Coronagipfel Bund und Länder öffnen Impfkampagne für Kinder ab zwölf

Mit dem Wegfall der Priorisierung im Juni sollen auch Kinder ab zwölf Jahren Corona-Impftermine bekommen können. Das haben Bund und Länder beschlossen. Zusätzliche Impfdosen wird es für die Altersgruppe aber nicht geben.
Schülerinnen in Göttingen (Archivfoto)

Schülerinnen in Göttingen (Archivfoto)

Foto: Christian Ender / Getty Images

Noch ist kein Coronaimpfstoff für Kinder ab zwölf zugelassen, doch das dürfte sich bald ändern: Eine entsprechende Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur Ema wird für die kommenden Tage erwartet, womöglich schon am Freitag.

Vor diesem Hintergrund haben Bund und Länder bei ihrem Impfgipfel vereinbart, dass sich Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren mit dem Ende der Impfpriorisierung – derzeit für den 7. Juni vorgesehen – auch um Impftermine bemühen können. Das geht aus dem Beschlusspapier zu dem Treffen hervor.

»Den Kindern tun wir das Allerbeste, wenn die gesamte Gesellschaft niedrige Inzidenzen hat«

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte bei einer Pressekonferenz nach der Videoschalte, bis Ende des Sommers sollten alle Menschen ab zwölf Jahren in Deutschland ein Impfangebot bekommen. Bisher sind die in Deutschland verfügbaren Coronaimpfstoffe nur für Menschen ab 16 oder 18 Jahren zugelassen.

Auf die Frage nach einer möglichen Priorisierung für Kinder und Jugendliche sagte Merkel, man helfe dieser Gruppe vor allem durch sinkende Inzidenzen. »Den Kindern tun wir das Allerbeste, wenn die gesamte Gesellschaft niedrige Inzidenzen hat.«

Mit der Entscheidung, die Impfkampagne weiter zu öffnen, wächst die Gruppe der potenziellen Impflinge um mehrere Millionen Personen. Zusätzlichen Impfstoff wird es aber nicht geben. Aufgrund dieser begrenzten Verfügbarkeit bedeute die Neuerung nicht, dass es für die Gruppe der Kinder und Jugendlichen kurzfristig Termine geben werde, heißt es in dem Beschluss von Bund und Ländern. Die Länder könnten allerdings darüber hinaus Angebote in Impfzentren oder spezifische Programme für diese Altersgruppe auflegen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller – derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz – warnte vor zu hohen Erwartungen. »Wir haben dafür keine zusätzlichen Impfstoffe«, sagte der SPD-Politiker. Es werde daher keine eigene Impfkampagne für Kinder und Jugendliche ab zwölf geben.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte das Ziel ausgegeben, allen Schülerinnen und Schülern ab zwölf bis zum Ende der Sommerferien ein Impfangebot zu machen. In dem Beschluss heißt es nun, ein sicherer Schulbetrieb werde gewährleistet – und zwar unabhängig davon, wie viele Schülerinnen und Schüler ein Impfangebot wahrnähmen.

Streit wegen Impfstoffmengen

Die Coronaimpfungen für Kinder sind wie für alle anderen Personen freiwillig. Sie ist weder für den Schulbesuch noch für Urlaube Voraussetzung. Die Entscheidung über eine Impfung liegt damit bei den Kindern, Eltern und Ärzten.

Bei dem Videogipfel gab es massive Kritik der Länderchefs an Spahn, weil die Länder davon ausgegangen waren, für Minderjährige werde es zusätzliche Impfstoffkontingente geben. Im Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vom 6. Mai hatte es geheißen, Länder, die durch entsprechende Konzepte Impfangebote für Kinder und Jugendliche sicherstellten, »erhalten vom Bund die hierfür erforderlichen Impfdosen für die Erst- und Zweitimpfungen zusätzlich«.​

Spahn wollte die Aussage allerdings so verstanden wissen, dass mit »zusätzlich« nicht mehr Impfstoff gemeint sei, sondern lediglich eine andere Verteilung. Demnach will der Gesundheitsminister die Impfungen für die 12- bis 18-Jährigen aus den ohnehin knappen Kontingenten der Haus- und Betriebsärzte bestreiten.

Merkel sagte bei der Pressekonferenz, über das Wort »zusätzlich« habe es Missverständnisse gegeben. Damit sei vonseiten des Bundes nicht gemeint gewesen, zusätzlich Impfstoff zu beschaffen. Es sei lediglich die Frage gewesen, ob man aus den ohnehin vorhandenen Kontingenten etwas nehme, um eine gesonderte Kinderimpfkampagne zu machen. Das ist nun dem Beschluss zufolge nicht der Fall.

Stiko-Empfehlung steht noch aus

In dem Beschluss heißt es zudem, die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut (RKI) werde zur Altersgruppe ab zwölf noch eine Empfehlung vorlegen. Das Gremium berät derzeit darüber, wie es sich zu Coronaimpfungen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren stellen soll.

Mehrere Stiko-Mitglieder äußerten sich zuletzt sehr zurückhaltend über eine generelle Empfehlung für Coronaimpfungen bei Kindern ab zwölf. Womöglich wird es nur eine Impfempfehlung für Kinder mit Vorerkrankungen geben. »Die Impfung von Kindern ist ein sehr sensibler Akt«, sagte Merkel. Man müsse den Eingriff mit dem Nutzen abwägen, sagte die Kanzlerin. Das werde die Stiko tun.

cte/stw/ulz/AFP/dpa