»Chaos rund um den Impfstart« SPD kritisiert Spahn wegen Lieferschwierigkeiten

Wegen Problemen bei der Lieferung des Corona-Impfstoffes macht SPD-Generalsekretär Klingbeil Jens Spahn Vorwürfe. Der Gesundheitsminister reagiert – die nächste Lieferung kommt schon kommende Woche.
Lars Klingbeil (SPD): »sehr ärgerlich«

Lars Klingbeil (SPD): »sehr ärgerlich«

Foto: Britta Pedersen / dpa

Die SPD wirft Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Versäumnisse beim Impfstart vor. »Das Chaos rund um den Impfstart finde ich sehr ärgerlich«, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil der »Rheinischen Post«. Spahn spreche von etwas föderalem Durcheinander und zeige mit dem Finger auf die Bundesländer. »Der Minister selbst hatte Monate Zeit, den geplanten Impfstart vorzubereiten. Hierzu hat er ausreichende Kompetenzen bekommen.«

Es sei die Aufgabe des Bundesgesundheitsministers, für eine reibungslose Organisation zu sorgen, sagte Klingbeil. »Wenn jetzt der Eindruck entsteht, der Staat habe diese Aufgabe nicht im Griff, steigert das nicht gerade das Vertrauen in das Impfen.«

Zuvor hatte auch die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci Spahn Vorwürfe gemacht. »Wir haben jetzt vom Bundesgesundheitsministerium die Nachricht bekommen, dass die Lieferung in der ersten Kalenderwoche ersatzlos ausfällt«, sagte Kalayci der Nachrichtenagentur dpa. Erst ab dem 11. Januar solle es weitergehen. Das Medienportal Business Insider berichtete  unter Berufung auf ein internes Papier, dass das für alle Bundesländer gelte.

»Wir können hier nicht alles vorbereiten und dann so eine Bremse bekommen«, sagte Kalayci. »Ich bin sauer. Die Knappheit des Impfstoffs bleibt ein Problem für den Impfstart in Deutschland.«

Spahn reagiert auf die Kritik – nächste Lieferung doch schon kommende Woche

Das Gesundheitsministerium reagierte am Nachmittag auf die Kritik. Man habe mit Biontech vereinbart, dass die nächste Impfstofflieferung von 670.000 Dosen – wie ursprünglich geplant – doch bereits am 8. Januar 2021 erfolgen wird.

Zuvor hatte Spahn um Geduld gebeten. Es werde alles dafür getan, schnellstmöglich so viel Impfstoff für Deutschland zur Verfügung zu haben wie möglich, sagte er am Mittwoch. Mit der generellen Knappheit zu Beginn müssten alle umgehen. Dafür könne man nur um Geduld bitten.

»Da würde ich mir vom Bund eine höhere Verlässlichkeit wünschen«

Bayerns Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek (CSU)

Auch Bayerns Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek (CSU) drängt bei den Lieferungen auf mehr Planbarkeit und Verlässlichkeit vom Bund. Wenn man in den Impfzentren Termine vergeben wolle, müsse man wissen, wann welcher Impfstoff in welcher Menge zur Verfügung stehe, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. »Da würde ich mir vom Bund eine höhere Verlässlichkeit wünschen.«

Sonst sei es relativ schwierig, den Menschen, die bei den Hotlines anrufen und fragen, Auskünfte zu geben. Für die Impfzentren in Bayern gibt es nach Worten Holetscheks schon mehr als 8000 Terminvormerkungen.

Zulassung des Impfstoffs von Moderna steht kurz bevor

Schon bald könnte zudem ein zweiter Impfstoff zugelassen werden. »Wir dürfen – Stand heute – für nächste Woche die Zulassung eines weiteren Impfstoffs erwarten – von Moderna«, kündigt Spahn an. Man sei im Gespräch mit Moderna, um zügig eine Belieferung sicherstellen zu können.

Beim Impfstoff der Universität Oxford und der Firma AstraZeneca erwarte er ebenfalls eine zügige und gründliche Prüfung, in dem Fall dauere es aber noch ein bisschen länger. Der Impfstoff von AstraZeneca war am Mittwoch in Großbritannien bereits zugelassen worden.

slü/dpa
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