Omikron-Welle In kritischen Berufen sollen womöglich auch Infizierte arbeiten dürfen

Wegen der Omikron-Variante fürchten Experten Engpässe bei kritischer Infrastruktur. In der Bund-Länder-Runde wird diskutiert, ob in solchen Fällen symptomfreie Infizierte dennoch arbeiten dürfen.
Polizisten auf dem Weihnachtsmarkt in Essen

Polizisten auf dem Weihnachtsmarkt in Essen

Foto: Christopher Neundorf / Kirchner-Media / IMAGO

Bund und Länder fürchten einen massiven Anstieg der Corona-Neuinfektionen durch die Variante Omikron – und mit ihr möglicherweise Einschränkungen bei der kritischen Infrastruktur im Land. Nun beraten die Länderchefs in ihrer gemeinsamen Schalte mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) darüber, Quarantäneregeln für Infizierte teilweise aufzuheben. Das erfuhr der SPIEGEL von Teilnehmenden der Runde.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) stellte demnach in der Schalte zur Debatte, wie mit Erkrankten aus systemrelevanten Berufen umzugehen sei, die zwar positiv auf das Coronavirus getestet worden seien, allerdings weder Symptome aufwiesen noch sich krank fühlten. Um einen Zusammenbruch der kritischen Infrastruktur zu vermeiden, müsse darüber nachgedacht werden, sie arbeiten zu lassen, so Bouffier.

Für gewöhnlich müssen Infizierte nach einem positiven Test in häusliche Quarantäne, um keine anderen Menschen anzustecken. Die neue Omikron-Variante gilt zwar nicht als gefährlicher als die bisher vorherrschende Delta-Mutante, allerdings als deutlich ansteckender. Expertinnen und Experten fürchten einen erneuten Anstieg der Inzidenzen in nächster Zeit, die Krankenhäuser wären erneut belastet, an die häusliche Isolation gebundene Polizistinnen, Feuerwehrmänner und Pflegerinnen könnten zudem ausfallen.

»Darüber wird man nachdenken müssen«

In der Bund-Länder-Runde ist auch Charité-Chef Professor Heyo Kroemer zugeschaltet. Nach SPIEGEL-Informationen hält er Bouffiers Vorschlag, Ausnahmen bei der Quarantäne zuzulassen, für bedenkenswert. »Darüber wird man nachdenken müssen«, sagte Kroemer demnach. Eine mögliche Bedingung könnte laut dem Experten sein, dass zuvor 30 Prozent des betroffenen Betriebs ausgefallen sind und vor Ort FFP2-Masken getragen werden.

Seit dem Nachmittag beraten die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit Kanzler Scholz über mögliche neue Maßnahmen im Kampf gegen Corona. Die Länder drängen dabei auf einen raschen Fahrplan für eine Einführung der allgemeinen Impfpflicht, Unklarheit herrscht über die Einführung von Kontaktbeschränkungen noch vor Weihnachten.

Das Robert Koch-Institut hatte sich kurz vor der Schalte für »massive« Einschränkungen noch vor Weihnachten ausgesprochen, Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte bisher versprochen, es werde keinen Lockdown mehr vor Weihnachten geben.

mrc/cte/gud
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