Lieferengpässe bei Corona-Impfstoff Treffen von AstraZeneca und EU endet ohne Lösung

Das Krisengespräch zwischen der EU und AstraZeneca brachte kein Ergebnis. Der Grund für den Konflikt ist die Ankündigung des Pharmakonzerns, große Mengen Impfstoff voraussichtlich Wochen oder Monate später liefern zu können.
Der Firmensitz des Pharmaunternehmens AstraZenica in Macclesfield, England

Der Firmensitz des Pharmaunternehmens AstraZenica in Macclesfield, England

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

Die Europäische Union und der Pharmakonzern AstraZeneca streiten auf offener Bühne über den Corona-Impfstoff. Der Grund: Der Pharmakonzern soll große Mengen seines Mittels für Deutschland und andere EU-Länder voraussichtlich erst Wochen oder Monate später liefern können. Bei einem Krisengespräch der beiden Seiten am Mittwochabend konnte keine Lösung gefunden werden. »Wir bedauern den anhaltenden Mangel an Klarheit über den Lieferplan«, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in einem Tweet und fügte hinzu, dass die EU von AstraZeneca einen klaren Plan für die schnelle Lieferung der Impfstoffdosen verlange, die sie für das erste Quartal reserviert hatte. Sie lobte aber den konstruktiven Ton des Gesprächs mit Unternehmenschef Pascal Soriot, der sich persönlich zugeschaltet habe.

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Der Streit begann am Freitag mit der Ankündigung des britisch-schwedischen Herstellers, nach der für diese Woche erwarteten Zulassung des Impfstoffs weit weniger an die EU zu liefern als zugesagt. Von EU-Politikern wurden Zahlen genannt: Statt erwarteter 80 Millionen Impfdosen im ersten Quartal kämen nur 31 Millionen. Am Mittwoch deutete eine EU-Vertreterin an, dass die Dimension noch größer ist. Erwartet worden sei eine »dreistellige Zahl«, und geliefert werde davon nur ein Viertel.

Seit Tagen setzen die EU-Kommission und die 27 EU-Staaten das Unternehmen deshalb unter Druck. Die EU hat einen Rahmenvertrag über insgesamt 400 Millionen Impfdosen von AstraZeneca. Damit das Mittel schon bei Zulassung geliefert werden kann, wurden der Firma 336 Millionen Euro zur Aufstockung der Produktion zugesagt. Nach EU-Lesart hätte sie auf Halde produzieren müssen. Nun fragt die EU: Wo ist der Impfstoff? Als Grund nannte AstraZeneca-Chef Pascal Soriot, die EU habe ihren Vertrag später abgeschlossen als Großbritannien, wo das AstraZeneca-Mittel bereits genutzt wird (lesen Sie hier mehr dazu).

In Brüssel gibt es den Verdacht, Engpässe bei der Belieferung der Europäischen Union mit dem Impfstoff könnten darauf zurückzuführen sein, dass das Unternehmen Großbritannien und andere Nicht-EU-Länder mit ungekürzten Mengen des Impfstoffs beliefert. Der britische Premierminister Boris Johnson will sich auf diese Debatte nicht einlassen. Es handle sich um eine Angelegenheit zwischen der EU und AstraZeneca, sagte Johnson in London und fügte hinzu: »Wir sind sehr zuversichtlich, was unseren Nachschub und unsere Verträge betrifft.«

kim/dpa