Coronapandemie Deutschland setzt Impfung mit AstraZeneca aus

Die Coronaimpfungen mit AstraZeneca sind in Deutschland fürs Erste ausgesetzt. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Auch Frankreich und Italien setzen Impfungen mit der Vakzine vorerst aus.
Packungen des Covid-19-Impfstoffs von AstraZeneca

Packungen des Covid-19-Impfstoffs von AstraZeneca

Foto: Gareth Fuller / AP

In Deutschland wird fürs Erste nicht mehr mit der Vakzine von AstraZeneca geimpft. Die Bundesregierung hat die Impfungen nach einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vorsorglich ausgesetzt. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Kurz darauf setzten auch Frankreich und Italien Impfungen mit der Vakzine aus. Das kündigten der französische Präsident Emmanuel Macron und die italienische Arzneimittelbehörde am Montag an. Am Abend zog auch Spanien nach. Nach Angaben der spanischen Gesundheitsministerin Carolina Darias sollen die Impfungen zunächst für zwei Wochen ausgesetzt werden.

Die Impfstopps fußen auf Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. In Deutschland hatte das Paul-Ehrlich-Institut weitere Untersuchungen für notwendig erachtet, nachdem neue Fälle bekannt wurden. Die Europäische Arzneimittelbehörde (Ema) werde entscheiden, »ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken«.

Impfstopp von AstraZeneca in mehreren Ländern

Die AstraZeneca-Impfungen sind bereits in mehreren europäischen Ländern pausiert, darunter die Niederlande, Irland, Dänemark, Norwegen und Island. Österreich stoppte die Verwendung von bestimmten Chargen. Das Gesundheitsministerium hatte zunächst weiter impfen wollen.

Anlass der Stopps sind Berichte über Komplikationen nach den Impfungen, konkret ging es um die Bildung von Blutgerinnseln. Der Ema wurden bislang rund 30 Fälle von Gerinnungsstörungen nach einer AstraZeneca-Impfung gemeldet – und das bei bislang knapp fünf Millionen Geimpften. »Die Zahl der thrombembolischen Vorfälle bei geimpften Menschen ist nicht höher als die Zahl in der Gesamtbevölkerung«, schrieb die Ema in einem Statement .

Nach erster Prüfung gebe es keinen Hinweis auf einen ursächlichen Zusammenhang. »Der Nutzen des Impfstoffes überwiegt die Risiken, und der Impfstoff kann weiterhin verabreicht werden, während die Überprüfung der Gerinnungsstörungen weiterläuft«, so die Prüfungsexperten der Ema.

Lauterbach warnt vor Aussetzung

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht den Impfaussetzer kritisch. »Auf der Grundlage der vorliegenden Daten halte ich das für einen Fehler«, schrieb der Politiker auf Twitter . »Die Prüfung ohne Aussetzung der Impfung wäre wegen der Seltenheit der Komplikation besser gewesen. In der jetzt Fahrt aufnehmenden dritten Welle wären die Erstimpfungen mit dem AstraZeneca Impfstoff Lebensretter.«

Irritiert äußerte sich auch die SPD-Europapolitikerin Katarina Barley. »Die neueste Generation der Antibabypille hat als Nebenwirkung Thrombosen bei acht bis zwölf von 10.000 Frauen. Hat das bisher irgendwen gestört?«, fragte sie auf Twitter. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuvor von sieben berichteten Fällen von Thrombosen in Hirnvenen bei einer Gesamtzahl von mehr als 1,6 Millionen Impfungen mit AstraZeneca in Deutschland gesprochen.

»Herr Spahn muss seine erratische Kehrtwende erklären«, verlangte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer in Berlin. Dazu gehöre auch die Frage, warum die Entscheidung unmittelbar nach den Landtagswahlen vom Sonntag bekannt gegeben werde und ob dafür neue Daten vorlägen, erklärte Theurer weiter. Der FDP-Politiker wies darauf hin, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema die bislang bekannt gewordenen Fälle von Thrombosen als »statistisch völlig unauffällig« einstufe, und empfehle, den Impfstoff von AstraZeneca weiter zu nutzen.

Gefahrenlage unklar

Ob von der Vakzine Gefahr ausgeht, ist bislang unklar. In den Niederlanden wurde die Impfung als »Vorsichtsmaßnahme« pausiert, in Dänemark zeigte man sich hingegen besorgt über »höchst ungewöhnliche« Symptome bei einer Dänin, die nach einer Impfung verstorben war. Großbritannien hingegen impft weiter mit dem Wirkstoff.

In Italien waren zunächst einzelne Chargen nach ungeklärten Todesfällen im Zusammenhang mit der Impfung beschlagnahmt worden, am Montagnachmittag wurden die Impfungen mit AstraZeneca komplett ausgesetzt. Die Arzneimittelbehörde nennt den Schritt eine »vorsorgliche und vorübergehende Maßnahme«.

Frankreich will die Impfungen mit AstraZeneca zunächst nur bis Dienstag gegen Mittag aussetzen. Dann werde eine Entscheidung der europäischen Arzneimittelaufsicht Ema erwartet, so Präsident Macron. Er äußerte die Hoffnung, die Impfungen mit der Vakzine des britischen Herstellers »bald wieder aufnehmen« zu können.

mrc/dpa/AFP/Reuters