Unterstützung für ärmere Länder Entwicklungsminister Müller kritisiert Ergebnisse auf Klimagipfel

Von der Klimakonferenz in Glasgow wurden diese Woche erste Erfolge gemeldet. Zu wenig, sagt Entwicklungsminister Gerd Müller. Vor allem mit Blick auf Entwicklungsländer bestehe Handlungsbedarf.
Bundesminister Müller: »Die Entwicklungsländer und der afrikanische Kontinent dürfen nicht die Verlierer des Klimawandels sein.«

Bundesminister Müller: »Die Entwicklungsländer und der afrikanische Kontinent dürfen nicht die Verlierer des Klimawandels sein.«

Foto: Britta Pedersen/ DPA

Es muss viel passieren auf der Klimakonferenz in Glasgow, das stand bereits vorher fest. Und selbst einige kritische Beobachter feierten in dieser Woche einzelne Beschlüsse, etwa den zur Methanreduzierung oder zur Finanzierung von ärmeren Ländern.

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Deutschlands Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) reicht das nicht, er hält die bisherigen Verhandlungsergebnisse für unzureichend. »Die sich abzeichnenden Beschlüsse reichen nicht aus, das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen«, sagte Müller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). »Auch die Unterstützungsangebote für die Entwicklungsländer, selbst wenn sie voll umgesetzt werden, sind absolut unzureichend zur Anpassung an den bereits stattfindenden Klimawandel.«

Damit spielt der Müller auf ein Verhandlungspunkt an, bei dem es darum geht, dass ärmere Länder finanzielle Hilfe erhalten sollen, um Klimaschutzmaßnahmen umsetzen zu können – dazu hatten sich die Industriestaaten bereits 2009 verpflichtet. Bei dem Vorhaben bestand bisher aber eine Finanzierungslücke. Doch diese Woche haben mehrere Länder wie Japan, Dänemark oder Norwegen weitere Klimahilfen versprochen. Damit würde wahrscheinlich im nächsten Jahr der versprochene Betrag von jährlich 100 Milliarden Dollar erreicht.

Laut Müller sei aber ein Klimalastenausgleich von Reich zu Arm notwendig. Die Anhebung des 100 Milliarden-Dollar-Ziels für die internationale Klimafinanzierung auf 150 Milliarden sei ebenso notwendig wie eine private Investitionsoffensive mit Anreizen und Absicherungen für grünes Wachstum und Energiekonzepte in den Entwicklungsländern. »Diese Länder benötigen jetzt grüne Finanzströme in Infrastruktur, Industrialisierung und Klimaanpassung«, so Müller.

»Die Entwicklungsländer und der afrikanische Kontinent dürfen nicht die Verlierer des Klimawandels sein«, sagte Müller. Während die Industrie- und Schwellenländer historisch und aktuell die Hauptemittenten von CO₂ seien, trügen die Entwicklungsländer und besonders Afrika die Hauptlast der Erderwärmung und ihrer Konsequenzen. Hier hätten bereits Millionen Menschen durch den Klimawandel ihre Lebensgrundlagen verloren.

Bundesumweltministerin Schulze hält das 1,5-Grad-Ziel indes immer noch für erreichbar. Zwar könne kein einzelnes Land garantieren, dass die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt wird, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). »Manchmal kann kommt es einem fast unmöglich vor, aber es gibt auch Gründe zur Hoffnung.«

»So viel, wie sich in den letzten Jahren beim Thema Klimaschutz bewegt hat, können wir es schaffen, die 1,5 Grad in Reichweite zu halten«, erläuterte die SPD-Politikerin. Es komme darauf an, dass die USA ihre Versprechen einhielten und China sich mehr zutraue als bisher zugesagt. »Klar ist aber: Der diplomatische Einsatz wird auch nach Glasgow weitergehen müssen«, sagte Schulze.

Alle Artikel zum Uno-Klimagipfel

Anfang November trifft sich die Staatengemeinschaft im schottischen Glasgow zur 26. Uno-Klimakonferenz, der COP26. Auf dem zweiwöchigen Treffen geht es darum, die Ziele der Länder zu erhöhen und gemeinsame Regeln für den Kampf gegen die Klimakrise zu definieren. Lesen Sie hier alle Artikel zum Gipfel.

Die COP26 läuft bis zum 12. November. Vertreter von 197 Nationen verhandeln in Glasgow über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015. Das Abkommen sieht die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, idealerweise 1,5 Grad, im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vor. Experten und die Uno warnen aber, dass die Erde derzeit auf eine Erwärmung von 2,7 Grad in diesem Jahrhundert zusteuert.

Neben den Versprechen zur Finanzierung der ärmeren Länder hatte auch die Ankündigung von Inden für Hoffnung gesorgt. Der drittgrößte CO₂-Emittent will laut dem indischen Präsidenten Nadrendra Modi bis 2030 die Hälfte seiner Elektrizität aus erneuerbaren Quellen gewinnen und bis zum Jahr 2070 gänzlich klimaneutral wirtschaften. Am Dienstag verkündeten fast hundert Länder, darunter die USA und die der Europäischen Union, dass man eine Reduzierung des klimaschädlichen Gases Methan beschlossen habe. Die Initiative will den Ausstoß des Treibhausgases bis 2030 um 30 Prozent im Vergleich zum Niveau von 2020 senken. Zudem verpflichteten sich am Donnerstag viele Länder zum ausstieg aus der Kohlekraft.

joe/dpa
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