Trotz Impfstoffen Merkel rechnet mit harter zweiter Welle im Winter

Angela Merkel hat die Erwartung gedämpft, dass durch die schnelle Entwicklung von Impfstoffen die Coronakrise bald vorbei sei. Die Pandemie werde "uns noch den ganzen Winter beschäftigen", warnte die Kanzlerin.
Kanzlerin Merkel

Kanzlerin Merkel

Foto: Markus Schreiber / AFP

Trotz der Entwicklung von Impfstoffen gegen die Corona-Pandemie rechnet Kanzlerin Angela Merkel mit einem harten Winter. "Wir müssen davon ausgehen, dass die zweite Welle härter ist, und sie fällt vor allem in eine schlechte Jahreszeit", sagte sie bei der Übergabe des Gutachtens des Sachverständigenrats in Berlin. "Sie wird uns noch den ganzen Winter beschäftigen", fügte sie hinzu. Die Krise könne nur gemeinsam bewältigt werden.

Auch die positiven Nachrichten über die Impfstoffentwicklung würden daran nichts ändern und sich noch nicht im Winter niederschlagen. Deshalb müssten Corona-Vorsichtsmaßnahmen weiter gelten.

Nach jüngsten Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Mittwoch wurden innerhalb von 24 Stunden bundesweit 18.487 neue Corona-Infektionen gemeldet. Das sind 3155 Fälle mehr als am Dienstag. Im Vergleich zum Mittwoch vergangener Woche ist der Wert etwas höher.

Merkel pochte zudem darauf, an der Schuldenbremse im Grundgesetz festzuhalten, die Bund und Länder Vorgaben für die erlaubte Neuverschuldung macht. Die Schuldenbremse sei flexibel genug in der jetzigen Krise. Sie "muss auch Leitschnur für die zukünftigen Jahre bleiben", sagte sie zu Vorschlägen, die Vorgabe abzuschaffen. 

Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte, er hoffe, dass Deutschland um Weihnachten und den Jahreswechsel herum "in einer epidemiologisch besseren Situation" sei. "Und das geht nur mit Disziplin." Der CSU-Politiker warnte, man dürfe nicht nachlassen mit der Begründung, der Anstieg der Infektionszahlen sei nicht mehr so dynamisch. "Unterschätzen Sie nicht bei schweren Erkrankungen mit Covid-19, dass viele der schwer Erkrankten lebenslang Folgeschäden haben."

Dass derzeit immer mehr Kinder an den Schulen in Deutschland in Quarantäne müssten, sei der Entwicklung geschuldet, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Sie warb für eine positive Sichtweise. Man habe es geschafft, bis hierhin die Schulen offen zu halten. Stand heute sei zunächst einmal zu hoffen, dass sich die Infektionszahlen stabilisierten, sagte sie mit Blick auf die Frage, ob ein Schul-Lockdown bevorstehe.

als/dpa/Reuters