Erleichterungen für Geimpfte und Genesene Diese acht Bundesländer haben 2G-Regeln eingeführt

Hamburg hat es vorgemacht, nun ziehen weitere Bundesländer nach – und führen 2G-Modelle im Kampf gegen Corona ein. Wie streng die Regeln ausgelegt werden, unterscheidet sich jedoch von Land zu Land. Der Überblick.
Eine Bar in Hamburg weist am Einlass auf die geltende 2G-Regel hin

Eine Bar in Hamburg weist am Einlass auf die geltende 2G-Regel hin

Foto: Axel Heimken / dpa

Deutschland steckt in der vierten Coronawelle, bundesweit gilt daher die 3G-Regel: Nur Geimpfte, Genesene und Getestete haben Zugang zu bestimmten Innenräumen wie bei Partys, im Kino oder in der Gastronomie. Ende August hat Hamburg allerdings für sich auch eine optionale 2G-Regel eingeführt: Wer will, kann in der Hansestadt seine Türen nur für Geimpfte und Genesene öffnen, ein Eintritt per Schnelltest ist dann nicht mehr möglich.

Die Maßnahme soll vor einer weiteren Ausbreitung der gefährlichen Delta-Variante des Coronavirus schützen: Ungeimpfte haben ein signifikant höheres Risiko, Covid-19 zu verbreiten. Die Schnelltests bilden nur eine Momentaufnahme ab und gelten als zu ungenau, um sicher ausschließen zu können, dass Getestete nicht doch das Virus in sich tragen.

Nun folgen gleich mehrere Bundesländer dem Hamburger Modell – mit unterschiedlicher Schärfe. Ein Überblick der neuen Maßnahmen.

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg tritt am Donnerstag ein neuer Stufenplan bei den Coronamaßnahmen in Kraft. Künftig ist die sogenannte Sieben-Tage-Hospitalisierung oder die Zahl der im Land mit Covid-Patienten belegten Intensivbetten der entscheidende Maßstab für strengere Maßnahmen.

Eine Warnstufe gilt ab 250 Covid-Intensivpatienten oder acht neuen Coronafällen in baden-württembergischen Krankenhäusern je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Die schärfere Alarmstufe gilt ab 390 Intensivpatienten oder 12 neuen Coronafällen je 100.000 Einwohner im 7-Tage-Schnitt auf den Intensivstationen.

Die Alarmstufe ist dabei das 2G-Modell für Veranstaltungen des öffentlichen Lebens gekoppelt. Dann sind für Nichtgeimpfte auch private Feiern auf zwei Haushalte beschränkt.

Diese strengeren Maßnahmen für Ungeimpfte seien keine Strafen, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Sie würden zu deren eigenem Schutz ergriffen und verhinderten neue Extremsituationen auf den Intensivstationen.

Berlin

Der Senat hat die Einführung eines 2G-Optionsmodells für Veranstaltungen und Dienstleistungen beschlossen, die neue Regelung soll voraussichtlich am Samstag in Kraft treten.

Vergleichbar mit dem Hamburger Modell gibt es Erleichterungen für Betriebe und Veranstalter, wenn diese lediglich Geimpfte und Genesene einlassen. Das Optionsmodell betrifft etwa körpernahe Dienstleistungen, Freizeitangebote, Zoos, Sport oder Spielhallen. Wo eine 2G-Regelung umgesetzt wird, entfällt die Pflicht zur Einhaltung des Mindestabstands oder der Maskenpflicht. Somit könnten etwa in der Gastronomie wieder mehr Gäste zugelassen werden.

Bei Großveranstaltungen, die nur Geimpfte oder Genesene zulassen, erlaubt die neue Verordnung eine hundertprozentige Auslastung bei maximal 25.000 Teilnehmern. Die 2G-Regelung kann auch nur für einzelne Tage oder begrenzte Zeiträume angewandt werden.

Zuvor hatte der Berliner Senat die 2G-Regel bereits für einige Bereiche eingeführt. Geimpfte und Genesene dürfen seit Anfang September wieder in den Innenbereichen von Klubs und Diskotheken tanzen. In Saunen, Thermen und ähnlichen Einrichtungen dürfen beide Gruppen wieder an Aufgüssen teilnehmen und Dampfbäder betreten.

Hessen

Das Bundesland führt wie Hamburg und Berlin ein optionales Modell ein. Masken- und Abstandsregeln entfallen für jene Gastronomen oder Unternehmende aus der Kultur-, Veranstaltungs- und Sportbranche, die künftig auf 2G umschwenken.

Die Regelung kann nach Angaben von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bereits ab Donnerstag angewandt werden. »Die Pandemie entwickelt sich zunehmend zu einer Pandemie der Ungeimpften – deshalb betreffen die weiterhin notwendigen Einschränkungen vor allem sie, während Geimpfte und Genesene davon immer weniger betroffen sind«, erklärte er in Wiesbaden.

Niedersachsen

Auch Niedersachsen hat bereits seit einigen Tagen ein 2G-Modell – nun wird es ausgeweitet. Künftig dürfen auch die Gastronomie, die Kulturszene, Veranstaltende oder der Sport profitieren. Maskenpflicht und das Abstandhalten sollen dann entfallen. Bisher galt das 2G-Modell lediglich für Betreibende von Diskotheken, Klubs und Shishabars.

Rheinland-Pfalz

Das Bundesland hat ähnlich wie Baden-Württemberg eine Corona-Ampel eingeführt, die sich an der Infektionsinzidenz, der Hospitalisierungsinzidenz und der Belegung der Intensivstationen orientiert. Seit Sonntag gilt das sogenannte »2G+«-Modell: Das heißt, Geimpfte und Genesene dürfen alles nutzen. Für Getestete gibt es weiterhin Beschränkungen. Lockdowns als Schutzmechanismus sind nicht mehr vorgesehen, stattdessen wird bei steigenden Inzidenzen der Zutritt von Ungeimpften zu Veranstaltungen jeglicher Art und der Gastronomie je nach Ampelstufe reduziert.

Unabhängig von 2G oder 3G gelten weiterhin Maskenpflicht drinnen und bei Gedränge sowie Abstandsregelungen.

Sachsen

Der Freistaat folgt Hamburg und führt das sogenannte 2G-System als Optionsmodell ein. Demnach sollen nur noch Geimpfte und Genesene Zugang zu Restaurants, Einrichtungen oder Events von bis zu 5000 Menschen erhalten, wenn der Veranstalter das für sich selbst entscheidet, gab Staatskanzleichef Oliver Schenk (CDU) in Dresden bekannt.

Im Gegenzug bestehe die Möglichkeit, Beschränkungen wie die Maskenpflicht und das Abstandsgebot aufzuheben. Allerdings muss eine Einlasskontrolle erfolgen. Unklar ist bisher, ob Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren und Menschen, die sich nicht impfen lassen können, beim Besuch entsprechender Einrichtungen einen Test benötigen.

Sachsen-Anhalt

In Magdeburg hat die Landesregierung die Einführung des 2G-Optionsmodells für Veranstaltungen und Betriebe beschlossen. Ähnlich wie in Hamburg können Unternehmen und Veranstalter entscheiden, nur Geimpfte und Genesene einzulassen. Es handle sich ausdrücklich um ein Angebot und nicht um eine Verpflichtung, erklärte die Landesregierung.

Veranstalter und Betriebe, die sich für das 2G-Zugangsmodell entscheiden, müssen weder Abstandsregeln noch die Maskenpflicht oder Kapazitätsbegrenzungen einhalten. Im Vorfeld muss das Modell dem Gesundheitsamt gemeldet und per Aushang oder Hinweis am betreffenden Ort öffentlich gemacht werden. Es ist auch möglich, dass 2G-Modell im stunden- oder tageweisen Wechsel mit dem 3G-Modell zu wählen.

mrc/dpa
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