Coronalage in Deutschland Jeder vierte Kreis wieder unter Inzidenzmarke von 100

In Deutschland melden viele Landkreise weniger Corona-Infektionen. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach rechnet dies der Notbremse zu, er erwartet einen Impfeffekt in der zweiten Maihälfte.
Leere Strände, fallende Zahlen: Ein Strandkorb in Eckernförde in Schleswig-Holstein

Leere Strände, fallende Zahlen: Ein Strandkorb in Eckernförde in Schleswig-Holstein

Foto: T. Nowack / peno foto / imago images

Ein Viertel der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ist mittlerweile geimpft, nun fällt auch bundesweit merklich die Zahl der Corona-Neuinfektionen. Jeder vierte Landkreis in Deutschland hat mittlerweile wieder eine Sieben-Tage-Inzidenz von weniger als 100. So liegen aktuell 103 von 412 erfassten Kreisen und kreisfreien Städten nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) unter dieser politisch gesetzten Marke.

Zum Vergleich: Vor einer Woche waren nur 57 Kreise unter der 100er-Schwelle. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz – also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche – an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100, greift die sogenannte Bundesnotbremse. Damit gelten automatisch strengere Regeln wie Ausgangsbeschränkungen.

Bund und Länder hatten sich auf die Notbremse geeinigt, um bundeseinheitliche Regeln bei hohen Inzidenzen einzuführen. Zuvor hatten sich einzelne Ministerpräsidenten über Absprachen der Bund-Länder-Runde hinweggesetzt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach der Einigung die Hoffnung geäußert, dass viele Landkreise proaktiv geeignete Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus aufstellen, um nicht die 100er-Schwelle zu passieren. Oder diese rasch wieder zu unterschreiten.

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Regionale Inzidenzen von 32 bis 557

Die Infektionslage ist in den Ländern allerdings immer noch recht unterschiedlich. So gab das RKI die Inzidenz in Schleswig-Holstein am Dienstag mit 57 an. Auch Hamburg und Niedersachsen lagen unter der Marke von 100. Thüringen mit einer Inzidenz von 217 und Sachsen mit einem Wert von 204 liegen hingegen deutlich drüber. Auf Kreisebene sieht es in Flensburg (32) besonders gut aus, der Saale-Orla-Kreis in Thüringen weist bundesweit mit 557 Infizierten auf 100.000 Einwohner die höchste Inzidenz auf.

Bundesweit betrachtet weisen dennoch mehrere Kennzahlen zum Infektionsgeschehen in Richtung Entspannung:

  • Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen einem Tag 7534 Corona-Neuinfektionen. Am Dienstag vor einer Woche hatte der Wert bei 10.976 gelegen.

  • Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 141,4 – und damit deutlich niedriger als noch vor einer Woche mit 167,6.

  • Auf den Intensivstationen verschlimmerte sich die Lage in den vergangenen Tagen nicht mehr.

  • Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Montagabend bei 0,88. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 88 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Die optimistisch stimmenden Werte können am Verhalten der Menschen liegen, aber auch am Fortschritt beim Impfen. Um deutliche Effekte der Bundesnotbremse zu sehen, ist es aber wohl noch zu früh.

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Amtsärzte warnen vor Test-Stopp

Medizinerinnen warnen indes vor zu schnellen Erleichterungen. Mit Bezug auf die Debatte über Lockerungen für bereits Geimpfte sagte Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe: »Es wäre fatal, wenn Geimpfte und Genesene künftig von allen Testpflichten etwa bei der Einreise ausgenommen würden.« Sie erklärte: »Ohne umfassende Tests verlieren wir den Überblick über das Infektionsgeschehen – gerade auch mit Blick auf Virusvarianten.«

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet nach eigenen Worten Mitte oder Ende Mai ein exponentielles Absinken der Corona-Infektionszahlen. Dem »Münchner Merkur« sagte er: »Die aktuellen Coronazahlen sind bislang der funktionierenden Notbremse und nicht dem Impfen geschuldet. Das ändert sich erst, wenn die Quote der Erstgeimpften zwischen 40 und 60 Prozent liegt.« Deutschland werde ab der dritten oder vierten Maiwoche so weit sein.

mrc/dpa
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