Bundesgesundheitsminister Spahn stellt Impfangebot für alle Bürger bis zum Sommer in Aussicht

Jens Spahn hat die europäische Impfkampagne verteidigt: Für alle Impfwilligen sei ausreichend eingekauft worden. In seiner Regierungserklärung räumte der Gesundheitsminister auch Fehler ein.
Gesundheitsminister Jens Spahn

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Kay Nietfeld / dpa

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Corona-Impfstoffe für alle Bürger in Deutschland bis zum Sommer in Aussicht gestellt. Dass dann genügend Impfdosen vorhanden seien, sei über die Verträge mit den Herstellern gesichert, sagte Spahn in einer Regierungserklärung zum Beginn der Impfkampagne vor dem Bundestag. Schon jetzt seien zusammen mehr als 200 Millionen Impfdosen verschiedener Hersteller wie Biontech, Moderna, AstraZeneca und Curevac eingekauft.

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Dass Deutschland zum Impfbeginn nicht ausreichend Vakzine eingekauft habe, wies Spahn zurück: »Grund sind fehlende Produktionskapazitäten, nicht fehlende Verträge.« Außerdem sei es aus seiner Sicht besser, fertige Impfzentren zu haben und auf die Dosen zu warten als andersherum. Zuletzt war auch vom Koalitionspartner SPD Kritik an zu geringen Impfstoffbestellungen laut geworden.

Gleichzeitig räumte Spahn ein, dass der Start der Impfkampagne sowohl in Deutschland als auch in der Europäischen Union zu schleppend angelaufen sei. Die Abläufe zwischen Brüssel und den EU-Mitgliedstaaten würden noch »ruckeln«. »Dass der Impfstoff aber weltweit ein knappes Gut ist«, so Spahn weiter, »ist eine Tatsache, die wir nicht ändern können.« Kritiker bemängelten, dass die EU zu spät Impfdosen geordert habe. Frühere Einkäufe hätten Herstellern wie Biontech die Sicherheit gegeben, früher weitere Produktionsstätten hochzufahren.

Biontech-Stätte in Marburg soll bald produzieren

Eine solche Produktionsstätte von Biontech entsteht gerade in Marburg. Laut Spahn hat Deutschland den Ausbau der Stätte bereits seit vergangenem August gefördert. Voraussichtlich bereits im Februar könne in Marburg die Produktion starten, sagte Spahn jetzt.

In einem weiteren Punkt seiner Rede bekannte sich Spahn erneut klar zum gemeinsamen europäischen Vorgehen. »Wir dürfen Europa nicht nur in Sonntagsreden beschwören, wir müssen unseren Worten auch Taten folgen lassen«, sagte Spahn. Ein Alleingang Deutschlands würde weder moralisch noch ökonomisch helfen. Die EU brauche den freien Güterverkehr, wenn wirtschaftlich schwächere Länder keine Impfdosen bekommen, wäre der Union nicht geholfen. Zudem wären Alleingänge ein falsches Signal an die Einheit Europas: »Wenn ost- und südeuropäische Partner keinen Impfstoff über die EU bekommen, wer wäre eingesprungen? China? Russland

»Wir krempeln zusammen die Ärmel hoch«

Der Gesundheitsminister glaubt, die Pandemie kann überwunden werden, wenn über das Jahr hinweg die allermeisten Bürgerinnen und Bürger bereit seien, sich impfen zu lassen. »Wir krempeln zusammen die Ärmel hoch, damit diese Pandemie ihren Schrecken verliert.«

Die Corona-Impfungen in Deutschland hatten vor gut zwei Wochen begonnen. Vor Ort gibt es teils Ärger wegen der Organisation von Impfterminen. Nach Spahns Angaben wurden in Deutschland bisher mehr als 750.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft.

mrc
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