Kampf gegen Corona Lauterbach hofft auf Impfpflicht ab April oder Mai

Die Impfpflicht soll kommen, bislang bewegt sich im Bundestag aber recht wenig. Nun warnt Gesundheitsminister Lauterbach vor neuen Problemen im Herbst – und rechnet vor, wann das Impfgesetz spätestens stehen müsste.
Hier impft der Gesundheitsminister noch selbst: Der Arzt Karl Lauterbach bei einem Impftermin in Schwerin

Hier impft der Gesundheitsminister noch selbst: Der Arzt Karl Lauterbach bei einem Impftermin in Schwerin

Foto: Jens Buettner / AP

Die Omikron-Wand sorgt in Deutschland für nie da gewesene Infektionshöchstwerte, gleichzeitig hoffen Medizinerinnen und Mediziner dank der weniger aggressiven Variante auf ein baldiges Auslaufen der Pandemie. Nun warnt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor falschen Hoffnungen – und nennt einen notwendigen Zeitrahmen für eine allgemeine Impfpflicht.

»Wenn wir einen Antrag machen wollen, der noch funktioniert, dann setzt er die Impfpflicht im April in Kraft, vielleicht im Mai«, sagte Lauterbach in der Sendung »RTL Direkt«. Der Gesundheitsminister teilt die Auffassung von Experten wie dem Berliner Virologen Christian Drosten, dass sich irgendwann jeder infizieren werde. Das bedeute aber nicht, dass die Impfung überflüssig sei. »Es gibt immer noch keine Grundimmunität besonders bei Alten und Kranken«, warnte der Minister.

Bis zum Herbst könnten weitere neue Varianten des Coronavirus auftauchen. »Dann stünden wir mit leeren Händen da, wenn wir erneut die große Zahl der Ungeimpften haben, die wir schützen müssen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.« Lauterbach forderte daher einen schnellen Beschluss des Bundestags zur Einführung einer Impfpflicht.

»Und dann ist man ja schon im September oder Oktober«

Entsprechend sei auch der Mai der späteste Zeitpunkt, um sich mit einer Impfpflicht für den Herbst zu rüsten: »Diejenigen, die noch gar nicht geimpft sind, die müssen ja noch drei Impfzyklen durchlaufen, und dann ist man ja schon im September oder Oktober.« Die Impfpflicht müsse entsprechend schnell umgesetzt werden, »damit ich die Welle im Herbst noch abwenden kann.«

Die Impfpflicht war bereits im Dezember von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angeregt worden – bislang ist jedoch kein Gesetz in Sicht. Scholz will eine Gewissensentscheidung im Bundestag, ohne Fraktionszwang. Das Gesetz soll in Form von Anträgen aus der Mitte der Fraktionen erarbeitet werden.

Die Opposition wirft Scholz vor, sich um die Ausgestaltung eines eigenen Gesetzes zu drücken. Laut Gesundheitsminister Lauterbach ist bisher mindestens ein konkreter Antrag in Arbeit.

Mit Blick auf Omikron rechnet Lauterbach erst in einigen Wochen mit einem Abflachen der Infektionszahlen. »Ich glaube, dass wir den Höhepunkt der Welle Mitte Februar erreichen werden, und dann könnten die Fallzahlen auch wieder sinken, aber wir sind noch nicht auf dem Höhepunkt angekommen.«

Lauterbach geht zudem davon aus, dass die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz deutlich höher liegt, als der am Dienstag gemeldete Wert von 553,2. Die Dunkelziffer dürfte »ungefähr beim Faktor zwei liegen«, sagte Lauterbach. »Ob es tausend sind, wissen wir nicht genau.«

mrc/AFP