Coronavirus Spahn rechnet mit Massenimpfungen spätestens im Sommer

Wann könnten in Deutschland wie viele Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden? Gesundheitsminister Jens Spahn wagt eine Prognose. Für den Jahresanfang befürchtet er Verteilungskonflikte.
Jens Spahn: »Spätestens im Sommer wird es Massenimpfungen geben«

Jens Spahn: »Spätestens im Sommer wird es Massenimpfungen geben«

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CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shutterstock

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält es für realistisch, dass es in Deutschland in absehbarer Zeit Massenimpfungen gegen das Coronavirus geben wird. »Stand heute bin ich sehr optimistisch, dass es spätestens im Sommer Massenimpfungen geben wird«, sagte Spahn am Samstag dem Nachrichtenportal »T-Online« . Nach seinem aktuellen Wissensstand erwarte er, dass »wir im Sommer auch flächendeckend in den Arztpraxen impfen können«.

Insgesamt gebe es fünf Impfstoffkandidaten, »die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bis zur Jahresmitte zugelassen werden«, so Spahn. »Neben den Produkten von Biontech und Moderna auch die von Curevac, AstraZeneca und Johnson & Johnson.«

Die Frage, ob Deutschland im nächsten Herbst 2021 mit dem Gröbsten durch sei, beantwortete Spahn knapp: »Wenn möglichst viele das Impfangebot wahrnehmen: ja.«

»Balance zwischen ethischem Grundsatz und Praktikabilität finden«

Millionen Menschen könnten bereits im Frühjahr durch Impfungen immunisiert sein, so Spahn. Bis Ende März seien »für Deutschland elf Millionen Dosen allein von Biontech realistisch«. Auf die Frage, wer zuerst geimpft werde, antwortete Spahn: »Das klären wir in der kommenden Wochen auf Basis der Expertenempfehlungen. Wir müssen die Balance zwischen ethischem Grundsatz und Praktikabilität finden.«

Kritik an Spahns Äußerungen kam von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. »Die Seren helfen, die Erkrankung Covid-19 zu mildern. Ob Impfungen die Infektion verhindern können, ist jedoch unsicher«, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Deshalb sei es »gefährlich, den Eindruck zu erwecken, dass Impfungen vor dem Virus umfassend schützen«.

Die Bundesregierung und insbesondere Gesundheitsminister Spahn sollten sich »davor hüten, solche einfachen Bilder zu nutzen, um die Impfbereitschaft zu steigern«, sagte Brysch. »Solche Vereinfachungen treiben die Menschen in die Fänge der Corona-Leugner. Das wäre negativ für die dringend notwendige Impfbereitschaft.«

Sorge vor Verteilungskonflikten

Zum Thema Impfbereitschaft äußerte sich Jens Spahn am Samstag auch noch in einer Onlinediskussion . Dort sagte er, dass es zum Start der Corona-Impfungen eine »sehr harte Priorisierung« geben werde. Voraussichtlich werde es im Januar in Deutschland für eine zweistellige Millionenzahl an Impfwilligen nur drei Millionen Impfdosen geben, heißt es in einer Zusammenfassung der Nachrichtenagentur dpa zu Spahns Onlineauftritt: Der CDU-Politiker befürchte deshalb, es könne anfangs zu Verteilungskonflikten um den Impfstoff kommen.

»Es wird ja nicht umsonst an Konzepten gearbeitet, bis hin zu polizeilichem Schutz der Impfzentren«, sagte Spahn demnach. Möglicherweise werde es Situationen geben, in denen Leute sagten »Ich will jetzt aber«, obwohl sie noch nicht an der Reihe seien.

Risikogruppen – also Ältere und Kranke –, Beschäftigte im Gesundheitsdienst und in zentralen Bereichen der Daseinsvorsorge sollen nach den Plänen der Bundesregierung zuerst geimpft werden. Als »Hauptkriterium« nannte Jens Spahn das Alter. Wer Vorerkrankungen habe, brauche eine Bescheinigung vom Haus- oder Facharzt. Von Ärzten erwarte er Aufgeschlossenheit, sich selbst impfen zu lassen. Eine Impfpflicht werde es aber auch für sie nicht geben.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich zum Stand der Impfstoffentwicklung. »Nach mehr als einem Dreivierteljahr der Pandemie sehen wir mittlerweile ja Licht am Ende des Tunnels«, sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Podcast . Es bestehe die Hoffnung, dass schon sehr bald ein oder mehrere Impfstoffe zur Verfügung stünden. »Dann können wir Schritt für Schritt das Virus besiegen.« Eine Sache von wenigen Monaten sei das allerdings nicht, schränkte Merkel ein.

mbö/AFP/dpa