Corona-Hotspot Büro Grüne fordern besseren Infektionsschutz am Arbeitsplatz und Homeoffice-Förderung

Büros sind nach Sicht der Grünenfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt »Risikogebiete« – die Regierung müsse Homeoffice-Verweigerer entsprechend belangen. Die SPD weist die Kritik zurück.

Die neuen Corona-Maßnahmen haben das öffentliche Leben weiter stark eingeschränkt. Deutsche dürfen aber weiterhin jeden Tag mit Bus und Bahn ins Büro fahren und dort Kolleginnen und Kollegen treffen – obwohl aus einer Erhebung  des Robert Koch-Instituts bereits im August hervorging, dass Büros nach Privatwohnungen und Pflegeheimen der dritthäufigste Ort von Massenausbrüchen sind. In den bis Ende Januar geltenden Shutdown-Regeln spielt der Arbeitsplatz jedoch nur eine untergeordnete Rolle.

Die Grünen drängen nun auf mehr Infektionsschutz in Büros und werfen der Bundesregierung vor, nicht genug für die Förderung des Homeoffice zu tun. »Vor allem Großraumbüros sind Risikogebiete«, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) müsse deshalb »ein deutliches Signal an uneinsichtige Arbeitgeber« senden. Die bisherige »halbherzige Bitte« der Bundesregierung an die Arbeitgeber, Homeoffice zu ermöglichen, reiche nicht aus.

Unternehmen, die ihren Mitarbeitern das Arbeiten daheim ohne dringenden Grund verweigerten, verletzten die Fürsorgepflicht und den Arbeitsschutz und riskierten ein Bußgeld. »Es ist brandgefährlich, dass die Bundesregierung sich nicht traut, mehr zur Verhinderung von Infektionen am Arbeitsplatz zu unternehmen«, sagte Göring-Eckardt. Es dürfe nicht den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern überlassen werden, sich das Recht auf die Arbeit von zu Hause aus »mühsam zu erkämpfen«.

Nichts »Romantisches« am Homeoffice

Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Katja Mast wies die Kritik der Grünen zurück. Die SPD beziehe seit Beginn der Pandemie klar Stellung, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP: »Wir wollen schnellstmöglich ein Recht auf mobiles Arbeiten.« Aus dem grün geführten Baden-Württemberg hingegen gebe es dazu keinerlei Initiative. »Ich frage mich, ob die Grünen nicht richtig zuhören oder gedanklich noch in der Weihnachtspause sind«, kritisierte Mast die Äußerungen von Göring-Eckardt.

Gegenüber dem SPIEGEL bekräftigte Arbeitsminister Heil zudem das Vorhaben der SPD für ein Recht auf mobiles Arbeiten – und betonte die Schwierigkeiten in der Umsetzung. Viele hätten das Homeoffice im ersten Shutdown nicht als etwas Romantisches erlebt, sagt Heil, sondern als einen »ungeplanten Großversuch«. Hinzu komme, dass es gerade für viele Eltern schwierig sei, Arbeit und Kinderbetreuung zu Hause unter einen Hut zu bekommen.

Heil hatte im vergangenen Jahr einen Gesetzentwurf zum Recht auf Homeoffice vorgelegt, die Union lehnt dies aber bislang ab. »Es ist kein Geheimnis, dass ich schon vor Corona, aber besonders in der Pandemie, ein Recht auf Homeoffice schaffen wollte«, sagte der Arbeitsminister. »Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass das mit der Union nicht möglich ist. Die ideologischen Blockaden bei CDU und CSU sind zu groß.« Mit dem geplanten Gesetz für mobiles Arbeiten, das gerade in der Ressortabstimmung ist, will Heil den Beschäftigten zumindest »rechtlich den Rücken« stärken: durch einen verbindlichen Anspruch auf eine Heimarbeits-Vereinbarung und eine Klausel, die die Trennung von Arbeits- und Privatleben gewährleiste.

mrc/cte/AFP