Impfstofflieferungen für die EU Von der Leyen erwartet ab April 100 Millionen Dosen pro Monat

Bisher impft die EU deutlich langsamer als viele andere Länder, weil nicht genug Impfstoff da ist. Ab April soll es nun deutlich besser werden, verspricht Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: »Uns machen die Virusvarianten große Sorgen«

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: »Uns machen die Virusvarianten große Sorgen«

Foto: ARIS OIKONOMOU / AFP

Ab April werde die EU deutlich mehr Impfstoffdosen bekommen als bisher. Das stellt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Interview mit der Tageszeitung »Der Standard « in Aussicht.

Im Januar und Februar seien von den Herstellern 20 beziehungsweise 30 Millionen Impfdosen geliefert worden, sagte von der Leyen, im März sei von 50 Millionen Dosen auszugehen: »Ab April könnten sich die Mengen nach den Plänen der Hersteller noch mal verdoppeln. Das wären im zweiten Quartal im Schnitt rund 100 Millionen Dosen pro Monat, insgesamt 300 Millionen bis Ende Juni.«

Von der Leyen warnt aber gleichzeitig vor vorschnellem Optimismus: »Uns machen die Virusvarianten große Sorgen«, sagt sie. Jederzeit könne irgendwo »eine Mutation auftreten, die resistent ist gegen Impfstoffe, die wir heute haben«.

Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten arbeite man daher mit Hochdruck daran, den Produktionsoutput zu erhöhen, Impfstoffe weiterzuentwickeln und deren Zulassung zu beschleunigen. Für künftige Pandemien müsse man Produktionskapazitäten auf Vorrat haben.

EU hinkt deutlich hinter Großbritannien und USA zurück

Die EU impft derzeit weitaus langsamer als die USA, Großbritannien, Israel oder Chile. US-Präsident Joe Biden hat versprochen, bis Ende Mai genug Impfstoff für alle US-Amerikanerinnen und -Amerikaner bereitstellen zu können.

Fehleinschätzungen in der Coronakrise räumt von der Leyen offen ein. Man habe zwar »auf die richtigen Impfstoffe gesetzt«. Aber »wir haben alle unterschätzt, dass das Hochfahren einer stabilen Massenproduktion mit erheblichen Risiken behaftet ist«.

Gleichzeitig betonte sie, wie wichtig ein gemeinsamer Einkauf gewesen sei. »Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es in Europa heute aussähe, wenn einige wenige große Staaten jetzt vielleicht Impfstoffe hätten, und die meisten kleineren Mitgliedstaaten erst einmal leer ausgegangen wären.« Das hätte »Europa zerrissen und den Binnenmarkt zerstört«.

Mit der Steigerung der Impflieferungen in die EU würde zumindest das Ziel wieder realistischer, bis zum Ende des Sommers zwei Drittel der erwachsenen EU-Bürger einmal zu impfen. Die deutsche Bundesregierung hat versprochen, bis Ende September allen Erwachsenen ein Impfangebot zu machen.

Kürzlich hatte Italien eine Lieferung von 250.700 Dosen AstraZeneca-Impfstoff nach Australien gestoppt. Die Exportkontrollen der EU richten sich besonders gegen Hersteller, die ihre Lieferpflichten nicht erfüllen. AstraZeneca liefert bisher weniger Impfstoff in die EU als ursprünglich geplant. Im ersten Quartal kann der Konzern nur 40 statt 90 Millionen Impfdosen liefern. Grund seien Produktionsengpässe in einem belgischen Werk, heißt es.

AstraZeneca-Lieferungen hängen auch von amerikanischem Werk ab

Die Lieferungen im zweiten Quartal hängen unter anderem von einem Werk in den USA ab – und die US-Regierung hat den AstraZeneca-Impfstoff zwar bisher nicht zugelassen, aber ein Ausfuhrverbot verhängt. Deswegen telefoniert man in Brüssel in den vergangenen Tagen aufgeregt mit Washington.

»Die Kommission vertraut darauf, dass wir mit den USA zusammenarbeiten können, um sicherzustellen, dass Impfstoff, der in den USA hergestellt oder abgefüllt wird, für die Erfüllung der vertraglichen Pflichten der Vakzinenhersteller gegenüber der EU voll genutzt werden kann«, sagte eine Sprecherin der EU-Kommision.

slü
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