Nach Corona-Impfgipfel Merkel hält an Impfversprechen fest

Die Auslieferung ruckelt, die Terminvergabe ist chaotisch: Nach dem Impfgipfel kündigt Kanzlerin Merkel einen nationalen Impfplan an, erklärt Verspätungen – und bekräftigt eine Zusage für Impfangebote bis Ende des Sommers.
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Pressekonferenz nach Ende des Impfgipfels

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Pressekonferenz nach Ende des Impfgipfels

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Die Lieferung von Impfstoffen gegen das Coronavirus in Deutschland stockt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nun nach Abschluss des Impfgipfels mit den Bundesländern und Vertretern der Pharmaindustrie zugesichert, dass die Engpässe rasch behoben werden.

»Wir haben Berechenbarkeit für die Lieferungen für die verschiedenen Quartale dieses Jahres«, sagte Merkel. Es sei demnach weiterhin möglich, allen Menschen in Deutschland bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot zu machen. Dieses Ziel hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor gut einem Monat als Versprechen herausgegeben. Wegen der Impfstoffknappheit waren daran Zweifel aufgekommen.

Merkel kündigte zudem einen nationalen Impfplan an, mit dem die Liefertermine künftig besser erfasst und verwaltet werden sollen. Auch die Impfangebote an die Bürgerinnen und Bürger sollen so verlässlich herausgegeben werden können. Der Plan soll vom Gesundheitsministerium mit den Bundesländern entwickelt werden, bis zur nächsten Videokonferenz von Bund und Ländern am 10. Februar. Zudem wolle man eine Plattform entwickeln, um die Produktion von Material wie Ampullen oder Spritzen zu unterstützen. Die Politik wolle unterstützen: »An Geld wird es da nicht fehlen«, sagte Merkel.

Der Impfgipfel war erstmals mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft einberufen worden, um Aufschluss darüber zu erhalten, wann mit wie viel Impfstoff zu rechnen ist und wie die Impfkampagne beschleunigt werden kann. Neben Fragen zur Entwicklung und Produktion von Impfstoffen ging es auch um die künftige Priorisierung und Verteilung der Vakzinen.

»Jede Woche ist wichtig«

Insgesamt zehn Unternehmen waren zu der Videoschalte geladen, unter anderem die Unternehmen Biontech, Pfizer, Curevac, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson. Neben den Herstellern sprachen auch Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Chemie- und Pharmaverbände. Zugeschaltet waren neben Merkel mehrere Bundesminister, die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission.

»Wir haben den Herstellern sehr deutlich klargemacht, dass jede Woche mehr, die sie uns Lieferungen voraussagen können, wichtig ist«, sagte Merkel nach Abschluss der Videokonferenz. Die Unternehmen wiederum hätten sich mehr Sensibilisierung für die Produktionsprozesse der Impfstoffe erbeten: Die Hersteller der Vakzine hätten kaum Erfahrung mit Produktionen in der aktuellen Größenordnung, Probleme könne es immer geben.

Merkel verteidigt langsamen Anlauf in der EU

Europa habe begrenzte Produktionskapazitäten, dies werde sich noch bis Ende März bemerkbar machen, sagte Merkel. Sie nannte Gründe, warum man im Vergleich, etwa mit Israel, schlechter dastehe. In der EU habe es keine Notzulassung gegeben, man habe sich entschieden, die zweite Impfung im von der Europäischen Arzneimittelbehörde Ema empfohlenen Intervall zu geben. Und die EU habe zum Teil lange verhandelt, auch wegen Haftungsfragen, damit nicht die ganze Haftung auf die politische Ebene zurückfalle und nichts auf die Hersteller.

Merkel erkannte an, dass die Impfungen hierzulande langsamer vorangehen als anderswo. »Deshalb ist der Weg an einigen Stellen langsamer gewesen, das ist richtig, aber ich finde, es gibt auch gute Gründe dafür, dass er langsamer war.« Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) warnte vor einer Impfstoffknappheit noch im ersten Quartal. Aber danach werde so viel Impfstoff zur Verfügung stehen, »dass es mit großen Schritten vorangeht«. »Es bleiben angespannte Wochen, die vor uns liegen, aber es werden auch entspannte Wochen dann auf uns zukommen«, so Müller.

Ausreichend Impfdosen in der »Minimalvariante«

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) versprach künftig mehr Planbarkeit: »Impfen führt bislang zu Verunsicherung, teilweise auch zu Enttäuschung.« Die Europäische Union habe dargestellt, dass aus ihrer Sicht alles im Plan gelaufen sei. »Die Wahrheit ist natürlich, dass viele Menschen erkennen, dass es große Unterschiede beim Impfen in Europa, im Vergleich zu anderen Regionen der Welt gibt«, so Söder.

Aktuell sind in der EU die Wirkstoffe von Biontech/Pfizer, von Moderna und von AstraZeneca zugelassen. Weitere Zulassungen werden für die Vakzine von Curevac und Johnson & Johnson bis zum drittel Quartal erwartet. Um alle Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland ein Impfangebot machen zu können, gäbe es laut Merkel eine »Minimalvariante« mit den bisher zugelassenen Stoffen – und ein »Maximalangebot« mit den weiteren Herstellern. Selbst wenn es bei der Minimalvariante bleiben sollte, gebe es genug Lieferzusagen, um das Impfangebot zu gewährleisten.

mrc/ulz
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