Coronaimpfungen Spahn wird Biontech-Lieferungen einschränken

Bis Jahresende sollen Millionen Menschen eine Auffrischungsimpfung bekommen. Doch das Gesundheitsministerium schränkt die Auslieferung von Biontech ein. So soll verhindert werden, dass eingelagerter Moderna-Impfstoff verfällt.
Gesundheitsminister Jens Spahn

Gesundheitsminister Jens Spahn

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Das Bundesgesundheitsministerium wird die Bestellungen des Covid-Impfstoffes von Pfizer/Biontech ab kommender Woche einschränken. Dies geht aus einem Schreiben hervor, das dem SPIEGEL vorliegt. Hintergrund dafür ist, dass der bereits eingelagerte Impfstoff des US-Konzerns Moderna vermehrt zum Einsatz kommen soll.

Gesundheitsstaatssekretär Thomas Steffen begründet dies in einem Brief an die Bundesländer mit dem drohenden Verfall der eingelagerten Dosen des Moderna-Impfstoffes ab Mitte des ersten Quartals. Niedergelassene Ärzte sollten ab kommender Woche nur noch 30 Dosen Biontech-Impfstoff bekommen, Impfzentren 1020 Dosen. Die Vakzine von Moderna unterliege dagegen keiner Höchstgrenze.

»Dies geht völlig an der Realität vorbei und ist unverantwortlich«

In den Ländern stößt der Schritt auf Widerspruch. »Gestern haben die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten beschlossen, in einer gemeinsamen Kraftanstrengung möglichst vielen Menschen noch bis zum Jahresende eine Auffrischungsimpfung anzubieten«, sagte der Gesundheitsminister von Rheinland-Pfalz, Clemens Hoch, dem SPIEGEL. »Heute erreicht uns vom Bundesgesundheitsminister ohne Rücksprache mit den Ländern die Ansage, dass der Biontech-Impfstoff ab Dezember rationiert und vorranging ein anderer Impfstoff geliefert werde, damit der Bund seine Lager räumen könne. Dies geht völlig an der Realität vorbei und ist unverantwortlich«, so der SPD-Politiker weiter.

Die meisten Menschen in Rheinland-Pfalz seien mit Biontech geimpft worden und werden daher auch die Auffrischung mit diesem Impfstoff haben wollen. Gerade in Rheinland-Pfalz hätten die Menschen ein großes Vertrauen in die heimische Forschung und das regionale Produkt. Kritik äußerte Hoch auch an dem scheidenden Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). »Hier drängt sich der Eindruck auf, dass dem geschäftsführenden Minister reichlich gleichgültig ist, welche negativen Auswirkungen seine Entscheidung in der akut sehr schwierigen Infektionslage haben.«

Bis zu 27 Millionen Menschen sollen laut Hoch bis Jahresende eine Auffrischungsimpfung bekommen. Das sei eine immense logistische Herausforderung. »Sollte nicht genug Biontech durch den Bund geliefert werden, drohen viele Terminstornierungen und ein massiver Zeitverzug bei der anstehenden Impfkampagne«, so Hoch weiter. Zudem fürchtet der SPD-Politiker den Vertrauensverlust der Bürger.

Am Donnerstag haben Bund und Ländern in einer gemeinsamen Konferenz über das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Coronapandemie beraten. Die Runde der Länderchefinnen und Länderchefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beschloss unter anderem neue Richtwerte für die Einführung von 2G- und 2G-Plus-Regeln sowie eine partielle Impfpflicht.

Zudem soll die Impfkampagne wieder an Tempo gewinnen. Hausärztinnen und Betriebsärzte sollen verstärkt Boosterimpfungen anbieten, auch die Impfzentren werden reaktiviert und vom Bund bezuschusst. Geprüft werden soll, ob auch Nichtärzte künftig impfen dürfen.

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