2G plus und neue Quarantäneregeln Das planen Bund und Länder im Kampf gegen Omikron

Vor der Bund-Länder-Runde beraten Experten über Coronamaßnahmen im Kampf gegen Omikron. In einem ersten Entwurf schlagen sie eine flächendeckende 2G-plus-Regel für Restaurants vor – und eine Quarantäneverkürzung.
Bundeskanzler Olaf Scholz

Bundeskanzler Olaf Scholz

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Bund und Länder wollen am Freitag neue Maßnahmen im Kampf gegen die Omikron-Variante beschließen. Dem SPIEGEL liegt dazu ein erster Beschlussvorschlag aus SPD-Kreisen vor. Demnach sollen Geimpfte und Genesene spätestens ab dem 15. Januar nur noch mit einem aktuellen negativen Testergebnis Zugang zur Gastronomie haben. Kontaktbeschränkungen auf zehn Personen bleiben bestehen, Klubs und Diskotheken bleiben geschlossen.

Gegenstand des Beschlusses ist auch eine zwischen Bundeskanzleramt, Nordrhein-Westfalen, Berlin, sowie dem Bundesgesundheitsministerium und dem Robert Koch-Institut abgestimmte Regel zur Quarantäneverkürzung.

Anders als auf Empfehlung der Gesundheitsministerkonferenz wird in dem Entwurf keine Unterscheidung zwischen Geimpften und Ungeimpften getroffen. Bei der gestrigen Konferenz hatte es Gerangel um das Thema gegeben: Bundesgesundheitsministerium und RKI hatten gemeinsam einen Vorschlag erarbeitet, den Karl Lauterbach (SPD) vorgestellt hatte. Auch die Ländergesundheitsminister legten einen Beschlussentwurf vor.

Bei Infektion oder Kontakt zu einem Infizierten sollen Betroffene nach dem neuen Entwurf nun für zehn – statt vorher 14 – Tage in Isolation beziehungsweise Quarantäne.

Nach sieben Tagen können sie daraus entlassen werden, wenn sie einen negativen PCR- oder hochwertigen Antigentest vorlegen. Personal in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe darf nach fünf Tagen mit obligatorischer PCR-Testung aus Quarantäne oder Isolation entlassen werden, wenn die Betroffenen zuvor 48 Stunden symptomfrei waren. Kinder dürfen ebenfalls nach fünf Tagen mit negativem Test aus der Quarantäne entlassen werden, bei der Isolation gelten für sie die gleichen Regeln wie für Erwachsene.

Geboosterte müssen nach dem Kontakt zu einer infizierten Person nicht in Quarantäne. Mit ihnen werden in dem Entwurf in Hinblick auf die Quarantäne von Kontaktpersonen folgende Gruppen gleichgestellt:

  • »geimpfte Genesene« (etwa Geimpfte mit einer Durchbruchsinfektion oder Genesene, die eine Impfung im Anschluss an die Erkrankung erhalten haben),

  • »frisch« doppelt Geimpfte, wenn die zweite Schutzimpfung weniger als drei Monate zurückliegt,

  • Genesene, wenn die Erkrankung weniger als drei Monate her ist.

In dem Entschluss steht abschließend: »Es handelt sich bei allen Maßnahmen um die Vereinbarung bundesweit einheitlicher Mindeststandards, weitergehende Maßnahmen in den Ländern bleiben möglich.« Die Länder verweisen außerdem explizit auf die Empfehlung des Expertenrats.

Dieser hatte an diesem Tag bereits zum zweiten Mal in dieser Woche getagt und seine Einschätzung von vor Weihnachten bekräftigt: Demnach gelte es jetzt, Vorkehrungen dafür zu treffen, dass die kritische Infrastruktur nicht überlastet werde.

Der Expertenrat hielt in seiner Stellungnahme fest, dass Studien aus den USA und Großbritannien auf mildere Verläufe bei einer Infektion mit der Omikron-Variante hindeuteten.

Expertenrat sieht hohe Belastung auf Kliniken zukommen

»Die starke Infektionsdynamik und die damit verbundene hohe Zahl von parallel auftretenden Erkrankungen droht jedoch den gegenüber der Delta-Variante gegebenen Vorteil der milderen Krankheitsverläufe quantitativ aufzuwiegen«, schreiben die Experten. Weil Deutschland aber eine vergleichsweise niedrige Impfquote hat, gibt der Expertenrat keine Entwarnung: »Alle medizinischen und pflegerischen Versorgungseinrichtungen müssen sich für die kommenden Wochen auf eine erhebliche Belastungssituation einstellen.«

Um der Situation zu begegnen, sei eine »ausgewogene Quarantäneregelung« und bei steigenden Infektionszahlen gegebenenfalls »eine weitere Intensivierung der Kontaktbeschränkungen« erforderlich.

cte/mfh