SPIEGEL-Umfrage Große Mehrheit unterstützt allgemeine Impfpflicht

Österreich will im Februar die allgemeine Impfpflicht einführen. Eine Maßnahme, die sich laut SPIEGEL-Umfrage auch die große Mehrheit der Deutschen wünscht. Besonders ältere Menschen sind dafür.
Coronaimpfung: Die Impfkampagne in Deutschland stockt

Coronaimpfung: Die Impfkampagne in Deutschland stockt

Foto: Lennart Preiss / dpa

Deutschland steckt mitten in der vierten Coronawelle. Kaum ein Tag vergeht ohne neuen Höchststand der Neuinfektionen. Ähnliches lässt sich auch in Österreich beobachten. Nun plant das Nachbarland im Kampf gegen die Pandemie von Februar an eine allgemeine Impfpflicht . Eine Maßnahme, über die auch in Deutschland immer lauter debattiert wird.

Eine aktuelle SPIEGEL-Umfrage zeigt: Eine große Mehrheit der Menschen würde die Impfpflicht hierzulande unterstützen. Nach der Erhebung des Meinungsinstituts Civey sprechen sich mehr als 70 Prozent dafür aus, dass die Coronaimpfungen verpflichtend werden. Rund ein Fünftel lehnt eine Maßnahme wie in Österreich hingegen ab.

Auffällig ist auch, dass es bei diesem Thema offenbar nur sehr wenige Unentschlossene gibt. Lediglich 4 Prozent haben auf die Frage, ob Deutschland eine ähnliche allgemeine Impfpflicht gegen Covid-19 einführen soll, geantwortet, dass sie unentschieden seien. Auch ist der Anteil derer, die die Frage mit »eher nein« (4 Prozent) oder »eher ja« (11) beantwortet haben, verhältnismäßig gering.

Befragt wurden die gut 7500 Teilnehmer der repräsentativen Umfrage im Zeitraum zwischen 19. und 22. November. In dieser Zeit waren etwa 70 Prozent der Menschen in Deutschland vollständig gegen Corona geimpft. Die Impfquote liegt damit unter den Erwartungen. Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, halten Expertinnen und Experten eine Impfquote von 85 Prozent bei den 12- bis 59-Jährigen für notwendig.

Mehrheit der AfD-Anhänger gegen Impfpflicht

Angesichts der dramatischen Coronalage im Land scheinen viele Deutsche in der Impfpflicht ein geeignetes Mittel zu sehen. Allerdings gibt es dabei große Unterschiede zwischen den Anhängerinnen und Anhängern der einzelnen Parteien.

Den größten Zuspruch findet die Maßnahme bei potenziellen Wählerinnen und Wählern von Grünen, SPD und Union. In allen drei Gruppen würden mindestens 85 Prozent die Einführung einer Impfpflicht unterstützen. In der Anhängerschaft der Linken waren es 72 Prozent.

Weniger Zuspruch findet die Maßnahme in der FDP-Klientel. Hier sind 59 Prozent der Umfrage zufolge für eine Impfpflicht. Lediglich unter AfD-Anhängern stößt eine Impfpflicht überwiegend auf Ablehnung. Dort sprechen sich 63 Prozent dagegen aus.

Auch bei der Aufschlüsslung der Befragten nach Ost und West werden Unterschiede deutlich. Während sich in Westdeutschland 74 Prozent für eine Impfpflicht aussprechen, sind es in Ostdeutschland zehn Prozentpunkte weniger.

Betrachtet man die einzelnen Altersgruppen, zeigen sich größere Differenzen. Grundsätzlich steigt der Zuspruch für eine allgemeine Impfpflicht mit zunehmendem Alter.

Von den 18- bis 29-Jährigen unterstützt nur etwa jeder Zweite die Maßnahme. Von den Deutschen ab 65 Jahren sprechen sich dagegen 87 Prozent für die allgemeine Impfpflicht aus.

Während die Mehrheit der Deutschen sich eine Impfpflicht wünscht, appellieren Politiker derzeit noch an Ungeimpfte, sich impfen zu lassen. Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat angesichts der dramatischen Coronalage erneut zur Impfung aufgerufen. In der Debatte über eine Impfpflicht äußerte er sich zurückhaltend, verwies aber auf Überlegungen, darüber »als letztes Mittel« nachzudenken.

asc
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