetzt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle Schäuble beim G-20-Treffen der Finanzminister in Südkorea. Auch Innenminister de Maizière musste in der Vergangenheit schon einspringen, genau wie Staatssekretär Jörg Asmussen, was viele in Union und FDP besonders wurmte. Schließlich ist Asmussen SPD-Mann.

Zur Beruhigung der Spekulationen verbreitete das Finanzministerium in seinen zwischenzeitlichen ärztlichen Bulletins stets Zuversicht. "Es geht gut voran", berichtete Schäubles Sprecher Michael Offer vor einigen Tagen. Steffen Kampeter, Parlamentarischer Staatssekretär, verkündete: "Wer den Eindruck erweckt, der Minister sei amtsmüde, redet schlichtweg Quatsch."

Seine Amtsgeschäfte führte Schäuble vom Krankenbett aus, mal auf der linken Seite, mal auf der rechten liegend. Alle drei Stunden, so war zu hören, musste er seine Position wechseln, um die Wunde heilen zu lassen und neue Druckstellen zu vermeiden. Den Kontakt in die Regierungszentrale hielt der Patient meist über Kanzleramtschef Ronald Pofalla, auch die Kanzlerin rief mal an oder schrieb SMS. Über eine notwendige Kabinettsumbildung spricht niemand mehr. Der Rückkehr steht offenbar nichts mehr im Wege.

Die Bürger haben Wolfgang Schäuble jedenfalls nicht vergessen. Im ARD-"Deutschlandtrend" war er zuletzt der zweitbeliebteste Politiker, und in der aktuellen Liste des ZDF-"Politbarometers" liegt er noch vor der Kanzlerin auf Platz vier. Im Vergleich zum September legte er bei den Sympathiewerten sogar noch zu - trotz Abwesenheit.

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
paretooptimal 22.10.2010
1. Wozu ...
will Schäuble sich das antun? Auch er ist anscheinend gut zu ersetzen, wie es sich zeigt. Leider hat die Kanzlerin aber beim Stabilitätspakt einen mächtigen Bock geschossen. Ob Schäuble das verhindert hätte?
Interessierter0815 22.10.2010
2. .
Zitat von sysopDie Spekulationen um Wolfgang Schäuble haben ein Ende: Nach einem Monat im Krankenhaus ist der Finanzminister offenbar wieder fit für den harten Politikalltag. In der kommenden Woche will Angela Merkels wichtigster Mann im Kabinett wieder Termine wahrnehmen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,724625,00.html
Wenn wir das doch blos über den FINANZTERROR sagen könnten....
Olias, 22.10.2010
3. Schäuble wurde mal vor Jahren gefragt,...
... warum er sich den Politikbetrieb überhaupt noch antut. "Was soll ich denn sonst machen?", antwortete er. Inzwischen ist er 68. Ich weiß ja nicht, was ich in dem Alter machen werde, würde mich aber als 'armes Schweinderl' bezeichnen, könnte ich davon nicht loslassen. Die Gestaltung des Herbstes meines Lebens stelle ich mir anders vor, als von Sitzung zu Sitzung zu eilen und mich den Seltsamkeiten der Mehrheit meiner Politkollegen auszusetzen. Der Mann kann nicht loslassen und das macht ihn höchst ungemütlich und vor allem unberechenbar. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, daß hierzulande Bürgerrechte beerdigt werden. Ich würde es begrüßen, wenn er endlich abträte. Warum nicht Solms den Job machen lassen (abgesehen vom Übel FDP), de Maiziere traue ich das jedenfalls im Verhältnis wegen fehlender Sachkunde nicht zu. Es ist überhaupt höchst unangenehm, wenn die Geschicke des Landes in den Händen rechtskonservativer Beharrungskräfte liegen.
elwu, 22.10.2010
4. Jetzt habe ich
gelesen 'Schäuble will nächste Woche zurückreten' und wollte schon einen guten Wein aufmachen vor Freude. Dann sah ich meinen Irrtum. Jetzt muss ich halt zu billigem Fusel als Tröster greifen.
[Torpor] 22.10.2010
5. der letzte satz
irgendwie liess mich der letzte satz des artikels schmunzeln langsam müsste die bundestagsbesatzung ja mal merken, das beliebtheit durch abwesenheit erreicht wird die logische schlussfolgerung wäre massenrücktritt dann brauchste aber n richtig guten tropfen elwu ;)
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