Trotz steigender Inzidenz Schulen öffnen – Giffey spricht von richtiger Entscheidung

In zehn Bundesländern machen die Schulen weiter auf, obwohl die Inzidenzwerte wieder steigen. Familienministerin Giffey verteidigt dies – und verlangt eine schnelle Impfung des Personals.
Familienministerin Giffey: »Im Sinne der Kinder und des Kindeswohls«

Familienministerin Giffey: »Im Sinne der Kinder und des Kindeswohls«

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Christoph Soeder/ picture alliance/dpa

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat die Rückkehr weiterer Kinder in die Schulen trotz wieder steigender Inzidenzwerte verteidigt. »Dass jetzt erste Öffnungsschritte erfolgen, ist richtig, auch im Sinne der Kinder und des Kindeswohls«, sagte Giffey im ZDF-»Morgenmagazin«.

Kitas und Grundschulen in insgesamt zehn Bundesländern haben an diesem Montag ein Stückchen weiter aufgemacht. Sachsen öffnete schon vor einer Woche. Niedersachsen unterrichtet Grundschüler bereits seit Januar wieder in der Schule.

Giffey sprach sich dabei aber für eine regionale Differenzierung aus – bei stark steigender Inzidenz »muss natürlich wieder geschlossen und zurückgefahren werden«. Die Familienministerin forderte, nun möglichst schnell das Personal in Schulen und Kitas zu impfen. Dies könne am besten mit mobilen Impfteams gelingen, die in die Schulen und Kitas gehen.

Forderungen, das komplette Schuljahr für alle Schüler zu wiederholen, wies die Bundesministerin zurück. Es sei natürlich vom Einzelfall abhängig, ob ein Kind den Jahrgang wiederholen sollte. »Dass jetzt alle das Schuljahr wiederholen müssen, sehe ich nicht.« Das Homeschooling funktioniere trotz aller Probleme »ganz gut«.

Viele Einrichtungen waren nie richtig geschlossen

Viele Einrichtungen waren auch in den vergangenen Wochen nie richtig geschlossen. In den Ländern gab es verschiedene Regelungen: Entweder alles zu, mit Angebot zur Notbetreuung – oder grundsätzlich geöffnet, aber mit Appell an die Eltern, die Kinder nicht zu bringen.

Das hat dazu geführt, dass mancherorts zumindest in Kitas nicht wirklich Lockdown war, und auch die Notbetreuung der Grundschulen wurde zum Teil gut genutzt. Abschlussklassen durften ebenfalls in den Schulen unterrichtet werden. Für sie hatten Bund und Länder eine Ausnahmeregel wegen der Prüfungsvorbereitung vereinbart. Diese gilt weiterhin.

Die meisten Fragezeichen bleiben nun für die Jahrgänge oberhalb der Grundschule und unterhalb der Abschlussklassen. Es ist offen, wann sie ihre Schulen wieder von innen sehen. Da die Corona-Zahlen inzwischen wieder steigen – was Experten auf neue, sich schneller verbreitende Virusvarianten zurückführen –, werden weitere Öffnungsschritte erst einmal unwahrscheinlicher.

Die Maßnahmen variieren teils von Landkreis zu Landkreis

Momentan sieht die Corona-Karte des Robert Koch-Instituts recht bunt gefärbt aus. Es gibt extrem niedrige Ansteckungszahlen in manchen Landkreisen, sehr hohe dagegen in anderen. Selbst innerhalb der Bundesländer sind die Unterschiede groß.

Da die Länder Kita- und Schulöffnungen auch an regionale Ansteckungszahlen (Inzidenzen) gekoppelt haben, bleiben die Einrichtungen nun in einigen Landkreisen und Städten weiterhin zu oder nur im eingeschränkten Betrieb, selbst wenn ein Land grundsätzlich Öffnungen angekündigt hat.

Einen »Flickenteppich« gibt es auch bei den Inzidenzregeln: In Bayern ist Präsenzunterricht bis zu einem Wert von 100 möglich, in Mecklenburg-Vorpommern bis 150, in Thüringen bis 200. Wie Grundschüler jetzt in der Schule unterrichtet werden, ist ebenfalls unterschiedlich geregelt. Entweder gibt es sogenannten Wechselbetrieb mit halben Klassen, die abwechselnd zur Schule kommen, oder auch Vollbetrieb mit festen Gruppen, die sich möglichst nicht begegnen sollen.

asa/dpa/AFP
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